Jetzt gilt das Tempolimit auf der A94 – ein Widerspruch zur CSU-Kampagne? 

Wie an dieser Stelle bei der Einhausung Wimpasing an der Anschlussstelle Ampfing zeigen rund 70 Hinweisschilder die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 120 Stundenkilometer an. Eß
  • Wolfgang Haserer
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Seit Samstag besteht die Geschwindigkeitsbegrenzung von der Anschlussstelle Pastetten bis zur Einhausung Wimpasing an der Anschlussstelle Ampfing. Begleitet wird der Beginn der Testphase von den Diskussionen um die Einführung eines generellen Tempolimits.

Mühldorf – Während rund 70 Tempolimit-Schilder auf 35 Kilometern entlang der A94 aufgestellt wurden, hat die CSU eine Internet-Kampagne gegen die Einführung eines generellen Tempolimits gestartet – und damit nicht nur für Kritik beim Koalitionspartner gesorgt.

Auch innerhalb der CSU herrscht Uneinigkeit bei dem Thema. „Ich kann mir ein generelles Tempolimit auf den Autobahnen in Deutschland vorstellen. Es ist schon ein Anachronismus, dass wir das einzige Land sind, das keine Tempobegrenzung hat“, sagt CSU-Landtagsabgeordneter Dr. Marcel Huber auf Anfrage. 

Und weiter: „Ein Limit wäre für die Umwelt und für die Verkehrssicherheit besser. Man reist auch mit 130 oder 140 Stundenkilometern recht zügig.“

Tempolimit: Huber dafür, Mayer dagegen

Dagegen spricht sich CSU-Innenstaatssekretär Stephan Mayer klar gegen ein generelles Tempolimit auf Autobahnen aus. Seine Begründung: „Die Verkehrssicherheit würde dadurch nicht erhöht. Die Autobahnen gehören zu den sichersten Verkehrswegen in Deutschland. Die Zahl der Verkehrstoten ist in Ländern mit Tempolimit zum Teil drastisch höher als in Deutschland. Bei uns haben wir auf Bundes-, Landes- und Kommunalstraßen die meisten Unfälle und Unfalltote zu beklagen.“

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Zudem hält Mayer den Umwelteffekt eines Tempolimits für sehr gering. „Mit einem generellen Tempolimit von 130 Stundenkilometern könnten deutschlandweit lediglich 0,6 Prozent der CO2-Emissionen des Verkehrsbereichs eingespart werden. An Gefahrenstellen kann bereits heute die Geschwindigkeit beschränkt werden, ebenso zum Lärmschutz.“ 

Nur in Sachen Lärmschutz sinnvoll

Das mache laut Mayer aber nur Sinn, wenn sich in Sachen Lärmschutz für die Anwohner an Autobahnen wirkliche Entlastungen ergeben. „Daher habe ich Wert darauf gelegt, dass das auf der Neubaustrecke der A 94 eingeführte Tempolimit nur versuchsweise und maximal sechs Monate erlassen wird“, sagte Mayer.

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Auch in den sozialen Netzwerken wird heftig über das Thema gestritten. So kommentiert User Basti S.auf der Facebook Seite der OVB Heimatzeitungen die Kampagne der CSU mit den Worten: „Sehr glaubwürdig, wenn es von der grünen Söder-CSU kommt, die gerade die A94 auf 35 Kilometern reglementiert hat – völlig ohne Not und gegen die Interessen der Mehrheitsbevölkerung.“

Dagegen gibt Markus S. zu bedenken: „Auf der Inntalautobahn sieht man sehr schön den Unterschied: Bis Kiefersfelden herrscht Wildwest, wo man teils um sein Leben fürchten muss. Die unterschiedlichen Geschwindigkeiten führen zu Stress und unruhigem Verkehrsfluss. Ab Kufstein funktioniert es dann bestens.“ Darum würde dieser User sogar noch einen Schritt weiter gehen: „Tempo 100 fände ich gut.“

Lärmschutz: Gleiches Recht für Alle?

Auf alle Fälle wird die Tempolimit-Testphase auf der A94 von vielen Seiten mit Argusaugen beobachtet. Zuletzt haben die Anwohner in Dettendorf an der Autobahn München-Salzburg mit dem Hinweis auf die A94 weitere Lärmschutzmaßnahmen an der A8 gefordert. Der Grundsatz „gleiches Recht für Alle“ müsse auch beim Thema Geschwindigkeitsbegrenzung gelten, fordern sie.

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