Versorgung am Klinikum Mühldorf

Zum Kaiserschnitt nach Altötting: Aufnahmestopp betrifft insgesamt nur vier Entbindungen

Weil Mitarbeiter des Inn-Klinikums krankheitsbedingt ausgefallen sind – unser Bild zeigt die Intensivstation –wurden in der Geburtenhilfe die Kaiserschnitt-Termine nach Altötting verlegt.
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Weil Mitarbeiter des Inn-Klinikums krankheitsbedingt ausgefallen sind – unser Bild zeigt die Intensivstation –wurden in der Geburtenhilfe die Kaiserschnitt-Termine nach Altötting verlegt.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Wegen Corona sind in Mühldorf erst ab dem 1. Februar wieder geplante Geburten möglich. Wie es sonst um die Geburtshilfe in der Kreisstadt steht, erklärt Dr. Helge Landsmann. Und Kliniksprecher Mike Schmitzer informiert zur Versorgung von Intensivpatienten.

Mühldorf – „Stationsschließungen durch Corona-Ausbrüche stellen die Klinikleitung vor zusätzliche Herausforderungen“– diese Nachricht vom Inn-Klinikum sorgte für Wirbel im Umfeld des Krankenhauses. Jetzt konkretisierte die Klinikleitung diese Aussage, verwies darauf, dass es sich nur um einen befristeten Aufnahmestopp in der Geburtshilfe handle. Speziell geht es dabei um geplante Kaiserschnitt-Termine, die aufgrund krankheitsbedingter Ausfälle beziehungsweise wegen des Ausbruchsgeschehens von Covid-19 von Mühldorf ins Krankenhaus in Altötting verlegt worden sind.

Enttäuschung bei den werdenden Müttern

„Wir reden hier von insgesamt vier Eingriffen, die im Zeitraum von drei Wochen bis zum 1. Februar geplant waren“, nennt Frauenarzt Dr. Helge Landsmann konkrete Zahlen. Zwei Kaiserschnitt-Operationen, die in der nächsten Woche geplant gewesen seien, fänden also nicht in Mühldorf, sondern in Altötting statt. „Für uns Ärzte spielt das keine Rolle, aber die Enttäuschung bei den werdenden Müttern ist natürlich da“, ergänzt Landsmann und führt das familiäre, persönliche und individuelle Umfeld in Mühldorf an. Deshalb stehe das Inn-Klinikum in der Kreisstadt nach wie vor hoch im Kurs bei Gebärenden.

Es mangelt an Hebammen

Es sei auch weiterhin ein großes Bestreben, dass die normale Geburtshilfe, Landsmann nennt sie auch „Spontangeburten“, wieder in Mühldorf stattfinden können. Das sollte eigentlich seit Anfang Dezember zumindest an vier Tagen in der Woche der Fall sein, scheitere aber nach wie vor an den personellen Problemen. „An der politischen Entscheidung scheitert dies nicht. Doch für Mühldorf stehen keine Hebammen zur Verfügung! Wir können uns das Fachpersonal nicht aus den Rippen schneiden“, bedauert Landsmann.

Flexibilität, Einsatz an Wochenenden und das zu Unzeiten

Der Hebammenberuf stelle eine große Herausforderung dar. Flexibilität, Einsatz an Wochenenden und das zu Unzeiten – das sei nicht jedermanns Sache und schrecke viele vor diesem Beruf ab. Dabei erinnert sich der Mediziner noch an das Jahr 2019, als 700 Babies in Mühldorf das Licht der Welt erblickten.

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Werdende Mütter fahren nach Vilsbiburg, Wasserburg, Eggenfelden und Altötting

Auch wenn aktuell keine Geburten in Mühldorf möglich sind, sei dies kein Grund zur Sorge. Landsmann betont: Die Versorgung von werdenden Müttern ist gesichert. Denn alternativ bringen diese ihre Kinder nun in den Krankenhäusern in Vilsbiburg, in Wasserburg, in Eggenfelden – oder eben in Altötting zur Welt, wo Landsmann als Leitender Arzt angestellt ist. „Wir sind dort gut eingebunden“, ergänzt der Arzt für sich und seine Gynäkologen-Kollegen, „zumal in Altötting auch die Kinderklinik in unmittelbarer Nähe ist“. 1688 Geburten wurden dort laut Pressestelle des Inn-Klinikums im Jahr 2019 gezählt. 1987 waren es im vergangenen Jahr.

Nur noch eine Woche lang Aufnahmestopp

Auch wenn eine echte Reaktivierung der Geburtenhilfe in puncto Spontan-Geburten in Mühldorf also personalbedingt noch in der Warteschleife festhängt, hofft Landsmann, das zumindest die Kaiserschnittgeburten bald schon wieder in Mühldorf durchgeführt werden können. Die Ankündigung des Inn-Klinikums gibt Grund zur Hoffnung: „Wir planen den Aufnahmestopp am Montag, 1. Februar, wieder aufzuheben“, teilt Mike Schmitzer. Pressesprecher des Inn-Klinikums auf Nachfrage mit. Im Interview beantwortet Schmitzer weitere Fragen rund um den Klinikbetrieb im Inn-Klinikum:

Welche Konsequenzen hat die Meldung von zehn positiv getesteten Mitarbeitern auf den Klinikalltag? Muss mit weiteren Ausfällen von Mitarbeitern gerechnet werden?

Mike Schmitzer: Die Erfahrung der zurückliegenden Monate zeigt, dass trotz eines strengen Hygienekonzepts immer wieder Infektionen auch bei Mitarbeitern vorkommen. Deshalb rechnen wir während der Corona-Pandemie natürlich in allen vier Häusern mit weiteren Ausfällen, wie aktuell die zehn positiv getesteten Mitarbeiter aus dem Landkreis Mühldorf. Allerdings kehren auch genesene Mitarbeiter beziehungsweise Mitarbeiter, die Kontaktpersonen waren, aus ihrer Quarantäne zurück, sodass es uns bisher mit gewissen Einschränkungen immer gelungen ist, den Klinikbetrieb aufrecht zu erhalten.

Welche Stationen sind von den Einschränkungen denn betroffen?

Schmitzer: Die Einschränkungen beziehen sich auf einen vorübergehenden Aufnahmestopp für neue Patienten oder die vorübergehende Sperrung einzelner, von einem Ausbruch betroffener Abteilungen. In Mühldorf betrifft das derzeit die Geburtshilfe. Hier haben wir einen Aufnahmestopp verhängt. Es konnten und können im Moment leider keine Kaiserschnitte in der Geburtshilfe in Mühldorf durchgeführt werden. Eine weitere Konsequenz ist, dass für Ausbruchsstationen kurzfristig Besuchsverbote verhängt werden. Um die Ausfälle bei unseren Mitarbeitern im InnKlinikum Mühldorf teilweise zu kompensieren, erhalten wir aktuell Unterstützung vom Malteser Hilfsdienst und der DLRG, die unser Personal bei verschiedenen Tätigkeiten entlasten, beispielsweise bei der Abstrichnahme. Dafür ein herzliches Dankeschön.

Welche Bedingungen herrschen für Kontaktpersonen im Inn-Klinikum, die nun wegen Quarantänemaßnahmen ausfallen könnten?

Schmitzer: Mitarbeiter, die Kontaktpersonen sind, können nach einer 14-tägigen Quarantäne an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Für unverzichtbare Mitarbeiter besteht die Möglichkeit, beim Gesundheitsamt unter strengen Auflagen eine Ausnahmegenehmigung für deren Dienst zu erhalten. Voraussetzung ist selbstverständlich, dass der Betreffende keine Symptome hat. Generell werden unsere Mitarbeiter im Inn-Klinikum Mühldorf täglich mit einem Antigen-Schnelltest getestet und einmal wöchentlich mit einem PCR-Test.

Stichwort Überlastung des Klinikbetriebes: Wie ist der aktuelle Stand? Zumal bekannt ist, dass neben den 16 Intensivbetten neun weitere derzeit nicht genutzt werden.

Schmitzer: Das Inn-Klinikum Mühldorf kann 16 Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit personell betreiben. Seit Beginn der zweiten Welle sind diese immer sehr stark ausgelastet. Stand Freitag werden sieben positive Covid-Patienten, zwei Verdachtsfälle und drei Non-Covid-Patienten beatmet. Sind die Kapazitäten erschöpft, werden die Patienten innerhalb des Inn-Klinikum verlegt, also nach Altötting oder Burghausen oder außer Haus in andere Kliniken. Bisher haben wir es geschafft, dass kein Intensivpatient unversorgt geblieben ist, und diesen Anspruch an uns legen wir auch in Zukunft an.

Wie sieht die Impfbereitschaft in den Häusern des Innklinikum aus, lässt sich diese feststellen?

Schmitzer:Die Impfbereitschaft im Inn-Klinkum ist dankenswerterweise sehr groß. Bis zum Freitag werden rund 400 Mitarbeiter und in den folgenden Tagen weitere 100 Mitarbeiter geimpft sein. Davon haben etwa 70 bereits eine Wiederholungsimpfung erhalten. Auf der Warteliste für eine Impfung stehen etwa weitere 800 Mitarbeiter.

Wie beurteilt die Klinikleitung den derzeitigen Engpass beim Impfstoff?

Schmitzer: Natürlich würden wir uns wünschen, schnellstmöglich alle impfbereiten Mitarbeiter zu impfen, aber der limitierende Faktor ist derzeit der mangelnde Impfstoff. Nachdem sich der Engpass bereits abgezeichnet hatte, haben wir innerhalb unserer Belegschaft eine Priorisierung vorgenommen, sodass die demnächst 500 Geimpften in erster Linie Mitarbeiter sind, die unmittelbar in der Versorgung von Covid-Patienten oder Covid-Verdachtspatienten beziehungsweise in exponierten Bereichen wie der Notaufnahme tätig sind. Insofern ist der positive Effekt weitaus größer, als die bloße Zahl auf den ersten Blick vermuten ließe.

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