"Die zweite Corona-Welle kommt bestimmt": Das sind die Notfallpläne in Mühldorf

Coronavirus - Krankenhausbetten
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Ein mit Folie überzogenes Bett steht in einem Krankenhauszimmer.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Mühldorf – Die erste Corona-Welle ebbt ab, die Politik hat die Beschränkungen gelockert. Dr. Benedikt Steingruber vom Gesundheitsamt Mühldorf geht aber davon aus, dass die Krise noch nicht vorbei ist. Ein wichtiges Mittel im Kampf gegen das Virus sind Impfungen.

Wie beurteilen Sie den Verlauf der Corona-Pandemie im Landkreis?

Dr. Benedikt Steingruber: Wir haben es gemeinsam geschafft, die erste Infektionswelle zu verlangsamen. Auch die ersten Lockerungen haben erfreulicherweise nicht zum befürchteten raschen Wiederanstieg der Infektionszahlen geführt. Offensichtlich werden viele Vorsichtsmaßnahmen doch gut eingehalten und wirken.

Zweite Welle wird flächendeckend

Wie würde sich eine zweite Welle von der ersten unterscheiden?

Steingruber: Die meisten Experten glauben sicher daran, dass eine zweite oder gar eine dritte Welle kommen wird. Im Gegensatz zur ersten Welle, bei der an einzelnen Punkten die Infektionen aufgetreten sind, wird bei einer zweiten Welle befürchtet, dass ein flächendeckendes Infektionsgeschehen vorherrschen wird.

Gibt es Notfallpläne für eine zweite Welle?

Steingruber: Unser Gesundheitswesen hat der ersten Welle Stand gehalten und sich bewährt. In den letzten Wochen wurden viele weitere Vorbereitungen getroffen – Betten auf Intensivstationen wurden aufgestockt, Beatmungsgeräte beschafft, Schutzausrüstung gekauft. Alle am Gesundheitswesen Beteiligten haben dazugelernt. In unseren Seniorenheimen sind viele Hygienemaßnahmen selbstverständlich geworden. Wir sind besser vorbereitet, als wir es am Anfang des Jahres waren – das gibt Hoffnung.

Fürchten Sie, dass eine zweite Welle kommt?

Steingruber: Ja, ich gehe davon aus, dass sie kommt – leider kann uns niemand sagen, wann und wie intensiv.

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Hilft eine Impfung?

Steingruber: Damit eine Infektionskrankheit wirklich zum Stillstand kommt, muss entweder eine natürliche „Durchseuchung“ vorliegen oder eine durch Impfung erreichte Immunität der meisten Menschen. Bei einer ausreichenden Durchimpfungsrate wären dann vermutlich auch einzelne Personen geschützt, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können.

Besser zuerst freiwillig impfen

Sind Sie für eine Impfpflicht?

Steingruber: Grundsätzlich bin ich immer zuerst für eine freiwillige Impfung und erst wenn sich zeigen sollte, dass wirklich eine Pflichtimpfung nötig ist, würde ich auf diese Möglichkeit zurückgreifen. Wenn eine Impfung kommen sollte, dann wird zumindest anfangs die Nachfrage das Angebot weit übertreffen. Besonders gefährdete Personen solltenzuerst geimpft werden. Eine Pflichtimpfung schon zu Beginn wäre eher kontraproduktiv.

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Können Sie die Bedenken von Impfgegnern nachvollziehen?

Steingruber: Wie bei jeder anderen wirksamen Impfung wird es bei einer Corona-Impfung auch Nebenwirkungen geben. Bis dann wirklich umfangreiche Erkenntnisse über eine Impfung und mögliche Nebenwirkungen vorliegen, wird einige Zeit vergehen.

Vermutlich wird man in einer Krisensituation versuchen eine Impfung möglichst schnell einzuführen. Eine gewisse Besorgnis kann ich gut verstehen. Wenn man sich allerdings die schweren Verläufe, die weiter steigenden Sterberaten vor Augen führt, werden sich wohl sehr viele für die Impfung entscheiden.

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