Warum der Mühldorfer Klaus-Peter Kraatz seit 15 Jahren Wahlhelfer ist

Seit 15 Jahren als Wahlhelfer aktivund voller Begeisterung dabei: Klaus-Peter Kraatz sieht sein Amt am Wahlsonntag als Dienst an der Demokratie. Als Wahlvorsteher bereitet er sich deshalb schon vor dem Abstimmungstag zu Hause auf seine Aufgabe vor. Petzi

Ohne Ehrenamtliche funktioniert Demokratie nicht. Allein am Wahlabend sitzen im Landkreis Dutzende Frauen und Männer in den Wahllokalen und zählen Stimmen aus. Darunter ist der Mühldorfer Klaus-Peter Kraatz, der gerne dort ist, wo Demokratie lebendig ist.

Von Nicole Petzi

Mühldorf – Für Klaus-Peter Kraatz lebt die Demokratie vom Ehrenamt und von der Teilnahme der Bürger an demokratischen Prozessen wie zum Beispiel den Wahlen. Dabei geht es dem Mühldorfer nicht bloß darum, alle paar Jahre in ein Wohllokal zu gehen und sein Kreuz zu machen. Zu den Bürgerrechten gehöre es eben auch, den Wahlvorgang aktiv und ehrenamtlich als Wahlhelfer zu begleiten. „Wenn nötig kann die Kommune auch auf die Erfüllung der bürgerlichen Ehrenrechte bestehen und zu dem Amt verpflichten“, betont Klaus-Peter Kraatz.

Als langjähriger Landesbeamter weiß er bestens Bescheid um die verwaltungsrechtlichen Vorgänge. Aber die stehen manchmal eben hintan. Sollte eine lebendige Demokratie nicht auf Freiwilligkeit bauen? Und nicht jeder hat das Interesse an der Willensbildung des Volkes, so wie es dem 1961 geborenen Mühldorfer fast schon in die Wiege gelegt worden war.

Die Aufgaben eines Wahlhelfers

Während sich andere Jungs in seinem Alter lieber auf dem Fußballplatz austobten, hatte Klaus-Peter Kraatz als Teenager seine Neugierde befriedigt und beim Auszählen der Stimmen in Wahllokalen viel Zeit zugebracht.

Seine Karriere als Wahlhelfer habe der Beamte dann vor rund 15 Jahren begonnen. „Ich wurde über eine Annonce im Mühldorfer Anzeiger aufmerksam. Gerade vor Kommunalwahlen werden viele helfende Hände dringend gesucht!“

Begonnen hatte er damals als Beisitzer, heute ist er Wahlvorsteher, sein Wahllokal ist das im städtischen Bauhof. Wie oft er schon Wahlen in dieser Funktion begleitet hat? „Sicher mehr als ein halbes Dutzend mal!“ Ein alter Hase also. Entspannt gießt er Kaffee nach und reicht dazu Gebäck. Das Haus wirkt hell und gemütlich. Man merkt, dass alles an seinem Platz ist.

Klaus-Peter Kraatz präsentiert auf dem ansprechend arrangierten Esstisch seine Schulungsunterlagen. Sorgfältig geordnet versteht sich. Als Wahlvorsteher muss er sich auskennen; politische Basics müssen sitzen, ebenso wie das Wissen um einen korrekt ausgefüllten Stimmzettel.

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„Gerade bei einer kommunalpolitischen Wahl ist viel ‚technisches Wissen‘ um Abläufe gefragt“, erzählt der passionierte Wahlvorsteher, der seine Ehefrau und seine mittlerweile erwachsenen Töchter auch als Wahlhelfer akquirieren konnte. Man politisiert gern mal zuhause – und diskutiert rege. „Bei uns herrscht Demokratie. Jeder hat seine eigene Meinung“,

Klaus-Peter Kraatz schmunzelt. Als Wahlvorsteher ist er es gewohnt, die Mitstreiter im Wahllokal einzuteilen. Mindestens drei sollen es pro Wahllokal sein: der Beisitzer, der die Stimmzettel ausgibt, der Schriftführer, der beim Auszählen der Stimmen genau protokolliert – und eben der Wahlvorsteher, der dafür sorgt, dass der Wahltag reibungslos verläuft.

Reibungsloser Ablauf im Wahllokal

„Wir sind ein gut eingespieltes Team“ so Klaus-Peter Kraatz. Daran, dass jemand quergeschossen ist, kann er sich nicht erinnern. Man kennt sich. Viele der Wahlhelfer kommen aus der Verwaltung. „Bewerben kann sich aber jeder, der eine gesunde Einstellung zur Demokratie hat und der willens ist, neutral aufzutreten.“ Einfluss auf das Wahlverhalten der Bürger zu nehmen – das gehe gar nicht.

„Zu meinen Aufgaben gehört es eben auch, dafür zu sorgen, dass in den Wahlkabinen eine geheime Wahl möglich ist und sich nicht zu viele Leute im Wahllokal aufzuhalten.“ Dass er den ein oder anderen schon mal vor die Tür beten muss, das komme schon vor. Probleme gebe es in der Regel nicht. „Das ist eben Demokratie“ Und je mehr Wähler kommen, umso besser!“

Dass sich das Wahlverhalten der Mühldorfer in den vergangenen Jahrzehnten verändert habe, davon könne Klaus-Peter Kraatz nichts erzählen. Von Wahlverdrossenheit keine Spur. Zumindest in seinem Gebiet. Im Gegenteil werden die Wähler immer jünger.

Aber das sei wohl auch den Neubauten in der Gegend geschuldet. „Und manche der Alten kommen eben nicht mehr.“ Auch das sei der Gang der Zeit. Langeweile komme so oder so nicht auf. Auch wenn nichts wirklich Bemerkenswertes passiert. „Man ist ständig auf Trab, von 8 bis 18 Uhr – und freilich beim Auszählen der Stimmen danach!“ Und das könne sich schon mal bis in die Morgenstunden ziehen, gerade bei Kommunalwahlen, wo Landrat, Bürgermeister, Kreistag und Stadtrat gewählt werden. Das macht vier Urnen pro Lokal.

Technische Hilfe beim Zählen

Und dann schlägt es 18 Uhr am Wahltag. Der Wahlvorsteher bittet die Bürger vor die Tür; solche, die den Wahlhelfern beim Zählen über die Schulter sehen möchten, bleiben. Zuerst kommen die Landräte und Bürgermeister an die Reihe. „Die sind schnell ausgezählt und können ans Wahlamt übermittelt werden.“

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Dann wird es schon unübersichtlicher. Ob man sich mitunter auch verzählt? „Das kommt schon vor“, gibt der Wahlvorsteher zu Bedenken. Aber man kontrolliere auch mehrfach. Seit der vergangenen Wahl gebe es auch technische Hilfsmittel, die den Zählvorgang erleichtern. Stimmen, die über einen Barcode erfasst werden. Einmal mit dem Scanner drüber fahren, und es passt?

Klaus-Peter Kraatz ist skeptisch. „Wir sind damals bereits an die Grenzen gekommen. Arbeitserleichterung war das erst einmal nicht. Da ging vieles drunter und drüber!“ Und dann gebe es auch noch die Möglichkeit, seine Stimme am Laptop mit einem Mausklick abzugeben. „Das wird aber jedes Lokal dann selbst entscheiden können.“ Das Wahlverhalten der Mühldorfer ändert sich vielleicht nicht. Die Technik aber schon.

Wie auch immer. Klaus-Peter Kraatz wünscht sich einen friedlichen Ablauf der Wahl in gutem Einvernehmen. Das sei das Wichtigste. Neben dem guten Gefühl, seinen eigenen kleinen Teil dazu beigetragen zu haben, die Demokratie lebendig zu halten.

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