5 FRAGEN AN

„2050 könnte das ein normaler Sommer sein“

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Dr. Peter Hoffmann

Der Meteorologe Dr. Peter Hoffmann arbeitet am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Was sind die ungewöhnlichsten Wetterwerte aus den letzten Tagen?

Eine Hitzewelle baut sich nicht von heute auf morgen auf, sondern dauert über Wochen an. Mit bis zu 38 Grad haben wir in Deutschland die maximalen Temperaturen erreicht, die man zu dieser Jahreszeit bekommen kann. Genauso ungewöhnlich wie die Werte hier sind allerdings auch die 30 Grad am Polarkreis, die wir seit einigen Tagen haben. Die Wetterlage zieht sich über die gesamte Nordhemisphäre.

Wie besonders ist diese Situation?

Für uns in Mitteleuropa ist diese Hitzewelle vielleicht ungewöhnlich. Zum Beispiel in Russland gab es aber schon im Jahr 2010 eine ähnliche Situation, die über mehrere Wochen anhielt. Generell kann man sagen, dass extreme Wetterlagen immer häufiger werden. Nicht nur lange Trockenphasen, sondern auch Starkregen treten öfter auf.

Ist das der Klimawandel?

Einzelereignisse lassen sich nur schwer dem Wandel zuordnen. Klar ist aber trotzdem, dass wir uns jetzt schon in einer ein Grad wärmeren Welt befinden. In Deutschland rechnet man zukünftig mit einer Erwärmung von einem Grad pro 30 Jahren. Selbst wenn wir jetzt massiv umlenken, werden wir den Trend in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr ganz aufhalten können. Die jetzigen Rekordtemperaturen könnten im Jahr 2050 ein normaler Sommer sein.

Welche Folgen wird das für die Umwelt haben?

Um mit Trockenperioden und vermehrtem Starkregen zurechtzukommen, wird sich die Natur anpassen müssen. Man sieht schon heute, dass Pflanzen schon früher im Jahr zu wachsen beginnen. Gibt es dann noch mal Spätfrost, ist das natürlich schlecht.

Lässt sich die Erwärmung noch aufhalten?

Es ist auf jeden Fall ein ambitioniertes Unterfangen. Nicht nur die Politik muss jetzt handeln, sondern jeder Einzelne. Verhaltensweisen wie die Brötchen vom Bäcker mit dem Auto zu holen, sollte man dringend überdenken. Vielleicht öffnet die Hitzewelle manchen Menschen die Augen und man bringt die Temperaturen mit dem Klimawandel in Verbindung. Die aktuellen Wetterdaten sind die beste Grundlage, um Skeptiker zu überzeugen.

Interview: Marion Neumann

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