Statt Sanierung

Stadt Mühldorf investiert 1 Million Euro in neues Heim für Obdachlose - Diskussion um Container

Die Wohnblocks in der Nähe der Kläranlage dienen Menschen ohne Obdach als vorübergehende Wohnung. Weil sie in desolatem Zustand sind, will die Stadt für eine Million Euro Ersatz schaffen.
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Die Wohnblocks in der Nähe der Kläranlage dienen Menschen ohne Obdach als vorübergehende Wohnung. Weil sie in desolatem Zustand sind, will die Stadt für eine Million Euro Ersatz schaffen.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Die Stadt will eine neue Notunterkunft für Obdachlose bauen. Sie soll das bisherige Gebäude an der Altöttinger Straße hinter dem Volksfestplatz ersetzen. Nach Angaben von Bürgermeister Michael Hetzl (UM) soll das Gebäude in Systembauweise entstehen, das heißt, aus Containern bestehen.

Mühldorf – Der Stadtrat beschloss den Ersatzbau einstimmig. Er soll auf dem Nachbargrundstück entstehen, wo es bereits eine Bodenplatte gebe. Die Kosten bezifferte Stadtbaumeisterin Birgit Weichselgartner auf knapp eine Million Euro. Nach ihren Angaben käme eine Generalsanierung samt zeitweiliger Umsiedlung der derzeitigen Bewohner im bestehenden Gebäude deutlich teurer.

Container nur kurzzeitig Wohnung

Derzeit gibt es 24 Wohnungen, 16 sind belegt. Zum Teil leben dort mehrere Menschen in einer der Wohnungen, derzeit sind 20 Menschen dort untergebracht. Als Notunterkunft soll sie laut Weichselgartner Menschen kurzfristig Wohnraum geben, bis die Bewohner eine andere Wohnung bekommen. „Es ist keine Dauerlösung“, betonte die Stadtbaumeisterin.

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„Ist die Unterbringung angemessen?“

In der Diskussion ging es vor allem darum, ob die Unterbringung angemessen ist. Angelika Kölbl (SPD) sagte: „Ich fühle eine gewisse Verantwortung, die Obdachlosen menschenwürdig unterzubringen.“ Zwei oder drei Menschen in einem Container wohnen zu lassen, nannte sie „nicht besonders menschenwürdig“, vor allem, wenn die Container länger bewohnt würden und nicht nur für eine Übergangszeit. Laut Stadtverwaltung werden die Bewohner vom Landratsamt und der Caritas begleitet, „um deren Lebenssituation zu verbessern“ und ihnen bei der Suche nach einer dauerhaften Wohnung zu helfen, berichtete Daniela Schwarz vom Ordnungsamt.

Viele wollen länger dort leben

„Es haben sich aber einige gut eingelebt, sodass sie länger dort bleiben.“ Sie entwickeln laut Schwarz wenig Initiative, eine neue Wohnung zu finden. Auch Bürgermeister Hetzl sagte, dass es Bewohner gebe, die gerne in den Häusern an der Altöttinger Straße lebten.

Claus Debnar (Linke) nannte die Unterbringung getrennt nach Geschlechtern grundsätzlich sinnvoll, wies aber auf das Problem von Paaren hin und forderte, für sie eine Möglichkeit für gemeinsames Wohnen zu schaffen. Ordnungsamtsmitarbeiterin Schwarz sagte, es gebe unter manchen Paaren Konflikte, bei denen eine Trennung sinnvoll wäre

Stadt kann keine soziale Betreuung leisten

Debnar warnte davor, dass ohne eine sozialpädagogische Betreuung auch in einem Neubau bald die gleichen Zustände herrschen würden wie derzeit. Laut Ordnungsamtsleiter Fritz Waldinger sei die Aufgabe der Stadt aber nur, zu verhindern, dass Menschen auf der Straße leben müssten. Eine soziale Betreuung aber könne die Stadt nicht leisten. Durch die Caritas und das Landratsamts gebe es eine Begleitung, wohl aber nur in geringen Fällen eine aufsuchende Sozialarbeit.

Gafus fordert warmes Wasser

Die Ausstattung des neuen Gebäudes werde den gesetzlichen Vorgaben entsprechend und sei „sehr spartanisch“, sagte Bürgermeister Hetzl. Dr. Georg Gafus (Grüne) beantragte, dass die neue Notunterkunft mindestens mit Duschen mit warmem Wasser ausgestattet werden.

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