De Zamgschmissna kommen trotz vieler Vorschriften zum Mühldorfer Faschingszug

Viele Stunden Arbeitund viel Geld stecken im Faschingswagen der ‚De Zamgschmissna’. Wichtiges Thema neben der Hippie-Zeit: die Sicherheit von Mitfahrern und Besuchern. Eder

Viele Wagenbauer betreiben vor den Faschingszügen in der Region einen hohen Aufwand und nehmen viel Geld in die Hand, um einen originellen Wagen zu gestalten. Dazu gehören die ‚de Zamgschmissna‘, die mit rauchendem Joint und Kritik am hohen bürokratischen Aufwand durch den Landkreis Mühldorf fahren.

Mühldorf/Lohkirchen – Fasching wird von ‚de Zamgschmissna‘ so richtig zelebriert. Fallen doch die gut gelaunten Jungs und Mädels des Faschingsvereins, die aus Lohkirchen, Oberbergkirchen, Neumarkt und Schönberg kommen jedes Jahr aufs Neue mit ihrem Faschingswagen bei den Umzügen der Region auf. Thema heuer ist Hippiezeit und Flower Power.

Knallige Farben, lustige Motive ein rauchender Riesen-Joint auf dem Dach: So steht er da auf dem Hof der Familie Reindl in Lohkirchen und wartet auf seine Einsätze. Rund 70 Mitfahrer hat er, alle verkleidet als Hippies. Nach Weihnachten kommen alle zum ersten Mal zusammen, um in einer ‚Hauruck-Aktion‘ den Wagen zu bemalen. „Das ist immer ein Highlight, wenn alle Freunde zusammenkommen“, erzählt Theresa Reindl, bei deren Eltern der Wagen in der Halle steht.

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Die Liebe zum Fasching ist noch immer groß, obwohl die zu bewältigenden Aufgaben von Jahr zu Jahr mehr werden. Dabei gehe es nicht nur um Bürokratie oder Organisation. Da geht es vor allem um die Auflagen. „Man glaubt gar nicht, wie viel Arbeit da dranhängt.“ Seien es die nach innen isolierten Lautsprecher oder das Ausschenken von Getränken. Neu ist, dass an der Bar im Wagen kein Glas mehr ausgegeben werden darf. Über den Verkauf von Getränken holen die Teilnehmer die Ausgaben für den Wagen wieder rein. Michael Eder, der sich als Elektrotechniker besonders auch um die ausgeliehene 3000 Euro-Musikanlage kümmert, ist davon nicht begeistert. „Die Getränke zu zapfen und in Bechern zu verteilen, kostet noch mehr Arbeit und macht Müll. Wenn das so weitergeht, hört sich der Faschingstrend irgendwann einmal auf!“ Außerdem: Wenn jemand auf Krawall gebürstet ist, mache er den auch ohne Glasflasche in der Hand.

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Stadt Mühldorf und Inntalia haben diese Vorschriften erlassen. Sie wollen damit für mehr Sicherheit entlang des Zuges sorgen. Absolute Sicherheit gebe es aber nicht, sagen die Wagenbauer. Im letzten Jahr wurde beispielsweise ein Mädchen durch das offene Fenster von jemandem hinausgezogen. Ein privater Streit, habe es später geheißen. „Da kannst du nichts machen“, sagt Eder. Jeder müsse die Augen offen halten. Besonders auch die Eltern, die darauf achten sollen, ihre Kinder bei der Schlacht um die Bonbons nicht zu nah an den Wagen zu halten. „Der Traktorfahrer hat vorne einfach keinen Blick darauf“, ergänzt Josef Reindl. Darüber hinaus soll ein zwischen den Achsen des Wagens eingespanntes Gitter für Sicherheitsabstand sorgen. Selbstredend, dass Wagen und Traktor regelmäßig durch den TÜV gehen. Aber in punkto Sicherheit sei der Faschingswagen der ‚Zamgschmissna‘ vielen voraus: Da wären etwa die versenkbaren Plexiglasscheiben. Die gehen runter beim Zug – und danach beim Feiern wieder hoch.

Seit Jahren fallen die „De Zamschmissna“ mit ihren Wagen auf, die sich von den lieblos zusammengezimmerten Wagen mancher Stammtische deutlich unterscheiden: Geisterbahn, Safari, Asterix oder Familie Feuerstein mit einem Feuersteinwagen, der hinten am Wagen befestigt.

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Josef Spirkl und Freunden hatten vor Jahren die Idee einen Faschingswagen zu bauen. Spirkl fährt heuer zwar noch mit, aber als junger Papa das Szepter an die Jungen weitergereicht habe. Immer ganz der Profi. „Wir haben einen TÜV-gerechten Plan gemacht, uns Holz besorgt und den Wagen fachmännisch zusammengezimmert.“ Mehr als 5000 Euro habe der Spaß gekostet, wobei drei bis vier Leute den ganzen Tag am Wagen gebaut haben.

Wo der Umzug am schönsten ist? Da ist sich die Truppe nicht einig. Die einen sagen Waldkraiburg, andere Mühldorf. Hier darf man schließlich nachher auf dem Stadtplatz stehen und feiern.

Eine Faschingsübersicht finden Sie auf der nächsten Seite.

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