In Oberneukirchen leben Wasserbüffel und Weiderinder einen Sommer lang zusammen 

Die Wasserbüffel „graben“ die Weiden um (hier die Weide Eibelsgrub) und schaffen so Lebensraum für andere Tiere wie zum Beispiel die Gelbbauchunke. Fill
  • vonMarianne Fill
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Wasserbüffel und Weiderinder gemeinsam auf einer Weide, ein idyllisches Bild, das auch von Eltern mit ihren Kindern gerne besuchen. In naher Zukunft wird dies auch in Oberneukirchen zu besichtigen sein. Die Gemeinde stellt dem Naturland-Betrieb „Der Reiserer“ eine Ausgleichsfläche zur Verfügung.

Oberneukirchen – Josefine und Matthias Reißaus züchten auf ihrem Hof Wasserbüffel und Murnau-Werdenfelser Rinder für ihre Mutterkuhherde. Die Tiere beweiden mittlerweile, verstreut im ganzen Landkreis, im Sommer verschiedene Projektgebiete. Dabei entstehen auch neue Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten.

Begonnen hat alles vor sieben Jahren, als Reißaus vier Wasserbüffel vom Bund Naturschutz Mühldorf für die Beweidung des ersten Gebietes bei Jettenbach mit dem bildhaften Projektnamen „Büffel als Biobagger“ übernahm.

Wasserbüffel legen aufgrund ihres Suhlverhaltens aktiv Gewässer an und unterstützen damit die Entstehung von neuen Lebensräumen für bedrohte Amphibienarten wie die Gelbbauchunke. Diese Unke lebt bereits im Kieswerk nahe dem neuen Weideland in Oberneukirchen.

Auf der Weide Gaymoos wird ordentlich umgegraben.

Im Sommer auf den „Almen“

Die Familie Reißaus wurde für ihre Arbeit bereits beim Wettbewerb „Naturschutzpartner Landwirt 2018“ sowie mit dem „Bayerischen Biodiversitätspreis“ ausgezeichnet. Diese Auszeichnungen ermutigen die Familie, den eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen.

Im April bringen Josefine und Matthias Reißaus die Rinder und Wasserbüffel mit ihrem Anhänger auf die sogenannten „Almen“. „Wir überlegen gut, wer mit wem wohin kommt, denn die Tiere bleiben, wenn alles glatt läuft, den ganzen Sommer am gleichen Standort“, erklärt Josefine Reißaus. Zur Schlachtung vorgesehene Ochsen und Färsen oder trächtige Kühe fahren nicht mit, sie verbringen den Sommer auf der Weide rund um den Reiserer-Hof. Die Kälber sollen hier geboren werden.

„Nicht so bei den Wasserbüffeln“, so Reißaus. „Sie bekommen ihre Kälber alleine, draußen auf der Weide“. Während der Saison fahren die Landwirte oftmals alle Weidestandorte ab, kontrollieren die Zäune und prüfen Tränken und die Futterversorgung. Im Oktober werden alle Tiere wieder auf den Hof geholt, dann beginnt für das nächste Halbjahr wieder die tägliche aufwendige Stallarbeit.

Weide Thalhamer Moos

Stressarme Schlachtung am Hof

Die Direktvermarktung ist die Zukunft und sie bauen diesen Bereich –  nicht nur aus ökonomischen Gründen – weiter aus. Denn damit schließt sich der Kreislauf ihrer Wirtschaftsweise. Alle Tiere werden auf dem Hof vom örtlichen Metzger in der von der EU-zugelassenen „Mobilen Schlachtbox“ geschlachtet. Nach drei Wochen Reifung in der Kühlung ist dann Josefine Reißaus auch beim Zerlegen immer dabei und kann so individuelle Kundenwünsche berücksichtigen. Beim Reiserer-Hof gibt es nicht nur gemischte Fleischpakete, es werden auch Vorlieben der Kunden möglichst berücksichtigt. Seit 2017 beliefert die Familie Reißaus auch die Firma Byodo, die alle städtischen Kindergärten in Mühldorf verköstigt. Privatkunden schätzen ganz besonders das Engagement in der Landschaftspflege und das geschmackvolle Fleisch der ausschließlich mit Gras gefütterten Tiere.

Bio-Bauern halten zusammen

Kooperationen sind für das Ehepaar ein wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeit – natürlich mit den vielen Partnern in der Landschaftspflege und anderen (Bio-) Landwirten. Wichtigster Partner ist die Kreisgruppe des Bund Naturschutz. So werden Erfahrungen und Hofprodukte zum gegenseitigen Vorteil ausgetauscht.

Die Reiserer, das sind Josefine und Matthais Reißaus. Rund 20 Wasserbüffel, 90 Rinder (Mutterkühe, Nachzucht, Ochsen und Färsen), vier Esel und über ein Dutzend Legehennen leben auf rund 50 Hektar Weideland, 9 Hektar Kleegras und 21 Hektar Wiesen und Vertragsnaturschutzflächen (teils Pacht, teils von Kooperationspartnern) sowie seit 2020 13 Hektar Ackerland.

  • Zucht: Murnau-Werdenfelser Rinder und Wasserbüffel
  • Landschaftspflege: Weideprojekte, Mahd von Photovoltaikanlagen und Waldwiesen, Neuansaaten mit autochthonem Saatgut
  •  Vermarktung: Direktvermarktung an Endkunden ab Hof, Lieferung von Fleisch an die Firma Byodo, Kindergartencatering Mühldorf
  •  Arbeitskräfte: 2,5

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