WSDS

Ich mag Wahlwerbung, am liebsten Plakate. Gut, ok, es gibt Politreklame, deren innenstadtbelebende Wirkung limitiert ist.

Die für langweilige Verlässlichkeit steht, für aus der Zeit gefallene Berechenbarkeit. Köpfe, die wir schon kennen. Und Botschaften wie: „Gemeinsam für...“ „...ein starkes Waldkraiburg.“

Sicher, das steht und hängt auch in den Straßen. Fällt aber kaum auf, unter all den herausragenden Beispielen politischer Plakatkunst. Da knallen dem Betrachter irritierende Botschaften ins Auge. Die lokale Cannabis-Kampagne der Linken zum Beispiel. Löst sich selbst bei näherem Hinsehen nicht in Halluzination auf.

Oder das wuchtige „Zeit zum Wechsel“, das Ulli Maier Passanten auf seinen Plakaten entgegen schleudert. Dass die Dinger auch direkt vor dem Waldkraiburger Rathaus stehen, soll einzelne Wähler bereits völlig verstört haben: Nanu, warum will der UWG-Landratskandidat ausgerechnet den UWG-Bürgermeister auswechseln?

Ein Hauch von High Noon weht am nächsten Laternenpfahl durch Waldkraiburg-City, als hätten die Daltons eine eigene Stadtratsliste aufgestellt. Ein Hilfssheriff mit Cowboyhut will für die AfD ins Rathaus. Ängstliche Zeitgenossen könnten da auf die Idee kommen, ihre Stimmen lieber gleich freiwillig abzugeben.

Da geht Valentin Clemente nebenan lieber baden und lässt die Wähler wissen: „In der Badewanne gibt es kein Seepferdchen“ (#WaldbadErhalten). Nach Lage der Dinge besetzt die FDP im innerstädtischen Wahlwerbedschungel damit ein absolutes Alleinstellungsmerkmal: Niemand transportiert mehr Inhalte auf seinen Plakaten.

Mit einem anderen Alleinstellungsmerkmal machen die Waldkraiburger Grünen auf sich aufmerksam: Keine Plakate. Wobei nicht ganz sicher ist, ob sie aus ökologischen Gründen auf die Papierflut verzichtet oder ob es die Grünen in Waldkraiburg gar nicht gibt.

Die CSU und ihr Kandidat Wolfgang Nadvornik stehen den Plakat-Abstinenzlern von der Ökopartei in inhaltlichem Minimalismus in Nichts nach. Dabei haben die CSU und Nadvornik plakatiert. Und wie! Echt großes Kino. Da sind Unterhaltungsprofis am Werk. Den Gangsta-Rapper im Hoodie in der Allianz-Arena, der neuerdings samt der wegweisenden Botschaft „Wolfgang Nadvornik – CSU“ Spaziergängern auflauert, kann keiner übersehen. Dabei liegt das Motiv für einen Kommunalwahlkampf so nahe. Warum ist da kein anderer drauf gekommen?

Mein persönlicher Favorit ist und bleibt der Bachelor unter den Bürgermeisterkandidaten, „Wolfgang Nadvornik – CSU“, der, eine Rose hinter dem Rücken, zum Handkuss ansetzt. Das lässt das Herz eines jeden Waldkraiburger Wählers gleich noch ein bisschen höher schlagen. Schmacht! Ja, wir dürfen noch hoffen, von ihm erwählt zu werden.

Stellt sich nur die Frage, wie‘s weitergeht mit WSDS – Waldkraiburg sucht den Superbürgermeister? Meldet sich der It-Kandidat nächstens aus dem Big Brother-Container Rathaus? Oder aus dem Dschungelcamp?

Die Antwort demnächst in diesem Theater...

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