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WSGW verkauft 248 Wohnungen

13 Gebäude im Anton-Günther-Weg mit 248 Wohnungen und einer Gesamtwohnfläche von über 17000 Quadratmetern verkauft die WSGW zum Jahreswechsel. Foto  hg
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13 Gebäude im Anton-Günther-Weg mit 248 Wohnungen und einer Gesamtwohnfläche von über 17000 Quadratmetern verkauft die WSGW zum Jahreswechsel. Foto hg

Bereits vor drei Jahren hatte die Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft Waldkraiburg mehr als hundert Wohnungen in der Tropschallee und in der Lindenthalstraße verkauft. Jetzt kündigt die Genossenschaft eine weitere "einschneidende Veränderung" an.

Nicht weniger als 248 Wohneinheiten im Anton-Günther-Weg werden an einen schwäbischen Investor veräußert.

Waldkraiburg - Betroffen ist der gesamte Bestand der WSGW im Anton-Günther-Weg: 13 Gebäude mit 248 Wohnungen, die Ende der 60er-, Anfang der 70er-Jahre errichtet wurden, samt Stellplätzen, Garagen und Außenanlagen. Die Gesamtwohnfläche beträgt fast 17200 Quadratmeter, die Grundstücksfläche mehr als 32500 Quadratmeter. Damit verkauft die Genossenschaft rund ein Sechstel ihres aktuellen Wohnungsbestandes von rund 1500 Mieteinheiten. Neuer Eigentümer ist ab 1. Januar 2015 ein Investor aus Schwaben, der bereits 2011 die Gebäude in der Tropschallee und in der Lindenthalstraße erworben hatte. Zum Verkaufspreis macht der geschäftsführende WSGW-Vorstand Werner Meisenecker keine Angaben.

Modernisierung auf Basis der niedrigen Miete nicht möglich

"Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen." Meisenecker begründet diesen Schritt damit, dass eine notwendige Modernisierung der Wohnungen nach den geltenden technischen Erfordernissen und gesetzlichen Vorgaben, etwa im Hinblick auf Brandschutz und energetische Sanierung, für die Genossenschaft nicht finanzierbar sei. "Hochgerechnet" mindestens 30 Millionen Euro würde die Modernisierung nach den Worten von Prokurist Uwe Krämer verschlingen. Dieses Modernisierungsprogramm würde die gesamte WSGW lahmlegen, alle anderen Sanierungsmaßnahmen und Projekte auf viele Jahre blockieren.

"Die Modernisierung des Anton Günther-Weges ist für uns nicht zu stemmen", so Meisenecker. Jedenfalls nicht auf der Basis des geltenden niedrigen Mietniveaus. "Das ist das größte Problem", sagt der geschäftsführende Vorstand. Jahr für Jahr weise der Verband darauf hin, "das wir deutlich hinter dem Durchschnitt der Genossenschaften herhinken". Die geringen Mieten haben zur Folge, dass der Bestand nicht mehr weiterentwickelt werden kann.

Zuletzt hatte die Genossenschaft seit 2009 in fünf Bauabschnitten 139 Wohnungen in der Franz-Schubert-Straße modernisiert. Meisenecker: "Das war für uns eine Lehre, dass wir diese Modernisierung wirtschaftlich nicht darstellen können."

Bei den Wohnungen im Anton Günther-Weg handelt es sich laut Genossenschaft fast ausschließlich um Sozialwohnungen (212 Einheiten) mit einer durchschnittlichen Miete von 3,35 Euro pro Quadratmeter.

Eine Modernisierung des Anton-Günther-Wegs würde die doppelte Bauzeit erfordern. Und ist aus Sicht der WSGW zudem kaum zu organisieren, weil keine Ersatzwohnungen für die Mieter zur Verfügung stehen.

Der Verkauf sei mit dem genossenschaftlichen Verband abgestimmt, so Meisenecker. Dieser habe die Machbarkeit einer Sanierung geprüft und zum Verkauf geraten.

Wie konnte es so weit kommen? Immer wieder wird Kritik laut, die WSGW habe viel zu spät mit der Modernisierung ihres Bestandes begonnen, weshalb ein Modernisierungsstau entstanden ist. Meisenecker weist das für die Zeit, für die er Verantwortung trägt, zurück. 48 Millionen Euro habe die Genossenschaft seit 2006 investiert, zum Beispiel in die Sanierung in der Schubert-Straße oder in der Böhmerwaldstraße sowie in den Neubau der Ärztehäuser in der Stadtmitte. Und Meisenecker erinnert auch an die Sanierung südlich der Stadtmitte in den 90er-Jahren, die 36 Millionen Mark gekostet habe. Zugunsten dieser Maßnahme habe es einen Sanierungsstau in all den anderen Bereich gegeben.

Wie die Vertreter der Genossenschaft betonen, wird der Verkaufserlös aus dem Anton Günther-Weg "eins zu eins in den Bestand investiert". Die WSGW sei verstärkt dran, die Wohnsituation im Bestand zu verbessern, so Prokurist Krämer. Vor allem aber werden Neubau-Wohnungen erstellt. Etwa 200 neue Einheiten sind laut Vorstand geplant. Bereits im kommenden Monat beginnt mit dem Abriss der alten Wohnblöcke die Maßnahme an der Bäumerwaldstraße, wo auch 50 Wohnunegn für sozial Schwache entstehen sollen. Auch das seit vielen Jahren unbebaute Grundstück der Kreiswohnbaugesellschaft an der Reichenberger Straße, das die WSGW erworben hat, soll 2016 bebaut werden. Zu zwei weiteren Neubau-Projekte will die Genossenschaft noch keine näheren Angaben machen.

Etwa 750 Bewohner sind betroffen

Die Wohnhäuser im Anton-Günther-Weg sind laut Genossenschaft voll belegt. Etwa 750 Bewohner sind von dem Verkauf betroffen. Und viele sind verunsichert, machen sich Sorgen, wie es mit einem neuen Eigentümer weitergeht. In einer Mieterversammlung am Dienstagabend habe die Genossenschaft viele Ängste und Befürchtungen ausräumen können, glaubt Meisenecker.

Mit dem Verkauf "ändert sich nur der Vermieter". Der Investor übernehme auch die Mietverträge. Die Rechtsverhältnisse bleiben unangetastet. Nach wie vor müssten Mieter also keine Kaution leisten.

Bis Ende 2018 sind die 212 Sozialwohnungen noch in der Preisbindung. Und für die 36 frei finanzierten Wohnungen sei die Miete noch einmal "maßvoll erhöht" worden, um auszuschließen, dass der neue Eigentümer sie sofort anheben kann. Das ist erst nach einer Frist von 15 Monaten möglich.

Um den Übergang "sanfter abzufedern", übernehme die WSGW - anders als noch bei der Tropschallee - auch nach dem Verkauf im Auftrag des neuen Eigentümers die Verwaltung. Dies gelte allerdings nur so lange die Wohnungen im Eigentum des Erwerbes sind. hg

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