CSU im Kreis wendet sich gegen eigene Bürgermeister – und Mühldorfs Kreisvorsitzender ist machtlos

Der Sieger aus drei Bewerbern: Die Wahl des Landratskandidaten Max Heimerl nennt CSU-Kreisvorsitzender Marcel Huber als Beispiel für den Zusammenhalt in der CSU. In einigen Ortsverbänden sieht das ganz anders aus. hon
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Der Sieger aus drei Bewerbern: Die Wahl des Landratskandidaten Max Heimerl nennt CSU-Kreisvorsitzender Marcel Huber als Beispiel für den Zusammenhalt in der CSU. In einigen Ortsverbänden sieht das ganz anders aus.

Im Interview erzählt Mühldorf CSU-Kreis-Vorsitzender Dr. Marcel Huber, warum ihm im parteiinternen Streit um Bürgermeisterposten die Hände gebunden sind. Und: Er sieht in dieser Entwicklung nicht nur ein Problem der CSU. 

Mühldorf – Die CSU hat sich in mehreren Orten gegen ihre amtierenden Bürgermeister gewandt. Buchbachs Bürgermeister Thomas Einwang, sein Pollinger Kollege Lorenz Kronberger und Zangbergs Gemeindechefin Irmgard Wagner wurden nicht mehr aufgestellt. 

Wir sprachen mit Kreisvorsitzendem Dr. Marcel Huber über den Zustand der CSU vor der Kommunal-Wahl im März 2020.

Warum zerfleischt sich die CSU in einigen Ortsverbänden selbst?

Die Konstellation ist in jedem Ort anders, auch wenn es aussieht, als wäre es vergleichbar. In Polling hat ein überragender Teil der CSU-Mitglieder gesagt, wir wollen einen anderen Kandidaten. In Buchbach war es der Vorstand, in Zangberg hat die Nominierungsversammlung Nein gesagt.

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Als roter Faden aber bleibt, dass sich die CSU gegen ihre Amtsträger stellt. Warum?

Das ist kein rein kommunalpolitisches Problem der CSU, sondern ein gesamtgesellschaftliches: die starke Ausprägung von Individualpositionen und deren Durchsetzung. Die Leute wissen heute, welche Möglichkeiten sie haben, um zu erreichen, was ihre persönlichen Ziele sind. Und das setzen sie durch. Das ist aber überall in der Gesellschaft so, nicht nur in der CSU.

Kein Druckmittel: Kreisvorsitzender Huber.

Hätten Sie gerne mehr Einigkeit in der CSU?

Natürlich. Aber als Kreisvorsitzender muss ich akzeptieren, was die Ortsverbände sagen. Die können ihre Situation vor Ort wesentlich besser beurteilen und wissen, wie sie ihre Ziele durchbringen.

Sie haben bei den letzten Parteiversammlungen stets Einigkeit gefordert. Was können sie tun, um Parteidisziplin durchzusetzen?

Ich habe kein Druckmittel.

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Ich kann nur mit den Leuten in den Ortsverbänden reden, ihnen meine Argumente vortragen. Aber wenn sie anders entscheiden, sind mir die Hände gebunden. Druck kann man nur ausüben, wenn man Sanktionsmöglichkeiten hat.

Ist der gesamte CSU-Kreisverband zerstritten?

Überhaupt nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Wir stehen geschlossen hinter unserem Landratskandidaten und den nominierten Personen für den Mühldorfer Kreistag. Wir haben in offenen, transparenten Verfahren unsere Kandidaten gefunden und dafür viel Zuspruch erhalten. Auch die Kreisvorstandschaft arbeitet zielorientiert und geschlossen daran, die Kommunalwahlen zu gewinnen. Ich bin da sehr zuversichtlich.

Auch für die Landratswahl gab es drei Bewerber innerhalb des Kreisverbands. Ein Zeichen der Uneinigkeit?

Es gibt keinen Hinweis auf eine Uneinigkeit des Kreisverbands oder darauf, dass er auseinanderfällt. Im Gegenteil. Wir haben das Auswahlverfahren für den Landratskandidaten sehr aufwendig und transparent gestaltet und die Mitglieder mitgenommen. Das deutliche Ergebnis für Maximilian Heimerl im ersten Wahlgang zeigt, dass es eine große Zustimmung gibt. Im Nachhinein kann man sagen, dass seine Kandidatur von Städten und Landgemeinden mitgetragen wird. Interview: Markus Honervogt

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