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AUS DEM LANDGERICHT

Würger: „Ich bin nicht böse“

Ein 49-Jähriger geriet unter Alkohol in Wut, nahm seinen Gürtel, schlang ihn in der gemeinsamen Wohnung in Waldkraiburg um den Hals seines Mitmieters und zog zu. Eine Zeugin beobachtete die gefährliche Szene von der Straße aus und rief die Polizei. Das Opfer überlebte. Der Täter kommt in die Psychiatrie.

Traunstein/Waldkraiburg – Die Sechste Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Dr. Jürgen Zenkel verhängte gestern wegen gefährlicher Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und ordnete die Unterbringung des erheblich vermindert schuldfähigen Mannes in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Er ist 17-fach vorbestraft, vor allem wegen Gewaltdelikten.

Zwei Komplexe der Anklage hatte die Kammer nach der Beweisaufnahme mit Blick auf die Haupttat eingestellt – einen Schlag mit dem schweren Gürtel im Januar 2018 sowie einen Vorfall am Nachmittag des 9. Januar bei einem Streit um eine Wodkaflasche (wir berichteten).

Die verhandelte Tat betraf eine Attacke am selben Tag gegen 16 Uhr. Der Angeklagte schlang den Gürtel um den Hals des gleichaltrigen Freundes und zog fest zu. Das ebenfalls alkoholisierte Opfer wehrte sich. Dabei gelang es, die Hand zwischen Hals und Drosselwerkzeug zu schieben. Dennoch verlor der 49-Jährige das Bewusstsein.

„Sie haben keine Empathiefähigkeit mehr. Sie kennen nur sich und sonst niemand mehr“. Richter Dr. Zenkel

Oberstaatsanwalt Volker Ziegler forderte gestern eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren und Unterbringung in der Psychiatrie. Der Verteidiger, Axel Reiter aus Mühldorf, plädierte auf eine Strafe von zwei Jahren ohne Bewährung. Eine Unterbringung seines Mandanten lehnte Reiter ab. Im „letzten Wort“ beteuerte der Angeklagte: „Ich bin nicht böse.“

Im Urteil betonte der Vorsitzende Richter, das Zuziehen des Gürtels sei „eine abstrakt das Leben gefährdende Behandlung“ gewesen. Es habe auch eine „Bedrohung“ gegeben. Allerdings habe das Gericht nicht feststellen können, wann sie gefallen sei. „Im Kern dreht sich alles um die Schuldfähigkeit des Angeklagten“, fuhr Dr. Jürgen Zenkel fort. In Übereinstimmung mit dem Oberstaatsanwalt und entgegen dem Verteidiger sei die Kammer überzeugt, die Schuldfähigkeit sei zur Tatzeit sicher erheblich vermindert gewesen. Der Kammervorsitzende begründete in Richtung des 49-Jährigen auf der Anklagebank: „Die bestehende Grunderkrankung ist eine Alkoholkrankheit mit Persönlichkeitsveränderung – ob Sie trinken oder nicht. Hinzu kommt der akute Alkoholkonsum an jenem Tag.“

Zum Nachteil des Waldkraiburgers wertete Dr. Zenkel: „Seit Jahrzehnten geben Sie sich dem Alkoholgenuss hin. Es ist fraglich, ob das noch Genuss ist. Unter Alkohol haben Sie eine Vielzahl ganz brutaler Straftaten begangen, jemanden zum Beispiel eine Pistole in den Mund gesteckt.“ Erst 2014 habe der 49-Jährige eine Freiheitsstrafe erhalten – wegen ähnlicher Delikte wie jetzt.

„Sie haben keine Empa thiefähigkeit mehr. Sie kennen nur sich und sonst niemand mehr“, so Dr. Zenkel. Der Angeklagte sei in Bezug auf Brutalität und Intensität „ein Täter, wie ihn die Kammer nur selten hat“.

Zweimal habe der Mann eine Therapie abgebrochen. Deshalb komme eine weitere nicht mehr infrage. Hingegen lägen die Voraussetzungen für Unterbringung in der Psychiatrie vor – wegen der hohen Wiederholungsgefahr, die Teil der strafrechtlichen Vergangenheit des Angeklagten sei. Er werde sich „jetzt nicht ändern“.

Der Alkohol habe zu negativen Folgen im Gehirn geführt, der 49-Jährige sei inzwischen krank. Zudem sei er aggressiv, somit eine Gefahr für die Allgemeinheit. Dr. Zenkel schloss: „Sie können sich jetzt überlegen, wie es weitergeht. Sie bleiben im Gefängnis. Erst wenn das Urteil rechtskräftig wird, kommen Sie in die Psychiatrie.“

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