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PORTRÄT DER WOCHE

Zierlich auf Zack

Unterstützt ihren Vater Andreas Ebner vom Sicherheitsdienst auf dem Volksfest: Melissa Matthes. Die 19-Jährige ist klein und zierlich. Doch die aktive Handballerin ist nicht zu unterschätzen, weder auf dem Spielfeld, noch, wenn es darum geht, in einer brenzligen Situation die richtigen Worte, die zur Deeskalation beitragen, zu finden. kla
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Unterstützt ihren Vater Andreas Ebner vom Sicherheitsdienst auf dem Volksfest: Melissa Matthes. Die 19-Jährige ist klein und zierlich. Doch die aktive Handballerin ist nicht zu unterschätzen, weder auf dem Spielfeld, noch, wenn es darum geht, in einer brenzligen Situation die richtigen Worte, die zur Deeskalation beitragen, zu finden. kla

Melissa Matthes ist 19, klein und zierlich – und sollte definitiv nicht unterschätzt werden. Weder in ihrem Sport, dem Handball, noch wenn sie als Security-Dienstleisterin im Einsatz ist. Verteidigen kann sie sich – beim Sport und im Job. Viel wichtiger sei es aber, ruhig zu bleiben, um Situationen zu entschärfen.

Waldkraiburg – Melissa ist eine junge Frau, die kürzlich die FOS absolviert hat und im Oktober ein Studium im Bereich Sportmanagement in München beginnen wird. Nebenbei arbeitet sie im Familienbetrieb – Sicherheitsdienst Ebner – mit. Später könnte sie den Laden mal übernehmen, das schließt sie nicht aus.

Derzeit wird sie von ihrer Mutter Cornelia Matthes in die Buchhaltung der Firma eingearbeitet. Das kaufmännische Wissen komme ihr beim Studium sicher gelegen, ist sie überzeugt.

Melissa unterstützt ihren Vater Andreas Ebner im Pförtnerdienst, bei repräsentativen Terminen und auf dem Volksfest. Da wird sie einige Tage bei der Eingangs- und Taschenkontrolle im Einsatz sein, während ihre Kollegen Platz- oder Zeltwache schieben.

„Wir machen Stichproben und verhindern, dass beispielsweise in Rucksäcken Drogen, Alkohol und Glasflaschen generell auf den Platz gebracht werden“, erklärt die 19-Jährige. Glasflaschen bedeuten Verletzungsgefahr. „Und man kann damit eine Menge Blödsinn anstellen“, so die junge Frau, die bei der IHK eine einwöchentliche Schulung absolviert hat, in der es um rechtliche Fragen, wie etwa Hausrecht und beispielsweise Dienstkunde ging.

„Angst zu zeigen reicht oft schon, um angegangen zu werden.“ Andreas Ebner zu seiner Tochter Melissa

Als Frau im Sicherheitsdienst wird sie nicht alleine losgeschickt. Manchmal reicht schon die Tatsache, dass dem ein oder anderen betrunkenen oder anderweitig ungehobelten Lackl eine Dame gegenüber steht, um eine Situation zu entschärfen.

Der Sicherheitsdienst Ebner setzt in diesem nicht ungefährlichen Job auf „Beruhigung durch Worte“. Deeskalation ist das Stichwort. „Mein Papa ist ein Ruhepol. Er hat mir beigebracht, dass es manchmal reicht, Angst zu zeigen, um angegangen zu werden“, so Matthes.

Als kleines Mädchen habe sie ihn mal gefragt, ob er so etwas mache, wie die Polizei. Er habe ihr erklärt, dass er keine Waffen trage und Probleme friedlich löse. Schuss- und stichsichere Westen seien nicht nötig bei seinen Einsätzen.

Natürlich sei man nie davor gefeit, auf jemanden zu treffen, der eskaliert oder verrückt ist. Zum Glück habe Melissa noch nie eine wirklich brenzlige Situation am eigenen Leib erfahren müssen.

Ihr Vater habe jahrzehntelange Karate-Erfahrung – ein Sport, der auf Verteidigung, nicht auf Angriff setze und Geist und Seele schule. Die waffenlose Kampfkunst stärkt Selbstbewusstsein und Entschlossenheit – etwas, was man für das souveräne Auftreten gut gebrauchen kann. Das strahlt Andreas Ebner aus – die halbe Miete in seiner Branche.

Melissa selbst hat ein Jahr Karate gemacht, blieb aber dann doch lieber beim Handball. „Das ist auch ein körperbetonter Sport. Ich bin klein und zierlich – das unterschätzen viele, auch auf dem Spielfeld“, sagt sie grinsend. Größe sei nicht alles. Seit ihrer Kindheit frischte sie ihr Wissen über Selbstverteidigung immer wieder in Kursen auf. „Ich könnte mich verteidigen!“ Jedoch weiß sie: Ihre beste Waffe ist, ruhig bleiben zu können, mit gut gewählten Worten mit schwierigen Menschen und Situationen umgehen zu können.

Eine gewisse Prägung habe sie durch den pädagogisch-psychologischen Zweig an der FOS, Praktika in der Förderschule und ihre Erfahrung im Sport und im Vereinsleben erhalten. „Auf dem Spielfeld geht es oft heiß her, der Schiri trifft mal eine umstrittene Entscheidung und man ärgert sich. Da kann man nicht austicken und unnötig eine Rote Karte riskieren.“ Also: Cool bleiben, lautet die Devise. So fühlt sie sich gut vorbereitet auf den Umgang mit Menschen. Ob nun demnächst als Übungsleiterin beim VfL Handball – den Kurs hat sie eben erst absolviert – oder im späteren Berufsleben.

Einen Freund, der ein Problem damit haben könnte, dass sie im Sicherheitsdienst arbeitet, weil er vielleicht meint, sie beschützen zu müssen, gibt es derzeit nicht. Wenn einer daher kommt, wird er damit sowieso klar kommen müssen. „Das ist ein Familienunternehmen. Ich bin mit der Materie aufgewachsen.“

Melissa freut sich auch aus privaten Gründen auf das Volksfest, das am 13. Juli beginnt. Als Kind zogen sie natürlich die Fahrgeschäfte an, an Losbuden war sie Stammgast, wie sie erzählt. Heute sind es die Events auf dem Fest und – immer noch – der Besuch beim Bayern Breaker. „Ich liebe es, mit Freundinnen ein paar Runden zu drehen. Darauf freue ich mich, das ist ein fest eingeplantes ,Einmal-im-Jahr-Erlebnis‘ “, lacht sie freudestrahlend.

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