Waldbrandgefahr im Kreis Mühldorf ist gesunken, aber ein anderes Problem bleibt

Der Regen in den letzten Tagenhat dem heimischen Wald etwas geholfen, aber der Borkenkäfer fliegt trotzdem. Bauer
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Der Regen in den letzten Tagenhat dem heimischen Wald etwas geholfen, aber der Borkenkäfer fliegt trotzdem. Bauer

Für den Landkreis Mühldorf rechnen das Forstamt und die Waldbesitzervereinigung Mühldorf für das Gesamtjahr 2020 mit einer erheblichen Borkenkäfer-Schadholzmenge von etwa rund 70000 Festmetern in den Privatwäldern. Die Preise auf dem Holzmarkt sind noch weiter in den Keller gerutscht.

Mühldorf – Der Waldflächenanteil im Landkreis Mühldorf beträgt 22 Prozent, womit er deutlich unter dem bayerischen Durchschnitt von 36 Prozent liegt. Der Großteil des Waldes befindet sich im Landkreis in Privatbesitz (86 Prozent). 13 Prozent gehören dem Freistaat Bayern. Nur ein Prozent sind Kommunalwälder. Nachdem bereits der Sommer 2018 sehr heiß und trocken gewesen ist, folgte im vergangenen Jahr erneut ein sehr heißer Sommer mit Rekordtemperaturen vor allem im Juli. Deutschlandweit war der Sommer 2019 der drittwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, in Bayern als zweitwärmster Sommer sogar noch etwas heißer als der Sommer 2018.

Regenfälle minderten Waldbrandgefahr

„Jeder Regen ist wichtig für den Wald. Die Regenfälle der letzten Tage sorgen dafür, dass die Waldbrandgefahr gesunken ist. Die Waldböden sind aber immer noch nicht genügend durchfeuchtet, da bräuchten wir mehr als die rund 30 Liter pro Quadratmeter, die runtergekommen sind. Durch die warme Witterung in den letzten Jahren ist der heimische Wald in keiner guten Verfassung“, erklärte Forstdirektor Dr. Martin Kennel, Bereichsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Töging.

Borkenkäfer konnte sich stark vermehren

Aufgrund der warmen Witterung konnte sich der Borkenkäfer auch heuer wieder stark vermehren und wird große Schäden in den bayerischen Wäldern anrichten. „Der Regen hat den Borkenkäfer nicht entscheidend bremsen können. Für den Landkreis Mühldorf rechnen wir für das Gesamtjahr 2020 mit einer erheblichen Borkenkäfer-Schadholzmenge von etwa 70 000 Festmetern in den Privatwäldern“, erläutert Kennel.

Gute Bedingungen findet derzeit der Borkenkäfer vor.

Kosequente Aufarbeitung verhindert weiteren Befall

„Auch heuer haben die Mitglieder der Waldbauernvereinigung stark mit dem Borkenkäfer zu kämpfen wie in den Jahren 2018 und 2019“, erklärte Michael Erber, Geschäftsführer der Waldbauernvereinigung. Mühldorf.

Eine konsequente Aufarbeitung der befallenen Bäume ist trotzdem die wichtigste Maßnahme gegen erneuten Befall im kommenden Frühjahr. Sobald das befallene Holz beseitigt ist, könne man sich Gedanken über die Wiederaufforstung machen.

Gezielte Risikostreuung sei das Wichtigste

Das Wichtigste sei dabei nicht das Propagieren einzelner Baumarten, sondern eine gezielte Risikostreuung. Hier könne man durch eine standortgerechte Mischung die Weichen für einen gesunden und widerstandsfähigen Mischwald stellen. Hilfestellung zur Wiederaufforstungen und zu Fördermöglichkeiten geben die Revierförster und die Waldbesitzervereinigung.

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„Erfreulicherweise funktionierte die Holzabfuhr deutlich besser als in den letzten Jahren. Dies und die staatliche Förderung für das Ausfahren der Schadholzmengen haben ein weiteres Ausbreiten des Borkenkäfers verhindert“, sagt Wolfgang Erber. Der Wald sei aufgrund der Trockenheit der zurückliegenden Jahre, den Sturmschäden und dem Borkenkäferbefall schon schwer geschädigt.

Holzpreise sind weiter im Keller

Die Preisentwicklung ist für die heimischen Waldbesitzer mehr als unerfreulich. Zur Zeit sind auf dem Holzmarkt nur Tiefstpreise zu erzielen. „Insbesondere die Preise für Käferholz befinden sich zurzeit auf einem historischen Tiefstand. Die weitere Entwicklung ist im Moment noch nicht abzusehen. Die Waldbesitzer trifft neben den vielen Schadholzmengen auch die Corona-Krise massiv“, stellt Erber heraus.

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