Wegen Corona drinnen bleiben: Mühldorfer begrüßen Ausgangssperre

Schon in den letzten Tagen blieben die meisten Plätze leer, jetzt ist ganz Schluss: Café auf dem Mühldorfer Stadtplatz.Honervogt
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Schon in den letzten Tagen blieben die meisten Plätze leer, jetzt ist ganz Schluss: Café auf dem Mühldorfer Stadtplatz.Honervogt

Viele Menschen im Landkreis Mühldorf stehen einer Ausgangssperre zur Bewältigung der Corona-Krise positiv gegenüber. Bei einer Umfrage in verschiedenen Teilen des Landkreises gab es nur wenig Widerspruch gegen die Einschränkungen. Solange man raus darf, um frische Luft zu schnappen.

Mühldorf– Keine Ausgangssperre aber weitere Beschränkungen: Seit heute Nacht um 0 Uhr steht das öffentliche Leben noch weiter still als bisher schon. Wir haben Menschen aus dem Landkreis gefragt, was sie von einer Ausgangssperre halten.

Carmen Ziegler, 50, Kinderpflegerin, Neumarkt-St. Veit: „Wie sonst soll man die Verbreitung des Corona-Virus eindämmen, wenn die Leute nicht vernünftig sind und freiwillig daheimbleiben? Wenn die Ausgangssperre so gestaltet ist, dass die Menschen dennoch rausgehen dürfen, um zumindest frische Luft zu schnappen oder Spazieren zu gehen, wäre ich dafür. Schwierig wäre es allerdings, wenn Menschen zum Hausarrest verpflichtet würden, die nicht einmal einen Balkon haben.“

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Alfred Lantenhammer, 54, Bürgermeister, Schönberg: „Dinge erledigen, die sich im Laufe der Zeit aufgestaut haben, Sortieren, Umschichten: So verbringe ich die Zeit daheim, wenn ich nicht mehr raus darf. Vielleicht habe ich dann endlich Zeit, das Haus für meine Tochter zu planen und zu zeichnen, das sie im Herbst bauen will. Die Ausgangsbeschränkungen halte ich für richtig, wenn sie denn nötig sind, um der Pandemie Einhalt zu gebieten. Wir werden das dann auch als Gemeinde so artikulieren. Es gilt nun für die Bürger, dass sie sich disziplinieren und zu Hause bleiben. Das ist jetzt nun mal so, aber es werden auch wieder bessere Zeiten kommen!“

Nur wenige halten sich an bisherige Einschränkungen

Dr. Marcel Huber, 62, CSU-Landtagsabgeordneter: „Man muss schauen, wie wir mit den bisherigen Maßnahmen auskommen, um die Ausbreitung so weit als möglich auseinanderzuziehen. Wenn die bisherigen Maßnahmen nicht reichen, dann ist eine Ausgangssperre nötig. Ob es derzeit schon so weit ist, kann ich nicht beurteilten. Dazu muss man die genauen Daten des Verlaufs kennen, vor allem die Infektionszahlen und die Zahl der zur Verfügung stehenden Intensivbetten.

Paul Sänger, 18, Auszubildender, Neumarkt-St. Veit: „Das Problem ist doch, dass es schon Regelungen gibt, aber zu wenige halten sich offenbar daran. Man muss doch bloß auf Italien blicken, um zu erkennen, wie wichtig es jetzt ist, sich sozial einzuschränken, zum die Kurve der Neuinfektionen endlich abzuflachen. Und ganz ehrlich: man kann es verkraften, mal zu Hause zu bleiben. Ich sehe es als Aufgabe der Gesellschaft, die Alten und kranken zu schützen!“

Michaela Obermeier-Lohner, 53, Landwirtin, Niederbergkirchen: „Wenn es sein muss, dann muss es auch sein. Es gibt leider immer noch viel zu viele, die Party machen und sich treffen. Wir haben es viele Jahre gehabt, dass jeder überall machen kann, was er will. Das geht jetzt halt nicht mehr. Wir müssen zurückkehren zu unseren alten Werten und das Wohl aller im Auge behalten“.

Renate Haindl, 57, Marktverkäuferin, Burgkirchen: „Eine Ausgangssperre ist nicht so verkehrt. Viele Leute müssen offensichtlich erst noch kapieren, dass es nicht anders geht. Der Spaß ist halt jetzt erst einmal für eine Zeit lang vorbei. Und andere gefährden geht halt gar nicht. Allerdings gehören dann auch empfindliche Strafen her, wenn die Ausgangssperre tatsächlich kommt. Die Entscheidung, wenn sie denn kommt, hat aber zwei Gesichter: Wir müssen natürlich auch an unser Geschäft denken“.

Viele Jugendliche schätzen die Gefahr falsch ein

Niklas Renner, 19, Vorsitzender Jugendparlament Waldkraiburg: „Ich habe grade wieder einen Post gesehen, da heißt es: Schönes Wetter heute. Wie wär’s denn mit einer Innparty. Zu solchen Vorschlägen gibt es zwar mittlerweile auch viele kritische Kommentare, aber leider schätzen viele Jugendliche die Gefahr immer noch falsch ein. Ich sehe die Ausgangsbeschränkung deshalb positiv. In China hat das viel gebracht, obwohl dieser Schritt natürlich sehr drastisch ist.“

Dr, Herbert Heiml, 69, Bürgermeister Kraiburg: „Ich bin ein optimistischer Mensch. Ich mache deshalb in der Zahnarztpraxis noch immer Notdienst. Dazu fühle ich mich verpflichtet. Ich bin ganz ehrlich: Ich habe nicht gedacht, dass es so schlimm wird. Aber wenn man die Verhältnisse in Italien anschaut, dann bin ich für die Ausgangssperre mit einigen Ausnahmen wie Einkaufen und Nachbarschaftshilfe.“

Georg Huber, CSU-Landrat, 70:„Ich konnte mich in den letzten Tagen selbst in unseren Städten und Gemeinden vor Ort stichprobenweise davon überzeugen, dass die Bürgerinnen und Bürger grundsätzlich sehr umsichtig und verantwortungsvoll die aktuellen Empfehlungen zur Verringerung des Übertragungsrisikos beherzigen. Und trotzdem habe ich einige Menschengruppen gesehen, die den Ernst der Gesundheitsgefährdung nicht oder noch nicht erkannt haben.

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Darum glaube ich, dass wir wegen einiger Unbelehrbarer, die aber die Gesundheit vieler sehr stark in Gefahr bringen, ohne Ausgangsbeschränkungen die Verbreitung des Coronavirus nicht eindämmen können.“

Paul Sänger

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