Keine Auftritte, kein Einkommen

Wieder runter von der Bühne: So leidet die Kulturbranche rund um Mühldorf unter Corona

Im Rotlicht-Viertel: Weil sich die Aktiven in der Kulturszene von der Politik verlassen fühlen, haben sie die Aktion „Alarmstufe rot“ begonnen. Mit dabei ist das Büro von Inn-Salzach-Ticket in Mühldorf.
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Im Rotlicht-Viertel: Weil sich die Aktiven in der Kulturszene von der Politik verlassen fühlen, haben sie die Aktion „Alarmstufe rot“ begonnen. Mit dabei ist das Büro von Inn-Salzach-Ticket in Mühldorf.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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  • Josef Enzinger
    Josef Enzinger
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Für Sängerinnen und Beleuchter, Roadies und Kabarettistinnen sind es besonders harte Zeiten: Seit Beginn der Corona-Pandemie haben sie keine Auftritte mehr, keine Veranstaltungen, viele kein Einkommen mehr. Auch jetzt gehören sie wieder zu denen, die gar nichts mehr dürfen. Sie fordern dringend Hilfe.

Mühldorf – Die Fenster der Agentur Inn-Salzach-Ticket leuchten nachts rot und tauchen den Platz vor dem Mühldorfer Kulturzentrum Haberkasten in ungewohntes Licht. Es ist das Sinnbild der Situation aller, die in Coronazeiten in der Veranstaltungsbranche tätig sind.

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Für Inn-Salzach-Ticket-Inhaber Andreas Seifinger sogar noch mehr: „Es bedeutet Alarmstufe rot.“ Ein deutschlandweites Bündnis habe das Symbol gewählt, um auf die verzweifelte Lage aufmerksam zu machen.

Luginger geht auf Nummer sicher

Wie die aussieht, macht das Beispiel der Mühldorfer Schlagersängerin Eva Luginger deutlich. Sie hat dem Frieden seit dem Ende der ersten Corona-Auflagen im Juni nicht getraut. „Ich hatte ein paar Auftritte“, erzählt sie, „die konnte man aber an einer Hand abzählen.“ Um wirtschaftlich auf der sicheren Seite zu sein, blieb Luginger in ihrem Beruf als Kindergärtnerin bei der Stadt Mühldorf, den sie im Frühjahr wieder aufgenommen hatte.

Auftrittsverbote treffen nicht nur Künstler

Seifinger weitet das Schicksal Lugingers aus: „Von den Auftrittsverboten im Frühjahr und jetzt sind ja nicht nur Künstler betroffen.“ Eine ganze Branche steht nach seiner Einschätzung am Abgrund: Agenturen, Veranstalter, Techniker, Beleuchter, Aufbauhelfer, Vermieter und viele mehr.

100 statt 600 Gäste im Silo

Über die Situation seiner Firma will er nicht viel Konkretes sagen. Nur soviel: „Die ganze Welt ist in der Krise, die Veranstaltungsbranche ist in der Krise – und wir sind Teil der Veranstaltungsbranche.“

Wie Tom Wörl vom Silo in Töging. Gerade war es wieder losgegangen, sagt er, das erste Konzert mit „Sonic Fuse“, 100 statt 600 Gäste. „Die Leute sind gierig. Sie sehnen sich nach Normalität und Kultur“, sagt er. Die beiden nächsten Konzerte hat er abgesagt.

Alles im Kampf gegen Corona getan

Dabei, das betont der Schönberger Schauspieler Helmut Danner, Ehemann der Kabarettistin Maria Peschek, habe man im TamS-Theater in München alles getan, um zu spielen und Corona zu bekämpfen. Nur 28 Zuschauer im Saal, eine halbe Stunde Kurz-Vorstellung. „Aber es ist mühselig, zu klagen, denn es ist nicht zu ändern.“ Danner klingt resigniert.

Nicht alles in einen Topf werfen

Gegen die Resignation fordert Agenturchef Seifinger ein differenziertes Vorgehen der Politik. Organisierte und reglementierte Kulturveranstaltungen seien keine Pandemietreiber, sagt er. „Es wird alles in einen Topf geworfen“, diese Pauschalierung müsse ein Ende haben.

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Für die meisten anderen Bereiche habe es mit dem Abschwellen der Neuinfektionen Erleicherungen gegeben. „In der Veranstaltungsbranche steht die Ampel seit über sieben Monaten auf dauer-dunkel-rot.“ Die Veranstaltungsbranche stünde für die Politik ganz am Ende der Prioritätenliste. Über eine Millionen Erwerbstätige in der Branche hätten seit Monaten keinerlei Einnahmen. „Jede Perspektive für die Zukunft fehlt.“

Hilfe soll es ab Montag geben

Erst jetzt, Ende Oktober, hat die Bundesregierung nach Angaben von Finanzminister Olaf Scholz ein Hilfsprogramm für Soloselbstständige aufgelegt, das am Montag vorgestellt werden soll.

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