Zombie-Apokalypse now

Sie sollen nur kommen, die Horror-Clowns. In Waldkraiburg warten die Raunachtsfürchten auf sie – die Perchten.

Mal sehen, wer furchteinflößender wirkt. Polizeichef Georg Deibl warnt vor „Selbstjustiz“, wenn man so einem Spinner begegnet. Hoffentlich bleibt sein Appell nicht ungehört... gerade jetzt zu Halloween.

Das Phänomen, sich als grausliger Grusel-Clown zu verkleiden, Leute mit irrem „Axtmörder-Gebahren“ zu Tode zu erschrecken und die Aktion dann im Internet zu posten, hat sich inzwischen schnell in Deutschland ausgebreitet. Rübergeschwappt ist es von den Amerikanern – von wem sonst. Dort spukt seit Wochen ein Grusel-Clown durch die Medien und versetzt viele Menschen in Angst und Schrecken, nicht zuletzt Hilary Clinton. Donald Trump will die Weltherrschaft an sich reißen – das haben noch nicht mal Pinkie und Brain geschafft, hoffen wir, dass er nicht mehr Erfolg hat, als sie. Denn seine Visage ist wirklich zum Fürchten; seine Ideen noch mehr.

Genauer betrachtet sind die Grusel-Clowns längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Sie sind unter uns, heißen Petry, Höcke, Bachmann oder von Storch, behaupten, sie wollen Deutschland gerechter und menschlicher machen. Doch am Ende wollen sie nur unsere Gehirne fressen. Die Zombie-Apokalypse steht uns kurz bevor.

In den Sozialen Netzwerken kann man den Eindruck gewinnen, dass sie bereits begonnen hat. Die Menschen verhalten sich hier vielfach charakterlos, glauben jeden Mist, den sie lesen und verbreiten gefährliche Unwahrheiten. Man muss nur eine Bildmontage mit einem vermeintlich klugen Zitat posten, vielleicht noch ein aktuelles Thema besetzen, das die Leute aufwühlt, ein paar perfide Lügen erfinden und schon hat man die Zombie-Masse für sich gewonnen.

Zum Glück gibt es auch eine Gegenbewegung, Leute, die sich nicht damit zufrieden geben, dass wir im „postfaktischen Zeitalter“ angekommen sein sollen. Sie basteln dann die entlarvenden Bildmontagen. So geisterte unlängst folgender Post durch Facebook: „Glauben Sie nicht alles, was Sie im Internet lesen“, dazu ein Foto von Albert Einstein und die Unterschrift von Leonardo Da Vinci.

Wer nicht weiß, wie er diese Medien – die aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken sind – bewerten und nutzen muss, lässt sich leicht einlullen. Hier ist gesunder Menschenverstand gefragt. Skepsis und Neugier, den Dingen auf den Grund zu gehen, können auch sehr hilfreich sein.

Oder einfach mal das Tablet und das Smartphone weglegen und wieder am normalen Leben teilnehmen. Wer sich zu oft dem digitalen Dauerstress aussetzt – ständig alle Kanäle checken (Facebook, What‘sApp, Instagram, Snapchat, Twitter und Co.) – wird nämlich buchstäblich deppert. Experten schlagen hier schon Alarm, Lehrer und Eltern bemerken, dass die Kinder unaufmerksam, unkonzentriert, unkreativ werden, dass ihre Leistungsfähigkeit nachlässt. Und zwar in so einem Ausmaß, dass sich Suchttherapeuten des Themas annehmen. Am Gymnasium fand kürzlich ein Vortrag dazu statt. Der Suchtexperte Benjamin Grünbichler schlug „digitale Diäten“ vor.

Klingt einfach, fast banal, könnte sich aber als sehr hilfreich erweisen. Für die mentale Balance der einzelnen Familienmitglieder, für das Familienleben, die Geselligkeit, den Austausch von Angesicht zu Angesicht. Statt Dinge per Messenger in 100 Kurznachrichten zu klären (oder zu verschlimmern), kann man die Freunde ja einfach mal anrufen oder besuchen. Statt busselnde Smileys zu verschicken, könnte man sich auch in real küssen. Diese Welt braucht wieder mehr echte Küsse. Es gheat oafach wieda mehra gschmust. Da werden Glückshormone frei. Keine Hasshormone.

Und so ein Grusel-Clown ist doch auch einfach nur ein armes Würstchen, das von seiner Mama nicht genügend Aufmerksamkeit bekommen hat. Statt schreiend vor ihm wegzulaufen, drücken und umarmen’S den doch mal. Geben‘S ihm nen dicken Schmatzer auf seine Maske. Was meinen‘S, wie verdattert der ist? Dann vergisst der noch glatt, dass er gerade noch einen ganz anderen Film fuhr. „Trick or treat“ nennen das die Amis zu Halloween, #clownloveprank die Sozialen Netzwerke. Andrea Klemm

Waldkraiburger Wochenschau

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