Wüste Prügelei am Rande des Waldkraiburger Faschingszugs: Zierliche Frau übel zugerichtet

Im Prozess um eine wüste Faschingsprügelei wird heute das Urteil erwartet.
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Im Prozess um eine wüste Faschingsprügelei wird heute das Urteil erwartet.

Einer 24-jährigen Frau sollen sie am Rande des Waldkraiburger Faschingstreibens achtmal ins Gesicht geschlagen und schwer verletzt, ihren 25-jährigen Freund, der bereits am Boden lag, mit Tritten traktiert haben: drei junge Männer aus dem Landkreis Mühldorf, die sich jetzt vor dem Amtsgericht verantworten müssen.

Waldkraiburg/Mühldorf – Die wüste Prügelei hatte sich am Faschingssamstag 2019 gegen 17 Uhr am Rande des Faschingstreibens in Waldkraiburg ereignet.

Staatsanwältin Helena Speicher aus Traunstein warf den drei Angeklagten gefährliche Körperverletzung und einem aus dem Trio zusätzlich eine weitere Körperverletzung vor. Auf der Anklagebank saßen ein 21-jährige Schüler, ein 21-jähriger Metallbauer und ein 20-jähriger Kfz-Mechatroniker, alle aus Landgemeinden im Landkreis Mühldorf. Diese Gruppe war mit einem weiteren Freund und einer Freundin auf dem Weg zum Stadtplatz, wo sich nach dem Faschingszug in Waldkraiburg viele Menschen treffen, um friedlich weiter zu feiern.

In der Müller-Passage aufeinander geprallt

In der Müllermarkt-Passage öffnete sich plötzlich die Haustür, heraus traten ein 25-jähriger Elektromeister, seine Freundin und ein weiterer Freund. Weil der 25-Jährige ein Brett, das vor der Tür lag, weg kickte, fühlte sich die vorübergehende Gruppe provoziert. Es kam zu einem Wortwechsel, der in eine Schlägerei, zunächst zwischen dem Metallbauer und dem Elektromeister ausartete.

Zierliche Frau übel zugerichtet

Im Prozess gab es widersprüchliche Aussagen, in welche Richtung denn das Brett nun geflogen sei: Auf die Gruppe zu, von der Gruppe weg? Sicher ist, drei Mitglieder der Gruppe traten auf ihr 25-jähriges Opfer ein, das bereits zu Boden gegangen war. Der Handwerker, der heute in der Nähe von Haag wohnt, erlitt Verletzungen am ganzen Körper, vornehmlich Prellungen und eine Blutung an der Oberlippe.

Besonders gravierend waren eine Schwellung am Hinterkopf und eine Verletzung der Lendenwirbelsäule. Der Sicherheitsdienst beendete die Auseinandersetzung.

„Drei Monate Kopfschmerzen“

Als seine Freundin ihrem am Boden liegenden Freund zu Hilfe kommen wollte, packte der 21-jährige Schüler die 24-jährige Frau aus Ampfing, drückte sie gegen eine Wand und schlug ihr achtmal mit der linken Faust so brutal ins Gesicht, dass ihre Wunden im Krankenhaus genäht werden mussten. Sie erlitt zudem eine Schädelprellung und eine Distorsion, eine Verstauchung der Halswirbelsäule.

Widersprüchliche Zeugenaussagen

In einer ersten Äußerung erklärten der Schüler und der Metallbauer, dass der Kfz-Mechatroniker nicht mit von der Partie gewesen wäre. Ebenso gab es unterschiedliche Aussagen, wer denn nun die Auseinandersetzung begonnen habe.

Die geschädigte junge Frau, die schlichten wollte, berichtete, von „drei Monaten Kopfschmerzen“. Der zierlichen 24-Jährigen wird eine drei Zentimeter lange Narbe an der Stirn wohl als Erinnerung an den Angriff erhalten bleiben.

Der ältere Bruder des beschuldigten Kfz-Mechatronikers gab an, sein Bruder habe die „überwiegende“ Zeit mit ihm und seiner Clique verbracht, gestand aber auch ein, dass der 20-Jährige sich immer wieder entfernt habe, bis zu einer halben Stunde.

Zeugenaussage erzürnt Rechtsanwalt

Ein weiterer Zeuge, ein 22-jähriger Student aus Waldkraiburg beschuldigte den Geschädigten, seinen Freund niedergeschlagen zu haben, weil es ihm nicht passte, dass dieser sich mit dessen Freundin unterhalten hatte. Auf die Frage des Richters, wie er sich die Verletzungen des Opfers erkläre, antwortete er: „Das weiß ich nicht.“ Der Zeuge will weder von der Attacke auf die junge Frau noch von den Schlägen und Tritten gegen das am Boden liegende Opfer etwas mitbekommen haben.

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Rechtsanwalt Axel Reiter, der die beiden Geschädigten, den Elektromeister und seine Freundin, als Nebenkläger vertrat, wurde darauf hin wütend: „Ich werde Sie wegen Lügens anzeigen“, kündigte er an.

Als letzter Zeuge am ersten Tag der Verhandlung wurde das Opfer selbst gehört: der 25-jährige Elektromeister, der damals am Stadtplatz in Waldkraiburg wohnte. An jenem für ihn so verhängnisvollen Faschingssamstag 2019 habe man zu dritt das Haus verlassen, seine Freundin, ein Freund und er, berichtete er. Eine Gruppe habe ihnen den Weg versperrt, sie bestand aus dem 21-jährigen Schüler und dem 21-jährigen Metallbauer und zwei weiteren jungen Männern. Nach einer verbalen Auseinandersetzung wurde geschubst, schließlich geschlagen. „Ich lag mit dem Metallbauer am Boden.“

Fünf Bier, fünf Jägermeister und eine halbe Flasche Pfefferminzlikör

Als Gutachter sagte Rechtsmediziner Professor Dr. Michael Soyka aus, der den 21-jährigen angeklagten Schüler untersucht hatte. Dieser habe fünf Bier, fünf Jägermeister und eine halben Flasche Pfefferminzlikör konsumiert – das macht 1,55 Promille. Der Angeklagte habe zudem kaum etwas gegessen. Bei einem Abbau von 0,1 Promille pro Stunde dürfte dieser also zur Tatzeit immer noch 1,05 Promille im Blut gehabt haben. Laut Gutachter lag keine schwere Trunkenheit vor.

Verhandlung wird heute fortgesetzt

Die Verhandlung wurde unterbrochen, weil ein für die Staatsanwältin wichtiger Zeuge in Urlaub war. Der Prozess wird am heutigen Dienstag fortgesetzt.

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