WIE HÄLTST DU ES MIT HÖCKE? DIE HEUTIGE LISTENAUFSTELLUNG DER LANDESPARTEI GILT ALS FINGERZEIG FÜR DEN KÜNFTIGEN KURS

Die AfD-Wahlschlacht von Greding

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Petr Bystron,AfD-Landeschef, tritt nach seiner Schlappe wieder an.

München – Manchmal besteht die Kunst, Mehrheiten zu organisieren, in geschickter Diplomatie, manchmal in feiner Formulierungskunst – und hin und wieder eben schlicht darin, möglichst viele Menschen zur richtigen Zeit an den richtigen Ort zu bewegen.

Heute setzt die bayerische AfD in Greding die Aufstellung ihrer Landesliste für die Bundestagswahl im Herbst fort. In den vergangenen Tagen kämpften mehrere Funktionäre vor allem darum, Mitglieder dazu zu bringen, am Nominierungsparteitag teilzunehmen. Denn Teil eins der Nominierung war nach ihrer Lesart vor allem wegen der geringen Beteiligung ziemlich überraschend verlaufen.

Am vergangenen Sonntag war Landeschef Petr Bystron bei der Wahl für Platz eins unerwartet durchgefallen. Der Starnberger AfD-Kreischef Martin Hebner hatte gegen ihn kandidiert – und gewonnen. Hebner hatte die Mitglieder im Gegensatz zu Bystron mit seiner Rede begeistert. Und er war auf Distanz zum Vorsitzenden beim Umgang mit dem thüringischen Landeschef und Parteirechtsaußen Björn Höcke gegangen. Bystron stützte zuletzt Bundeschefin Frauke Petry, die dessen Ausschluss vorangetrieben hatte. Viele Mitglieder halten das aber für falsch. Und offenbar waren davon überproportional viele zum Parteitag gekommen.

Kritik an Frauke Petry, Solidarität mit Höcke – das wird im Hintergrund eine Rolle spielen. Die ersten drei Plätze sind vergeben. Platz zwei an den Finanzexperten Peter Boehringer, Platz drei an Corinna Miazga, die als Kritikerin Petrys gilt. Heute will Landeschef Bystron noch einmal antreten. Auf welchem Platz, steht offenbar noch nicht fest. Womöglich peile er schon Platz vier an, heißt es in der Partei. Dort könnte er es unter anderem mit dem oberbayerischen Bezirkschef Florian Jäger zu tun bekommen, der ebenfalls als ausgewiesener Petry-Kritiker gilt.

Auch auf Platz fünf dürfte es zu einem aussagekräftigen Duell kommen. Aller Voraussicht nach treten der Nürnberger Kreischef Martin Sichert und Bundesvorstandsmitglied Dirk Driesang aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck gegeneinander an. Driesang ist in der AfD einer der profiliertesten Kritiker Höckes, forderte ihn schon früh zum Austritt auf. An diesem Punkt dürfte Sichert ihn angreifen. Driesang spricht von einer „Zeit der Entscheidung“.

Ebenfalls auf Platz fünf wollte der Chef des Kreisverbandes Oberbayern Süd, Constantin Leopold Prinz von Anhalt-Dessau, antreten. Er hatte irreführende Angaben zu seinem Lebenslauf und zu seinen Familienverhältnissen gemacht – und dürfte im Falle einer Kandidatur Fragen beantworten müssen. Etliche andere Kandidaten machen sich Hoffungen auf einen guten Listenplatz. Darunter auch der Kreisvorsitzende München-Ost, Wilfried Biedermann.

Eine Nachricht vom Freitag dürfte den Parteitag zusätzlich emotional aufladen. Beim thüringischen Landesschiedsgericht ging gestern eine E-Mail mit dem Ausschlussantrag des Bundesvorstands gegen Höcke ein. Ein Sprecher der Thüringer AfD betonte indes, dass eine E-Mail nicht den Formalien genüge und dies nur eine Vorinformation sein könne. Diskussionen in Greding dürften programmiert sein. Til Huber

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