Vom Zillertal zur Quarantäne in den Bayerischen Wald

Quarantäne mit Ausblick:Mit einer Freundin verbrachte die Lochheimerin Bettina Niederschweiberer die vergangenen beiden Wochen im Bayerischen Wald. Niederschweiberer

Bettina Niederschweiberer berichtet von unwirklichen Erlebnissen, als der Arzt zum Testen kam

Mettenheim/Regen – Die vergangenen Tage verliefen für mich nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Vor knapp zwei Wochen waren meine gute Freundin Kathi und ich noch in den Zillertaler Bergen, arbeiteten zusammen in einem Skigebiet auf einer Alm und genossen einen wunderschönen Winter. Die Corona-Krise schien dort weit entfernt und unerreichbar. Ich bekam nicht mit, wie ernst die Lage wurde. Dort verspürte ich eine angenehme Abschottung vom Alltag, gleich einer Isolation, hoch hoben in den Bergen. Doch das Virus holte uns ein. Selbst in 2100 Metern Höhe.

Der Alpenjob war bald zu Ende

Schon mit der traurigen Gewissheit, dass unser Skigebiet in wenigen Tagen frühzeitig schließen würde, begannen wir unseren gewohnten Arbeitstag. Meiner Freundin Kathi ging es dann auf einmal nicht gut. Husten, Müdigkeit, Gliederschmerzen, leichtes Fieber. Die Diagnose von Dr. Google: Symptome des Corona-Virus.

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Doch hatte sie wirklich Corona? Diese Frage schwirrte ständig in meinem Kopf herum, wo doch die Medien von nichts anderem berichten. Und wenn ja: Habe auch mich mit dem Virus infiziert? Ich fühlte mich gut und zeigt auch keine Symptome. Dennoch war das Risiko zu groß, andere möglicherweise anzustecken – wir packten wir unsere Koffer.

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Da Kathis Familie ein Ferienhaus in der Nähe von Regen im Bayerischen Wald besitzt, beschlossen wir, erst einmal Abstand zu unseren Liebsten zu halten und dorthin zu fahren, wo Kathis Mutter bereits auf uns wartete.

Gleich am nächsten Tag ließ sich Kathi testen. Ein eigenartiger Moment war das, als der Arzt mit Schutzanzug und Atemmaske vor der Tür stand und sich trotz Schutzkleidung weigerte, das Haus zu betreten. Unwirklich. Die Szene kam mir vor wie in einem Hollywood-Blockbuster.

Tagelanges Warten auf das Ergebnis

Der Arzt erklärte uns, dass das Ergebnis würden wir in ein paar Tagen erhalten. Er vermutete eher einen grippalen Infekt, doch solange da Ergebnis nicht feststand, hieß es: „Häusliche Quarantäne“. Anfangs hatte ich kurz die Befürchtung, die Zeit werde nur langsam vergehen.

Doch wir waren zuversichtlich, das Beste aus der Situation zu machen. Das schöne Frühlingswetter lud dazu ein, auf dem Balkon des Ferienhauses neben der wunderschönen Natur des Bayerischen Waldes die Sonne zu genießen und Bücher zu lesen. Kathi ging es von Tag zu Tag besser, so dass es bald zur Gewohnheit wurde, abends mit einem Glas Wein Spiele zu spielen oder Kreuzworträtsel zu lösen. Besonders freuten wir uns auf das gemeinsame Kochen. Egal ob Nudeln, Kaiserschmarrn oder auch mal ein Kuchen zum Nachmittagskaffee. An Langeweile war gar nicht zu denken und die Zeit verging wie im Flug.

Nach mehr als einer Woche erhielten wir dann den Anruf mit dem Testergebnis. Negativ. Erleichterung war zu spüren, doch unsere Quarantänezeit, eine Zeit voller Spaß und Kommunikation, bedauerte keine von uns beiden.

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