Westernreiter züchtet Bisons bei Obertaufkirchen

Es sind majestätische Tiere, die Bisons von Richard Forster. Am liebsten halten sie sich auf einem Hügel auf, den Forster in ihrer Weide extra aufgeschüttet hat. Schwarz

Richard Forster ist landkreisweit der einzige Züchter der majestätischen Tiere, die eigentlich in der nordamerikanischen Prärie heimisch sind. Es ist ein Wildrind und zugleich das größte Landsäugetier dieser Region.

Obertaufkirchen – Mit Karacho galoppiert Richard Forster über den Reitplatz. Lässig mit bloßem Oberkörper, Jeans und den typischen Cowboystiefeln mit Sporen, wie man es aus Westernfilmen kennt. Kurz vor einem Hindernis bringt er sein Pferd mit einem Sliding Stop zum Stehen, tätschelt ihm beruhigend den Hals und weiter geht es. Forster und sein Hengst sind ein eingespieltes Team. Er reitet nur Hengste. Das ist nicht immer einfach, aber „ich liebe Herausforderungen“, sagt Richard Forster.

Der 56-Jährige ist sowohl im Reining, einer Disziplin des Westernreitens, als auch im Reined Cowhorse überaus erfolgreich. Er holte sich beispielsweise im vergangenen Jahr die NRHA Limited Non Pro Trophy. Er ist nämlich ein waschechter Amateur und macht das lediglich als Hobby.

Sein Geld verdient er mit der Boden- und Bauschuttaufbereitung sowie dem Deponiebau.

Aus einer Laune heraus aufs Pferd gestiegen

2008 war Richard Forster nach Amerika geflogen und hat sich dort auf einer Gastranch eingemietet. Mit Pferd und Planwagen machte er sich mit anderen Gästen auf und durchquerte Texas; ohne jegliche Reitkenntnisse, wie er betont. Während alle anderen am Abend über einen wunden Hintern klagten, hatte er keine Probleme. „Ich habe eine alte Harley ohne Federung. Da bin ich harte Schläge gewohnt“, so seine lapidare Erklärung.

Zurück in Deutschland hat er dann aber doch Reitunterricht genommen. Namhafte Lehrer wie George Maschalani, mehrfacher Europa- und Deutscher Meister sowie Mitglied der deutschen Reining-Nationalmannschaft, oder dem Südtiroler Markus Schöpfer, der zu den erfolgreichsten Westernreitern Europas zählt, und Forster in die Geheimnisse des Reined Cow Horse (dabei muss das Pferd bei einer einzelnen lebenden Kuh in einer Arena bestimmte Manöver durchführen) einweihte, und Patrick Sattler, deutscher Meister im „Working Cow Horse“.

Nach sportlichem Erfolg die „Bullero-Ranch“ aufgebaut

Damit war für Richard Forster der Grundstock für seine erfolgreiche Karriere im Bereich Westernreiten und Arbeit mit Rindern gelegt. 2011 hatte er die Möglichkeit, einen stillgelegten Hof in Hiller zu kaufen. Zwei Jahre hat er das Anwesen renoviert und für seine Bedürfnisse umgestaltet. So legte er einen großen Reitplatz an, schuf eine Führanlage, einem überdachten Roundpen und 2016 eine Reithalle. Er nannte seine stattliche Ranch „Bullero-Ranch“ und begann mit der Zucht von Quarter Horses, den typischen Westernreitpferden.

Aus einem Bisonbullen wurde eine stattliche Herde

Doch das reichte ihm nicht. 2012 hatte er sich aus Kanada einen Bisonbullen importiert und in Deutschland Bisonkühe gekauft. Ihn fasziniert die urwüchsige Kraft dieser Tiere. Er hat eine Weide mit einem Hügel und einer Höhle angelegt, damit sich die Tiere wohlfühlen. „Die fühlen sich sauwohl“, so sein Urteil.

Mittlerweile ist seine Herde auf 31 Tiere angewachsen und Richard Forster vermarktet das Fleisch der Tiere. „Das hat nichts mit Rindfleisch zu tun“, beschreibt er es. „Das hat so einen guten Geschmack, da braucht man praktisch nichts würzen“. Die Tiere werden von ihm nur mit Gras und Heu gefüttert. Zugleich erläutert er, dass sie nicht in den Schlachthof müssen, sondern per Weideschuss getötet werden. Rund eine Tonne Fleisch vermarktet er in etwa pro Jahr.

Forster räumt ein, dass es nicht immer einfach war, die Bisons zu halten. So hat er sich auch gegen das Misstrauen von Landwirten aus der Region durchsetzen müssen, die Sorge hatten, dass die Bisons „ausbüxen“. Dabei weiß Forster: „Solange sie zu fressen haben, bewegen die sich nicht weg“. Zur Erhöhung der Sicherheit hat er dennoch sein 17 Hektar großes Grundstück mit einem speziellen aus Amerika importierten Bisonzaun eingezäunt. Der besteht aus 4 Millimeter dicken Stahldraht und ist an Eichenpfosten befestigt. „Das kann auch ein Bison nicht einreißen“.

Auch afrikanische Zebus fanden den Weg zu Richard Forster

Aber die Bisons sind nicht die einzigen Tiere, die Richard Forster züchtet. Er hat auch Zebus, eine afrikanische Rinderart. „Das sind die schnellsten Rinder der Welt“, sagt Forster. Mit den Tieren trainiert er auch für das „Working Cow Horse“, denn auf Wettkämpfen ist Richard Forster nach wie vor unterwegs.

Straffe Organisation ist notwendig

Damit Richard Forster das ganze Arbeitspensum bewältigen kann, hat er seinen Tagesablauf straff organisiert: „Ich stehe jeden Tag um 4 Uhr auf“. Bis zwölf Uhr ist er in seiner Firma und kümmert sich darum, dass die 28 Mitarbeiter wissen, was sie zu tun haben. Dann geht es für ihn auf die Bullero-Ranch, wo er bis zum Abend ordentlich zu tun hat. Wie sagt er doch, er liebt die Herausforderung.

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