Zweigleisiger Ausbau bis Ampfing: Bahn will in vier Jahren beginnen

Mit einer neuen App können Interessierte künftig Bestand und Planung vergleichen und selbst Anmerkungen zu Streckenabschnitten zu machen. Projektleiter Klaus-Peter Zellmer stellte sie jetzt vor; sie ist aber noch nicht erhältlich. Becker

Bei einem Informationsgespräch in Mühldorf kündigte der Projektleiter für den Bahnausbau zwischen München und Freilassing den Beginn der Genehmigungsverfahren in diesem Jahr an. Klaus-Peter Zellmer rechnet dann damit, dass die Verfahren vier Jahre dauern, bevor der Bau beginnen kann.

Mühldorf/München – Die Bahn will alle Planungen für den zweigleisigen Ausbau der Strecke von Markt Schwaben bis Ampfing in spätestens vier Jahren durch die Genehmigungsverfahren gebracht haben. Das sagte Projektleiter Klaus-Peter Zellmer jetzt im Info-Center am Mühldorfer Bahnhof. „Etwa in vier Jahren können Sie mit uns rechnen“, erklärte er. Mit der Fertigstellung der Zweigleisigkeit und Elektrifizierung in allen Streckenabschnitten sei aber frühestens 2030 zu rechnen, bestätigte er den bereits früher genannten Termin.

Kritische Stellen in Tüßling und Dorfen

Aktuell ist die Bahn nach seinen Angaben damit beschäftigt, mit Anrainergemeinden an Lösungen zu arbeiten und die Bürger zu informieren. So werde beispielsweise in Tüßling momentan diskutiert, ob es eine „große“ oder eine „kleine Kurve“ geben solle.

In beiden Fällen würde der Mühldorfer Bahnhof als Güterumschlagplatz entlastet, wenn die für den Hafen in Triest bestimmten Güter aus den Werken in Burgkirchen und Burghausen bereits in Tüßing in Richtung Süden geleitet werden könnten. Sie müssten dann nicht mehr bis Mühldorf fahren, wo sie bisher „Kopf gestellt“ werden, wobei die Lokomotive ans andere Zugende geschafft wird. Erst dann können sich die Züge bisher auf den Weg gen Süden machen.

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„Besonders wenige Problemstellen haben wir von München bis Mühldorf“, sagte Zellmer, da dort praktisch keine Grundstücksfragen mehr zu klären seien. Dies ist daher auch der Bauabschnitt, in dem am schnellsten mit Fortschritten zu rechnen ist. „Den ersten der Teilabschnitte werden wir noch in diesem Jahr ins Genehmigungsverfahren geben“, freut sich der Projektleiter.

Um welchen der fünf es sich dabei genau handelt, ließ der Bauingenieur allerdings offen. Lediglich, dass es sich nicht der Abschnitt bei Dorfen sein wird; dort gibt es noch immer keine Einigkeit über den Verlauf der Bahnstrecke.

Im Schnitt soll die neue zweigleisige Bahntrasse nach München nur vier Meter neben der Bisherigen verlaufen. Um einige enge Kurven entschärft, sollen zwischen Ampfing und Markt Schwaben dann Geschwindigkeiten bis 200 Kilometern in der Stunde möglich sein.

Noch mehr Lärm fürs Isental?

Befürchtungen, dass die Belastung im lärmgeplagten Isental weiter steige, hält Zellmer entgegen: „Bisher gibt es auf der gesamten Bahnstrecke doch noch überhaupt keinen Lärmschutz!“. Das werde künftig anders werden. Zudem rechnet die Bahn durch die Elektrifizierung mit deutlich weniger Kohlendioxid-Emissionen. So könnten den Berechnungen der Bahn zufolge durch den geplanten Streckenausbau jedes Jahr rund 23 100 Tonnen des Treibhausgases eingespart werden.

Schneller zum Flughafen

Darüber hinaus will die Bahn durch die ebenfalls geplante „Walpertskirchener Spange“ den Flughafen besser mit Südostbayern verbinden will. So hat laut Zellmer die österreichische Bundesbahn (ÖBB) mit dem Railjet, dem österreichischen Gegenstück zum IC, Interesse an dieser Strecke bekundet, um Salzburg-München bedienen zu können.

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„Unterm Strich gibt es sogar einen rechnerischen Zeitvorteil gegenüber der Strecke München-Rosenheim-Salzburg“, sagt Zellmer. Insgesamt könnten durch das dann attraktivere Angebot 121 Millionen PKW- und 22,5 Millionen LKW-Kilometer eingespart werden.

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