Zwei Eritreer müssen wegen Vergewaltigung ins Gefängnis

Traunstein/Altötting – Nach dem Betriebsabend auf der Dult in Neuötting besuchte eine 52-Jährige eine Shisha-Bar.

Zwei Eritreer (26 und 29) folgten der Frau auf dem Heimweg in den Morgenstunden des 11. August 2019 und vergewaltigten sie auf einer Wiese am Ende der Konventstraße. Das Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs verhängte jeweils sechs Jahre Freiheitsstrafe wegen Vergewaltigung und vorsätzlicher Körperverletzung.

Eine Kriminalhauptkommissarin der Kripo Mühldorf, der sich das Opfer nach der Tat anvertraute, berichtete am zweiten Prozesstag von einigen Erinnerungslücken der Geschädigten hinsichtlich des Tatgeschehens. Sie habe sowohl Schläge als auch ein Fixieren der Hände geschildert und die Täter samt Bekleidung gut beschreiben können. Das bestätigte ein Kripo-Kollege. Den einen Mann habe sie sofort identifiziert und etwas später den zweiten.

Autofahrerentdeckt die Frau

Die traumatisierte Frau, die damals ein Autofahrer entdeckte und zu ihrer Wohnung brachte, trug Hämatome und Kratzer am ganzen Körper davon. Die psychischen Folgen der Vergewaltigungen plagen sie noch heute.

Zwei psychiatrische Sachverständige bescheinigten den Angeklagten volle Schuldfähigkeit zur Tatzeit. Daran änderte auch der behauptete Alkoholkonsum nichts. Die Verteidiger, Michael Fraunhofer aus Trostberg für den 29-Jährigen und Manfred Kösterke für den 26-Jährigen, legten Vereinbarungen über einen Täter-Opfer-Ausgleich ihrer Mandanten mit der Nebenklägerin und deren Anwältin, Inge Bazelt aus Neuötting, vor. Die Angeklagten verpflichteten sich jeweils zu Schmerzensgeld und Schadenersatz in Höhe von 12 000 Euro.

„Die Geschädigte hat die Horrorvorstellung jeder Frau erlitten – Vergewaltigung durch zwei Männer auf einer einsamen Wiese fern jeder Wohnbebauung“, eröffnete Staatsanwältin Helena Speicher ihr Plädoyer auf Freiheitsstrafen von jeweils acht Jahren. Die Angeklagten hätten aus sexuellem Verlangen gehandelt und sich darüber vor der Tat unterhalten. Die Angaben des Opfers seien glaubwürdig und widerspruchsfrei. Beide Männer hätten die Geschädigte auch geschlagen, stellte die Staatsanwältin fest. Viele Indizien stützten den Tatnachweis, darunter DNA-Spuren sowie Gras am Opfer von der besagten Wiese. Einen wirksamen Täter-Opfer-Ausgleich verneinte Helena Speicher mangels Reue und fehlender Entschuldigung beim Opfer. Solche Taten müssten mit der vollen Härte des Gesetzes verfolgt werden. Opferanwältin Inge Bazelt schloss sich an.

Das frühe Geständnis und die Aufklärungshilfe des 29-Jährigen hob Verteidiger Michael Fraunhofer hervor. Zusammen mit dem Täter-Opfer-Ausgleich müssten sie zu einer doppelten Strafrahmenverschiebung führen. Maximal vier Jahre Haft seien tat- und schuldangemessen. Von einer „Aussagegegen-Aussage-Situation zum Kerngeschehen“ sprach Manfred Kösterke als Verteidiger des 26-Jährigen und forderte eine Freiheitsstrafe von unter vier Jahren.

Richter sieht Schuldals erwiesen

Im Urteil stellte der Vorsitzende Richter fest, beide Angeklagte hätten die heute 53-Jährige vergewaltigt: „Sie sind ihr hinterhergegangen, um ihr etwas anzutun.“ Das Tatgeschehen herauszufinden, sei angesichts differierender Aussagen schwierig gewesen. Die Frau habe grundsätzlich richtige Angaben gemacht – auch wenn es einige Ungereimtheiten gebe. Sie habe versucht, sich zu wehren, habe laut um Hilfe gerufen, sei jedoch den Männern machtlos ausgesetzt gewesen und habe die Vergewaltigung letztlich über sich ergehen lassen. Strafrahmenverschiebungen habe die Kammer nicht vorgenommen, betonte Erich Fuchs weiter. Auch ein Täter-Opfer-Ausgleich sei nicht erfüllt.

Die Angeklagten könnten nur geringe Teilbeträge von wenigen Tausend Euro leisten, führte der Vorsitzende Richter weiter aus. Beide hätten keine Vorstrafen, arbeiteten und hätten sich in Deutschland bereits integriert. Umso unverständlicher sei die Tat. kd

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