Wenn die zweite Corona-Welle rollt: So ist der Kreis Mühldorf vorbereitet

Die Grafik stellt eindrucksvoll dar, mit welcher Wucht Corona Anfang April den Landkreis traf. Bis zu 143 Infektionen gab es in Spitzenzeiten, kurz danach stieg auch die Zahl der Toten dramatisch an, Ende April verloren in einer Woche elf Menschen den Kampf gegen das Virus. Nach einer Verschnaufpause ohne neue Kranke steigt die Zahl der Neuinfektionen derzeit wieder langsam an. Bis jetzt waren 515 Menschen im Landkreis mit Corona infiziert, 27 starben.
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Die Grafik stellt eindrucksvoll dar, mit welcher Wucht Corona Anfang April den Landkreis traf. Bis zu 37 Infektionen gab es in Spitzenzeiten, kurz danach stieg auch die Zahl der Toten dramatisch an, Ende April verloren in einer Woche elf Menschen den Kampf gegen das Virus. Nach einer Verschnaufpause ohne neue Kranke steigt die Zahl der Neuinfektionen derzeit wieder langsam an. Bis jetzt waren 515 Menschen im Landkreis mit Corona infiziert, 27 starben.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Mehr Personal, mehr Masken: Gesundheitsamt, Kliniken und Bereitschaftspraxis haben sich auf eine zweite Corona-Welle vorbereitet. Denn mit ihr rechnen die Verantwortlichen im Landkreis Mühldorf. Ein Blick in die Statistik zeigt, ob die zweite Welle schon heranschwappt.

Mühldorf – Das Gesundheitswesen im Landkreis fühlt sich auf ein weiteres Ansteigen der Corona-Zahlen gut vorbereitet. Nach den Kliniken und den Ärzten der Bereitschaftspraxis meldet jetzt auch das Gesundheitsamt Maßnahmen, um bei einer zweiten Welle bestehen zu können.

Mühldorf hat eine lokale Teststrategie

„Wir haben aus den Erfahrungen gelernt und jetzt die Zeit ohne Neuinfektionen genutzt, um uns auf wieder steigende Zahlen vorzubereiten“, betont der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Benedikt Steingruber mit Blick auf die ersten Infektionen mit Corona im Frühjahr.

Grundlage der Vorbereitung ist eine lokale Teststrategie, erklärt Steingruber. Bei der werden Mitarbeiter in den Schlachthöfen regelmäßig Waldkraiburg und Ampfing getestet, Mitarbeiter und Bewohner der Anker Dependence in Waldkraiburg, Kindergärten, Seniorenheime, Pflegekräfte. 4100 solcher Tests gab es laut Gesundheitsamt seit Ende Mai. „Mit all diesen Maßnahmen sollen etwaige Ausbrüche schnell lokalisiert und die Infektionsketten unterbrochen werden“, sagt Steingruber.

Mehr Mitarbeiter zur Kontakt-Verfolgung

Ein Schwerpunkt war die personelle Vorbereitung, nachdem die erste Corona-Welle im April die Mitarbeiter an ihre Leistungsgrenze gebracht hat. So gab es damals an einem Tag 37 Neuinfektionen, zu denen die Mitarbeiter Kontakte ermitteln mussten.

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45 weitere Mitarbeiter des Landratsamts und zehn aus den Gemeinden haben nach Angaben einer Sprecherin jetzt eine Schulung erhalten, um bei der Ermittlung und Beratung von Kontaktpersonen helfen zu können. „Aufgrund der Lockerungen ist die Zahl der Kontakte, die im Falle einer Infektion nachverfolgt werden müssen, größer geworden, sodass wir uns in diesem Bereich personell gut aufstellen müssen“, sagt Gesundheitsamtschef Steingruber

Alles tun, um lokale Ausbrücke zu verhindern.

Die Regierung von Oberbayern hat das Landratsamt mit zehn neuen Stellen für das Corona-Team ausgestattet. auch das Gesundheitsamt hat zehn neue Stellen bekommen. Dafür ist Landrats Maximilian Heimerl dankbar: „Wir tun alles, um lokale Ausbrüche zu verhindern; beziehungsweise falls es zu einer zweiten Welle kommt, für die Herausforderungen gerüstet zu sein.“

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Ein Blick auf die erste Corona-Welle im Landkreis zeigt, wie wichtig diese Vorbereitung ist. Denn Anfang April verzeichneten die Behörden bis zu 140 neue Infektionen an einem Tag. Die Zahl möglicher Kontaktpersonen, die das Corona-Team im Landratsamt suchen und betreuen musste, war damit noch viel höher.

Auch die übrigen Einrichtungen des Gesundheitssystems sind vorbereitet. Peter Wapler, Initiator und Arzt der Bereitschaftspraxis am Volksfestplatz, betonte bei der Schließung der Praxis, dass sie schnell wieder hochgefahren werden könne, sollte es eine zweite Coronawelle geben.

Klinik hat aus erste Welle gelernt

„Sollten steigende Infektionszahlen es nötig machen, können sofort wieder bis zu drei Container in derselben Form wie jetzt als Schwerpunktpraxis am Volksfestplatz eingesetzt werden“, betonte er. Mit der Bereitschaftspraxis sollten vor allem niedergelassene Ärzte entlastet werden, über 1000 Patienten wurden dort laut Wapler ab 1. April untersucht und getestet.

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Wieder hochfahren, das gilt auch für das Krankenhaus Mühldorf, das seit einigen Wochen wieder im Regelbetrieb ist, sagt Thomas Parnitzke Pandemie-Experte des Inn-Klinikums in Mühldorf. Die erforderlichen Behandlungskapazitäten könnten schnell geschaffen werden.

„Gleichzeitig haben wir uns einen großen Vorrat an Schutzausrüstung, Medikamenten und medizinischem Verbrauchsmaterial angelegt.“ Auch technisch seien die Kliniken gerüstet: „Wir haben zahlreiche neue Beatmungsgeräte angeschafft und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits technisch eingewiesen.“

Corona-Patienten können frühzeitig separiert werden

Laut Oberarzt Daniel Heidenkummer, Pandemiebeauftragter und Risikomanager der Klinik, ist das Krankenhaus jetzt technisch auch in der Lage, eine frühzeitige Differenzierung von Patienten vorzunehmen und daher eine Trennung zu Nicht-Corona-Patienten zu ermöglichen

Nach Wochen mit sehr wenigen oder gar keinen Infektionen gibt es wieder mehr bekannte Corona-Kranke im Landkreis. In der vergangenen Woche steckten sich fünf Menschen neu an. Von den Zahlen des Frühjahrs mit bis zu 143 neuen Infektionen ist der Landkreis derzeit allerdings weit entfernt. Damals kamen die Kreisklinik und Arztpraxen an ihre Grenzen, insgesamt starben 27 Menschen an der Krankheit.

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