Tipps vom Landesbund Vogelschutz

Feiner Festschmaus für gefiederte Freunde: Wie man Vögeln durch die kalte Jahreszeit hilft

Gerade nach frostigen Nächten suchen Meisen, Finken und Spatzen nach Futtermöglichkeiten, um ihre verlorenen Energiereserven wieder aufzustocken. Foto: Tobias Hase
+
Gerade nach frostigen Nächten suchen Meisen, Finken und Spatzen nach Futtermöglichkeiten, um ihre verlorenen Energiereserven wieder aufzustocken.
  • vonPetra Maier
    schließen

Buntes Treiben am Vogelhaus: Drosseln, Rotkehlchen, Spatzen und Meisen tummeln sich munter rund um die Futterstelle und genießen ganz offensichtlich den bereitgestellten Festschmaus. Eine zusätzliche Futterquelle erleichtert den Vögeln im Winter das Überleben in der kalten Jahreszeit.

Warum das so ist und wie gut auch den Menschen das Beobachten der Vögel tut, erklärt Günther Weitzer (61), der seit seiner Jugend von der Natur und den Vögeln begeistert ist und seit Juli 2020 den Vorsitz der Kreisgruppe des Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Mühldorf übernommen hat.

Schon in Ihrer Jugend waren Sie ein begeisterter Vogelfreund. Wie hat sich diese Leidenschaft bei Ihnen entwickelt?

Günther Weitzer vom Landesbund Vogelschutz in Mühldorf.

Günther Weitzer: Ich erinnere mich noch gerne daran, wie ich mich an einen Schwarzspecht heranpirschte, um ihn irgendwie auf ein Foto zu bannen oder mit meinen Schwestern mit einem Kassettenrekorder durch den Wald lief, um Vogelstimmen aufzunehmen. Auch selbst gebastelte Nistkästen habe ich schon in meiner Jugendzeit in der Umgebung von Waldkraiburg im Wald aufgehängt. In den letzten beiden Jahren habe ich mich vor allem bei unserem Kiebitz-Schutzprojekt engagiert.

Welchen Standpunkt vertreten Sie zur Fütterung von Vögeln?

Weitzer: Ich halte eine Fütterung vor allem während der kalten Jahreszeit aufgrund des sehr geringen natürlichen Nahrungsangebots für unverzichtbar. Dies gilt insbesondere auch für „Allerweltsarten“ wie den Haus- oder Feldsperling, die inzwischen entgegen der landläufigen Meinung auch stark gefährdet sind. Dass sie meist in größeren Gemeinschaften auftreten, täuscht über die kritische Situation, ganz besonders in Städten, hinweg.

Warum finden Vögel in der freien Landschaft kaum noch Futter?

Weitzer: Hierfür ist hauptsächlich das Insektensterben verantwortlich. In der Vergangenheit ist aufgrund der Monokulturen und des Einsatzes von Pestiziden sowohl die Artenvielfalt als auch die Masse der Insekten deutlich zurückgegangen. Insekten sind vor allem auch für die Aufzucht der jungen Vögel lebenswichtig. Hier sind möglichst zusammenhängende, mehrjährige Blühstreifen ein wichtiger Impuls.

Lesen Sie auch:

Straußen statt Ochs und Esel: So verbringen Maria und Josef aus Schnaitsee Weihnachten

Zwischen den Feldern und in den Gärten gibt es leider immer weniger Hecken mit Wildfrüchten, die gerade in der kalten Jahreszeit eine hervorragende Nahrungsquelle darstellen. Leider zeichnen sich viele Gärten immer noch durch sterile und oftmals versiegelte Flächen und perfekt getrimmte Rasenflächen aus - ohne eine möglichst naturnahe Gartengestaltung fehlen Insekten, Beeren und Samen und damit Nahrungsquellen für unsere gefiederten Freunde.

Welchen Effekt hat die Fütterung im Garten auf die Vögel?

Weitzer: In erster Linie geht es darum, unseren gefiederten Freunden das Überleben in der kalten Jahreszeit zu erleichtern. Ein positiver Nebeneffekt ist natürlich, dass die Vögel in unserem Garten heimisch werden und dann oftmals auch gerne ihre Nester bei uns bauen und uns so das ganze Jahr über erfreuen.

Wen kann man in unseren Gefilden an der Futterstelle am ehesten antreffen?

Weitzer: Am weitesten verbreitet sind sicher Spatzen, Amseln, Grün- und Buchfinken sowie Kohl-und Blaumeisen. Aber es finden sich auch immer wieder andere Gäste ein, da gibt es stets Überraschungen. Beispielsweise einen Buntspecht am Meisenknödel - mit etwas Glück kann man auch einen Trupp Schwanzmeisen, einen Schwarm Bergfinken oder einen Eichelhäher beobachten.

Lesen Sie auch:

Wie verbringen Obdachlose das Fest? Ein Besuch in der „Traube“ Wasserburg

Zu welcher Art von Futter raten Sie in der Winterzeit? Gibt es da einen Unterschied zu Sommerfutter, oder raten Sie generell davon ab, das ganze Jahr über zu füttern? Haben die einzelnen Vogelarten verschiedene Lieblingsspeisen?

Weitzer: Das Futter sollte möglichst vielseitig sein - in Streufuttermischungen ist eigentlich alles von Sonnenblumenkernen bis zu Sämereien, Nüssen und Beeren enthalten. Und die allseits beliebten Meisenknödel bieten vor allen auch Fett. Während es Meisen und Finken vor allem auf die Sonnenblumenkerne abgesehen haben, lieben Amseln Beeren oder auch mal geröstete Haferflocken. Bei den Eichelhähern und natürlich auch bei Eichhörnchen sind Nüsse sehr beliebt. Aufgrund des Insektenmangels ist es durchaus sinnvoll, auch im Sommer zu füttern. Insbesondere auch während längerer Regenphasen in der Brutzeit. Hierfür eignen sich spezielle Meisenknödel mit Insektenbeimischung.

Lesen Sie auch:

So feiern Prominente aus der Region Mühldorf heuer Weihnachten

Haben Vögel feste Essenszeiten? Bei unserem Vogelhaus scheint es, als würden sie sich ähnlich wie Menschen morgens, mittags und abends zum Essen treffen. Finken, Stare, Buntspechte, Spatzen und Meisen fallen dann oft gemeinsam über ihr Futter her.

Weitzer: Ja, das scheint tatsächlich so zu sein. Auch ich kann an meiner Futterstelle im Garten beobachten, dass es immer wieder Stoßzeiten gibt, zu denen besonders viel los ist. Vielleicht machen die Vögel tagsüber auch immer ihre Runde zu den verschiedenen Futterstellen in der näheren Umgebung - das habe ich aber noch nicht näher untersucht.

Neulich stand erst wieder in der Zeitung, dass das Beobachten von Vögeln am Futterhaus eine sehr positive Wirkung auf die Seele des Beobachters haben soll. Können Sie das bestätigen?

Weitzer: Dem kann ich nur voll zustimmen! Das Beobachten der Vögel, nicht nur am Vogelhaus, wirkt sich auf jeden Fall sehr positiv auf die Gemütslage aus. Es ist immer wieder faszinierend, das bunte Treiben zu beobachten und dabei auch Überraschungen zu erleben. Gerade in den aktuell schwierigen Zeiten mit Corona bietet die Vogelbeobachtung eine hervorragende Möglichkeit, die Seele mal so richtig baumeln zu lassen.

Lesen Sie auch:

Der 92-jährige Sepp Holzmeier ist der Vater der Tuntenhausener Alphörner und ihrer Bläser

Im Speziellen auch für pflegebedürftige Personen, die oft auch in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, bietet die Beobachtung am Vogelhaus eine perfekte Möglichkeit, die unterschiedlichen Vogelarten vom Fenster aus näher kennenzulernen. In diesem Zusammenhang möchte ich auch gerne auf die Aktion „Stunde der Wintervögel“ das LBV hinweisen, die vom 8. bis 10. Januar 2021 stattfindet. Zudem läuft gerade die Wahl zum Vogel des Jahres, bei der jeder seine Stimme für seinen Favoriten aus über 300 Vogelarten abgeben kann. Also jede Menge Möglichkeiten, sich ein wenig näher mit der faszinierenden Vogelwelt zu beschäftigen.

Zur Person von Günther Weitzer

Günther Weitzer (61) hat Mitte Juli 2020 den Vorsitz der Kreisgruppe des Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Mühldorf übernommen. Die Kreisgruppe engagiert sich seit einigen Jahren sehr erfolgreich für den Schutz des Kiebitz, eines stark bedrohten Wiesenbrüters. Auch die Rauchschwalben in den Arkaden in Mühldorf liegen dem Verein sehr am Herzen. Neben der Unterstützung der gefiederten Freunde setzt sie sich auch für Igel und Biber ein. Neue Mitstreiter sind jederzeit willkommen. Nähere Infos unter muehldorf@lbv.de oder www.muehldorf.lbv.de

Kommentare