Wieder alle Otts vereint: Mit dem letzten Flieger aus Nepal nach Hause

Begrüßung mit dem Ellbogen:Franzi (rechts) ist seit einer Woche wieder zu Hause, Kathi (links) kam am Mittwoch mit dem Flieger aus Amsterdam an. Jetzt heißt es erst einmal häusliche Quarantäne für die beiden. privat

Auch die Tochter aus Ecuador ist mittlerweile wieder in Mühldorf angekommen: Enttäuschung weicht Verständnis wegen weltweit stark ansteigender Corona-Infektionen

Neumarkt-St. Veit– Ein Flieger aus dem Osten, ein Flieger aus dem Westen: Franzi und Kathi Ott sind wieder zu Hause. Die beiden Mühldorferinnen nutzten die Chance, mit den letzten regulären Flügen aus Nepal und Ecuador die Heimreise anzutreten. „Ich hatte wahnsinnig viel Glück, noch einen Flieger bekommen zu haben“, berichtet Franzi Ott.

Von Kathmandu über Doha nach München

Die älteste Tochter aus dem Hause Ott ergriff gleich die erste Möglichkeit, um aus Kathmandu ihren Heimflug nach Deutschland anzutreten. Eigentlich war ihr Rückflug Mitte April geplant. Doch vor Ort lauteten die Empfehlungen, die nächste sich bietende Gelegenheit zu nutzen, um das Land zu verlassen. Die 21-Jährige hatte auf ihrem Trip im Himalaya zwei Wochen lang nichts mitbekommen von der Ausbreitung des Corona-Virus, weil sie keinen Zugang zum Internet und damit auch keine Informationen hatte. Zurück in Kathmandu habe sich dann die Nachrichtenlage überschlagen. Schnell versuchte sie, umzubuchen, was zunächst auch gelang. Dann aber wurde der Flug gestrichen, eine für den vergangenen Montag geplante Ausreise wurde vorgezogen auf Freitag, 20. März. „Mit einem der letzten Flugzeuge. Viele Schalter anderer Fluglinien waren zu dem Zeitpunkt schon zu.“ Über Doha flog sie dann zurück nach Deutschland, kam in München an, seit Freitag ist sie zu Hause bei ihrer Familie in Mühldorf.

Weltuntergangsstimmung habe sie in Kathmandu nicht erlebt, berichtet Franzi Ott, die trotzdem froh darüber ist, die kommenden Wochen nicht in Nepal verbbringen zu müssen. „Es gibt nur ein richtiges Krankenhaus in Kathmandu, dem Land fehlt es grundsätzlich am Equipment. Da fühle ich mich zu Hause schon besser aufgehoben.“

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Das kann auch ihre Schwester Kathi, 19, bestätigen, die am Mittwoch heimgekehrt ist, nachdem sie ihr freiwiliges soziales Jahr in Ecuador, das sie erst im Januar dieses Jahres begonnen hatte, abbrechen musste. Klar sei sie sie traurig darüber, doch auch sie zeigt Verständnis: „Ecuador ist ein kleines und armes Land. Wenn sich der Corona-Virus dort ausbreitet, dann wird das ein Debakel.“ Sie zweifelt daran, ob das dortige Gesundheitssystem dafür überhaupt gewappnet ist.

Bei ihr sei schließlich alles Ruck-Zuck gegangen. Erst wurde in dem mittelamerikanischen Land unter der Äquatorsonne eine Ausgangssperre verhängt. Alle ausländischen Hilfskräfte seien von der einen auf die andere Minute zum Nichtstun verdonnert worden – auch Kathi Ott, nachdem die Schulen geschlossen wurden. An einer solchen arbeitete Kathi Ott, „doch am Ende konnte ich mich nicht einmal verabschieden!“ Nicht von den Schülern. Nicht von den Freunden.

Landung im größten Infektionsherd

Doch die Kommunikation über soziale Medien und digitale Nachrichtendienste, wie WhatsApp, funktionierten noch. Über einen Bekannten in Costa Rica habe sie erfahren, dass eine Hamburgerin ebenfalls in Ecuador festsitze. „Die habe ich kontaktiert, als ich erfahren habe, dass ein Platz im Flieger nach Hause frei geworden ist. Das mit der Buchung hat dann auch tatsächlich geklappt. Nach unserem Abflug aus Quito ist sie bei der Zwischenlandung im südlich gelegenen Flughafen von Guayaquil zugestiegen!“

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Kontakt habe sie auch mit einer jungen Frau aus Baden Württemberg aufgenommen, deren Mutter sich nach dem im Mühldorfer Anzeiger erschienenen Artikel über die Ott-Mädels bei den OVB-Heimatzeitungen gemeldet hatte. „Die waren aber bereits organisiert“, schildert Kathi Ott.

Am Montag flog sie zurück, zunächst nach Amsterdam, von wo sie dann am Mittwoch den Flug nach München angetreten hat. Das alles mit einem mulmigen Gefühl: „Denn in Guayaquil herrscht aktuell die größte Infektionsrate.“ Im Flugzeug hätten lediglich einige wenige Schutzmasken getragen, sonst habe es keine Vorsichtsmaßnahmen gegeben, „außer dass wir uns von unserem Sitzplatz nicht viel wegbewegen durften.“

Also begibt sie sich jetzt erst einmal in freiwillige Quarantäne, bleibt zu Hause und wartet ab, ob sich in den nächsten 14 Tagen Symptome zeigen. „Zu Hause ist die Situation besser als in Ecuador. Ich darf mich zumindest noch frei bewegen. Ich kann immerhin joggen, wenn auch alleine!“

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