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FÜR DIE KLEINEN GÄSTE

Wohungsbauunternehmen in Miniatur: Ebinger Horst Koller baut und vertreibt Insektenhotels

„Bauunternehmer“ Horst Koller ist es wichtig, dass er mit seinen Insektenhotels den Nützlingen wieder etwas Lebensraum zurückgibt.
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„Bauunternehmer“ Horst Koller ist es wichtig, dass er mit seinen Insektenhotels den Nützlingen wieder etwas Lebensraum zurückgibt.
  • vonUschi Huckemeyer
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Er ist ein echter Wohnungsbauunternehmer der Horst Koller aus Ebing. In seiner Werkstatt und im Garten stehen wunderbare Behausungen, die alle zusammen ohne Genehmigung von Baubehörden auskommen. Es sind nämlich Insektenhotels, die der 56-Jährige mit großer Begeisterung in Heimarbeit herstellt.

Waldkraiburg/Ebing – Ohne dies zu ahnen, entfachte eigentlich Kollers Vater bei seinem Sohn die Leidenschaft Nist- und Überwinterungshilfen für Insekten zu bauen. „Mein Vater kaufte sich vor über elf Jahren ein Insektenhotel, das ziemlich bescheiden ausschaute und mir überhaupt nicht gefiel.“ Irgendwie reifte in dem gelernten Steinmetz deshalb der Entschluss heran, selber ein Insektenhotel zu zimmern und zwar eines, das funktionaler und schöner sein sollte als das Gekaufte seines Vaters.

Wissen über die Insekten angeeignet

Horst Koller werkelte aber nicht einfach drauf los. Er studierte entsprechende Literatur und Bauanleitungen. Der Familienvater eignete sich darüber hinaus fundiertes Wissen über die Biologie einzelner Insekten an. Mit seinem Sohn Markus ging es dann ans Werk. Das erste stramme Insektenhotel aus dem Hause Koller trägt den 13. März 2010 als Entstehungsdatum. Quasi über Nacht meldeten sich damals einige Bekannte Kollers, die ebenfalls Geschick und Freude am Handwerk sowie Liebe zur Natur besitzen. Sieben Frauen und Männer legten in Eigenregie mit dem Insektenhotel-Bau los.

Der Ebinger koordiniert den florierenden Handel, der sich hauptsächlich in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausbreitete. Über das Internet gehen die Häuschen jedenfalls weg wie warme Semmeln, was nicht zuletzt dem pfiffigen Erscheinungsbild zu verdanken ist.

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Jedes Kind sieht es gleich auf Anhieb: Die Insektenhotels haben ein Gesicht und lachen den Betrachter freundlich an. Im Laufe der Zeit verfeinerten die „Bauunternehmer“ ihre Objekte, die nun auch mit rustikalem Dach und Kamin daher kommen.

Das wichtigste aber sind die Bewohner der Insektenhotels. Die nützlichen Insekten helfen schlussendlich, das ökologische Gleichgewicht in der Natur zu bewahren. Der Mensch schränkt durch intensive Landwirtschaft den Lebensraum vieler Insekten auf bedrohliche Art und Weise immer mehr ein. Mit einem „Fünf Sterne Hotel“ kann hier ein bisschen Abhilfe geschaffen und Insekten Lebensraum zurückgegeben werden.

Positive Resonanz als ein Verdienst

Horst Koller bestückt seine Unterkünfte hauptsächlich mit Holunder- und Haselnussstöckchen, mit Kiefernzapfen, Holzwolle, Stroh, Moos, Ziegelsteine und Schneckenhäuser. Die verwendeten Baumaterialien stammen vornehmlich aus der Region. Das Mehr-Etagen-Hotel eignet sich zur Eiablage für Mauerbienen, für Marienkäfer, für Ohrenkneifer, für Schlupfwespen und andere Nützlinge. „Mittlerweile haben wir schon 1500 Insektenhotels gebaut und verkauft“, erzählt der Ebinger.

Neben den Standard-Hotels, die aber ebenfalls Unikate sind, erfüllen Koller und sein Team auch Sonderbestellungen. Tanja Siegert von panic-design aus Waldkraiburg beispielsweise ließ sich ein relativ großes Insektenhotel bauen. Ihre Intention: „Mein Mann und ich sind absolute Gartenfreunde. In unserem Job läuft Vieles virtuell ab, da ist für uns ein Garten eine besonders erdende Ausgleichsmöglichkeit. Das Insektenhotel kommt an unseren neuen Schupfen. Die kleinen Lebewesen sollen sich bei uns rundherum wohlfühlen.“ Bienen und Hummeln mag Tanja Siegert besonders gern. „Einfach alles was summt“, sagt sie.

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Andrea Holznerova vom Alpakahof in Bodenkirchen ist ebenfalls Kundin bei Horst Koller. „Wir setzen uns generell für den Tier- und Naturschutz ein. Da gehört ein Insektenhotel einfach dazu“, meint die Chefin des Alpakahofes und ergänzt: „Unser Hotel liegt ein bisschen hinter einem Baum versteckt, sodass es gegen Regen und Unwetter geschützt ist.“

Horst Koller, dem positive Resonanzen auf seine Bauwerke wichtiger sind als der Verdienst, verrät augenzwinkernd: „Einmal in den vergangenen elf Jahren leisteten wir uns einen Betriebsausflug. Eine Kreuzfahrt wäre zu teuer gewesen, aber für eine Schifffahrt in Passau reichte das Geld.“

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Der Gewinn für die geleistete Arbeit fällt bei Koller & Co. generell recht schmal aus, was das Team aber keineswegs stört. Sie treibt der Naturschutzgedanke an. Von Profitgier sind die beteiligten Bauleute weit entfernt. Ihr größter Lohn ist es, wenn die einzelnen Insekten in die Hotels „einchecken“ und sich daran die Eigentümer erfreuen. Nach der Corona-Pandemie will der Ebinger seine Insektenhotels wieder auf Bauern- und Christkindlmärkten anbieten.

Hier checkt gerade eine Biene in ihre neue Unterkunft ein.Huckemeyer

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