Doppelter Einsatz in prekärer Lage

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Ein Präsidenten-Paar im Flüchtlingslager: Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender unterhalten sich mit einer syrischen Flüchtlingsfamilie im jordanischen Camp Al-Asrak. Foto: Steffen Kugler/dpa

Jordanien und der Libanon haben zahlreiche Syrien-Flüchtlinge aufgenommen. Immer noch träumen einige von einer Weiterreise nach Europa. Der Bundespräsident will sie nicht ermutigen.

Steinmeier im Nahen Osten 

von Thomas Lanig

Amman/Beirut – Zwischen dem syrischen Flüchtlingslager Al-Asrak und dem Luftwaffenstützpunkt mit demselben Namen liegen nur gut 20 Minuten Fahrt. Die zwei Orte in der wüstenähnlichen Landschaft im Norden Jordaniens haben eigentlich wenig miteinander zu tun, normalerweise. Aber an diesem Montag ist das anders: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht beide Orte.

Seine Botschaft ist dann auch fast die gleiche: Die deutsche Hilfe für die vielen Hunderttausend Flüchtlinge in Jordanien wird ebenso weitergehen wie der Einsatz der Bundeswehr zur Unterstützung des Kampfs gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). „Ihr Dienst hier ist weiter wichtig“, ruft Steinmeier den deutschen Soldaten zu – für die Menschen in Jordanien, aber auch für die Sicherheit Deutschlands.

Sieben Mal war Steinmeier als Außenminister in Jordanien. Er kennt die komplizierte Lage des Landes, zwischen Israel, Palästinensern und dem Bürgerkrieg in Syrien, zwischen Saudi-Arabien, dem Iran und den USA. Nicht zuletzt weiß er um die angespannte wirtschaftliche Situation. Aber nun ist er zum ersten Mal als Bundespräsident hier, da ist manches anders. Und weil in Berlin immer noch keine Regierung steht, ist er ein besonders willkommener Ansprechpartner.

Steinmeier nimmt sich Zeit, die Zitadelle von Amman zu besichtigen, die einzige echte Sehenswürdigkeit der Hauptstadt. Er besucht archäologische Stätten, spricht mit Künstlern und Unternehmern, Schülern und Studenten. Aber das reicht natürlich nicht. Am Montagmorgen trifft er in Al-Asrak ein. Dort sind, gut 50 Kilometer südlich der syrischen Grenze, etwa 300 Bundeswehrsoldaten stationiert, weil sie aus dem türkischen Incirlik abgezogen werden mussten. Die Türkei hatte wiederholt den Besuch von Bundestagsabgeordneten bei der deutschen Truppe untersagt. Der Umzug war eine große und kostspielige logistische Herausforderung. Aber jetzt, da der IS im Irak und in Syrien so gut wie besiegt erscheint, ist nicht ganz klar, was die deutschen Soldaten eigentlich noch in Al-Asrak hält.

Nicht weit vom Stützpunkt entfernt liegt das Flüchtlingslager, es ist das zweitgrößte in Jordanien. Über die Hälfte der rund 36 000 Syrer dort sind Kinder. Das Lager gilt als relativ modern und gut ausgestattet. Die Bewohner können in Supermärkten bargeldlos einkaufen, eine Iris-Scan-Technik macht das möglich.

Allerdings ist das Camp rund 90 Kilometer von Jordaniens Hauptstadt Amman entfernt und wirkt, inmitten einer Wüstenlandschaft, von der Welt abgeschnitten. Die Armut ist unübersehbar. 24 Euro pro Monat stehen den Flüchtlingen zur Verfügung, weniger als ein Euro pro Person und Tag. „Wir haben den Traum, nach Deutschland zu kommen“, sagt Aburahman (40). Er ist Ingenieur, seine Frau Lehrerin, sie haben Verwandte in Deutschland. Aber so richtig glaubt er wohl nicht mehr an seinen Traum. Wenig später sagt Steinmeier: „Ich glaube, die Zeit, in der Flüchtlinge weiterwandern wollen Richtung Europa, scheint mir hier vorbei zu sein.“

Deutschland unterstützt Jordanien relativ großzügig. 2017 waren es 595 Millionen Euro. Immerhin hat das kleine Königreich mit 650 000 Flüchtlingen aus Syrien und weiteren 75 000 aus dem Irak und dem Jemen eine Mammutaufgabe zu bewältigen. Dabei geht es dem Land, das unter Wasserknappheit leidet, wirtschaftlich nicht gut.

Auch der Libanon, den Steinmeier am Montagnachmittag besucht, ist ein Schlüssel-Land in der extrem konfliktträchtigen Region. Über ein Viertel der Menschen hier sind Flüchtlinge aus Syrien. Präsident Michel Aoun möchte so viele wie möglich in beruhigte Gebiete Syriens zurückschicken. Ihn trifft Steinmeier im Präsidentenpalast Baabda.

Jordanien und der Libanon – zwei kleine Länder müssen die Hauptlast der Flüchtlingsbewegung aus Syrien bewältigen. Deutschland ist zu weiterer finanzieller Unterstützung bereit. Auch damit sich die Menschen nicht doch auf den Weg machen.

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