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400 Jahre alt

Wunder des Mirakelbuchs gelüftet: Pürtener Wallfahrtskult in digitale Form gebracht

Stadtarchivar Konrad Kern (links) und Heimatforscher Meinrad Schroll freuen sich über die 175 Seiten umfassende Abschrift und Auswertung des Mirakelbuches.
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Stadtarchivar Konrad Kern (links) und Heimatforscher Meinrad Schroll freuen sich über die 175 Seiten umfassende Abschrift und Auswertung des Mirakelbuches.
  • VonUrsula Huckemeyer
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Kranke Pilger suchten bei ihrer Wallfahrt nach Pürten Heilung. Eine solche erhofften sie sich von einem Evangelienbuch, das sie sich nachts unters Kissen legten. Dieser europaweit wohl einzigartige Wallfahrtskult ist im Pürtner Mirakelbuch dokumentiert. Was in dem 400 Jahre alten Buch steht, ist in den vergangenen Monaten in digitaler Form erfasst worden.

Waldkraiburg – Wünsche können in Erfüllung gehen, auch wenn es 30 Jahre dauert. Diese Botschaft kann jedenfalls Stadtarchivar Konrad Kern verkünden, der 1991 das Pfarrarchiv in Pürten ordnete und dabei auf ein geheimnisvolles Mirakelbuch gestoßen ist.

Altes Buch genauer erforschen

Im geschichtsträchtigen Pürten wurde vor vielen Jahrhunderten ein besonderer Kult gepflegt, der in ganz Europa einmalig sein dürfte. Das Mirakelbuch gibt darüber Auskunft. Kern war sofort klar: Dieses 400 Jahre alte Buch muss genauestens erforscht werden. „Ich bin damals erst ein Jahr im Dienst gewesen, für eine derartige Sisyphusarbeit hätte ich keine Zeit gefunden“, betont der Archivar, der das Buch aber immer im Hinterkopf behielt.

Aufbewahrt wird die Kostbarkeit nach wie vor in der Sakristei der Kirche. Knapp drei Jahrzehnte später konnte des Stadtarchivars Wunsch, das Buch genau unter die Lupe zu nehmen, endlich erfüllt werden. Es fanden sich Sponsoren, sodass sich der Mühldorfer Heimatforscher Meinrad Schroll alsbald ans Werk machte. Er brachte in monatelanger Arbeit die Seiten des Buches in eine digitale Form.

„Aufgrund vieler vergilbter Blätter und einer teils schwer leserlichen Schrift war die Tätigkeit durchaus ein schwieriges Unterfangen“, gibt Schroll zu und ergänzt: „ Da ich der lateinischen Sprache nicht mächtig bin, übersetzte diese Passagen Oberstudienrat Reihold Härtel aus Markt Isen.“

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Seit Anfang August ist jetzt in gebundener Form eine Abschrift mit Auswertung und Fotos fertiggestellt worden. Der katholische Pfarrverband Waldkraiburg sowie das Stadtarchiv Waldkraiburg sind als Herausgeber zu nennen.

Seit wann Pürten Ziel christlicher Pilger ist, kann nicht genau dokumentiert werden. In einem Bericht an den Landesherrn, den bayerischen Herzog Wilhelm IV., schildert Abraham Kronberger 1592 ausführlich die Geschichte der Wallfahrt. Kronberger, damals Propst des Augustiner-Chorherrnstifts in Au am Inn, zu dem die Pfarrei Pürten gehörte, entfaltete die Legende von Alta.

Sie war eine französischen Königstochter, die nach einer Marien-Vision nach Pürten pilgerte, während der Reise stirbt und im Wallfahrtsort begraben liegt. Alta soll ein wundertätiges Buch mitgebracht haben. Dieses Buch, das Evangeliar, gab und gibt es bis heute. Bis 1804 befand es sich in Pürten. Dann wurde das Evangeliar vom bayerischen Staat beschlagnahmt. Es ist jetzt in der Staatsbibliothek München aufbewahrt. „Dort findet es besonderes Interesse“, weiß Konrad Kern.

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Vom Evangeliar soll Heilung bei Leiden und hier in erster Linie bei Geisteskrankheiten oder schweren seelischen Problemen ausgegangen sein. Den Pilgern wurde im Mesnerhaus eine Nacht lang das Buch unter den Kopf geschoben. Durch diese Berührung sollte die Heilkraft des Buches auf den Kopf des Pilgers übergehen.

Meinrad Schroll verkündet: „Im Mirakelbuch sind Namen und Wohnorte der Pilger, die Erfolge aber auch die Misserfolge durch das Evangeliar aufgelistet.“ Für den Heimatforscher erstaunlich: „Die Kranken kamen zwar überwiegend aus den umliegenden Pfarreien, doch vereinzelt hofften auch Menschen aus Tirol, Oberösterreich oder Schwäbisch Gmünd auf Heilung.“

273 Einträge sind erfasst

Ebenso ist zu erfahren, dass die Madonna von Pürten während der Barockzeit ein schönes Kleid trug. Außerdem soll die Madonna häufig ihre Gesichtsfarbe wechseln, unabhängig von Kleidung und Lichteinfall.

Das Mirakelbuch weist insgesamt 273 Einträge auf. Der erste Eintrag stammt aus dem Jahr 1621. Im sogenannten Wunderbuch finden sich außerdem „artfremde“ Einträge, die unter anderem von Plünderungen und Überschwemmungen berichten. Wer sich für die 175 Seiten umfassende Abschrift interessiert, kann im Stadtarchiv Waldkraiburg ein Exemplar erwerben.

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