„Einen Anspruch auf Zeugung eines eigenen Kindes gibt es nicht“

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Dr. Gerrit Hohendorf ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin an der Technischen Universität München.

Er sagt im Interview mit unserer Zeitung: „Das Urteil des Bundesgerichtshofs, das Kindern das Recht zuspricht zu erfahren, wer ihr biologischer Vater ist, ist konsequent. Für die Entwicklung eines Kindes ist das Wissen um den Vater von großer Bedeutung. Die Frage „Wer ist mein leiblich-biologischer Vater?“ kann nicht unbeantwortet bleiben, bis gerichtlich oder gutachterlich festgestellt ist, dass das Kind auch die Reife dazu hat, diese Frage zu stellen.

Dieser Konsequenz müssen sich Männer, die sich zur Samenspende entschließen, bewusst sein – aber auch die Frauen und Paare, die die Samenspende entgegennehmen. Insofern macht das Urteil deutlich, dass es in Deutschland eine anonyme Samenspende in letzter Konsequenz nicht geben kann. Die moderne Reproduktionsmedizin macht es möglich, dass genetische (Herkunft der Samenzelle oder des Eis), biologische (Schwangerschaft und Geburt) und soziale Elternschaft (Aufwachsen des Kindes) auseinanderfallen. Für die betroffenen Kinder ist dies mit schwer zu beantwortenden Fragen nach der eigenen Herkunft und Identität verbunden.

Einen Anspruch auf Zeugung eines eigenen Kindes gibt nicht, und es ist die Frage, ob die moderne Reproduktionsmedizin einen solchen Anspruch in jedem Falle erfüllen kann und soll. Neben den Rechten von Frauen und Männern auf Fortpflanzung und Elternschaft sind in ethischer Hinsicht auch die Rechte der durch Samen- oder Eizellspende gezeugten Kinder zu beachten. Sie haben meiner Auffassung nach ein Recht, ab einem bestimmten Zeitpunkt ihres Lebens nicht nur ihre leiblichen, sondern auch ihre genetischen Eltern kennenzulernen – und sie haben ein Recht darauf, sich nicht als ein künstlich erzeugtes Produkt ihrer Eltern mit einem bestimmten Aussehen und bestimmten Eigenschaften erleben zu müssen.“

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