SIEMENS-CHEF JOE KAESER

Fettnäpfchen

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„Wir werden Görlitz nicht fallen lassen.“ Ein Satz, der am Rande des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos fiel, sorgte zu Hause in Deutschland für Hoffnung – und stimmte Gewerkschafter versöhnlicher, was die Verhandlungen um den Jobabbau bei Siemens angeht.

In der Kraftwerkssparte sollen tausende Jobs wegfallen, Görlitz soll geschlossen werden. Ein Vorhaben, das den Betriebsfrieden auf eine harte Probe stellt. Umso erfreulicher, das Versprechen des Siemens-Chefs. Doch nur einen Tag währte die Annäherung. Prompt trat Joe Kaeser ins Fettnäpfchen.

Bei einem Abendessen mit US-Präsident Donald Trump – ebenfalls in Davos – kündigte der Siemens-Lenker an, eine neue Generation von Gasturbinen in den USA entwickeln zu wollen. Gasturbinen gehören zur Kraftwerkssparte. Wird nun also in den USA kräftig investiert, während in Deutschland Jobs abgebaut werden? Nur um (dank US-Steuerreform) mehr Marge zu machen? Und das bei einem Konzern, der ohnehin Milliardengewinne einfährt? Die Entrüstung ist verständlich. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Gasturbinen für lokale Märkte oft vor Ort entwickelt und getestet werden müssen, etwa weil unterschiedliche Stromnetze zu Grund liegen. Diese Erklärung schob Siemens dann auch nach, allerdings nachdem der Schaden bereits angerichtet war. Wie gewonnen, so zerronnen.

Manuela Dollinger

Sie erreichen die Autorin unter

Manuela.Dollinger@ovb.net

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