SCHÖFFENGERICHT ROSENHEIM

Wohnmobildieb zu Haftstrafe verurteilt

Das Rosenheimer Schöffengericht hat einen 31-jährigen Waldkraiburger wegen Diebstahls und Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt. Der Mann hatte ein Wohnmobil geklaut und sich ein paar schöne Tage gemacht.

Rosenheim/Waldkraiburg – „Urlaubsreif und vom Gesetz in Beschlag genommen“ fühlte sich der Waldkraiburger. Es sei Zeit geworden, aus der verordneten Betreuung auszubrechen und sich selbstständig zu machen, sagte der 31-Jährige vor dem Schöffengericht.

Die Umsetzung war dann recht spektakulär. Im vergangenen Juni hatte er am Parkplatz im Chiemseepark Bern au-Felden die Gunst der Stunde genutzt und ein nicht abgeschlossenes Wohnmobil entwendet.

Treibstoff aus Versehen in Wassertank gefüllt

Das Besitzerehepaar hatte den Camper etwa 15 Minuten unbeaufsichtigt gelassen, um im Chiemsee zu schwimmen und dabei den Autoschlüssel im Fahrzeug gelassen. Als Vorsichtsmaßnahme hatte der Besitzer den Camper zwischen eine Absperrung zu einem Fußgängerweg und seinem Motorrad eingeparkt. Gebracht haben die Vorkehrungen allerdings wenig, denn der Angeklagte fuhr einfach mit Vollgas durch die Absperrung und über den Fußgängerweg davon. Dabei hat er das rund 90 000 Euro teure Fahrzeug im vorderen Bereich beschädigt.

Mit den fahrerischen Qualitäten war es dann wohl allgemein nicht allzu weit her, denn während der Weiterfahrt kam noch einen Kratzer auf der rechten Fahrzeugseite hinzu, als er ein Verkehrsschild touchierte. Auch mit dem Tanken wollte es nicht so recht klappen. Den Treibstoff hatte der Angeklagte versehentlich in den Wassertank des Fahrzeugs gefüllt und sich gewundert, dass die Tankanzeige nicht reagiert habe.

Mit den gestohlenen Wertgegenständen, die sich im Camper befanden, und den Schäden am Fahrzeug betrug der Gesamtschaden am Ende rund 8000 Euro. Das Wohnmobil mit steckendem Schlüssel sei ihm gerade recht gekommen, um seiner persönlichen Notlage zu entkommen, so der Angeklagte. Er räumte den Tatvorwurf umfassend ein und bedauerte sein Verhalten. „Ich weiß, dass es nicht recht war, zu klauen.“

Wegen einer Betäubungsmittelgeschichte habe man ihm vor zehn Jahren den Führerschein genommen und ihm damit vieles versperrt. Auch in beruflicher Hinsicht. Nun sei er endlich an der Reihe gewesen und habe nicht lange überlegt. Erst sei er nach München gefahren. Mit dem Geld aus dem Wohnmobil habe er sich ein paar schöne Tage gemacht. Dann habe er weiter nach Holland fahren wollen, doch die Polizei habe ihn vorher geschnappt.

Diebstahlserie durch halb Europa

Ein weiteres Verfahren unter anderem wegen einer Diebstahlserie und Hotelbetrugs durch halb Europa wurde beschränkt, weil sich die Auslieferung aus Österreich, wo der Angeklagte zwischenzeitlich auch eine Haftstrafe wegen einer Reihe von Diebstählen verbüßt hatte, nicht auf dieses Verfahren bezog. Allerdings waren die Tatvorwürfe Teil der Verständigung, die stattgefunden und dem Angeklagten im Falle eines umfassenden Geständnisses in beiden Verfahren eine Freiheitsstrafe zwischen zwei Jahren drei Monaten und zwei Jahren neun Monaten zugesichert hatte.

Ein psychiatrisches Gutachten, das das Landgericht Salzburg in sein Urteil miteinbezogen und eine verminderte Schuldfähigkeit nicht ausgeschlossen hatte, wurde ebenfalls berücksichtigt.

Die Anklagevertretung hatte zwei Jahre und neun Monate und eine Sperre der Fahrerlaubnis für 19 Monate gefordert, weil der Angeklagte gewohnheitsmäßig Fahrzeuge, Nummernschilder und weitere Gegenstände entwende und einen erheblichen Schaden angerichtet habe.

Verteidigerin Gabriele Sachse hielt zwei Jahre und drei Monate für ausreichend, weil ihr Mandant von Anfang an geständig und kooperativ gewesen sei.

Das Schöffengericht blieb mit seinem Urteil unter der Forderung der Anklagevertretung, machte aber deutlich, dass die Diebstahlserie quer durch Europa kaum an Dreistigkeit zu überbieten sei.

„Unbelehrbar“

Trotz polizeilicher Aufgriffe machte der Angeklagte immer wieder munter weiter. Er sei unbelehrbar. Zudem habe er mit seinen offensichtlichen Fahrfehlern gezeigt, dass er am Steuer nichts verloren habe. Eine Sperre von 15 Monaten sei angebracht, so Richter Christian Merkel in seiner Urteilsbegründung. Das Strafmaß beziehe sich auf beide Verfahren, auch wenn er nur wegen Diebstahls und Fahren ohne Fahrerlaubnis verurteilt worden sei. In einem Nachverfahren werde noch ermittelt, in wieweit sich der Angeklagte durch die Tat bereichert habe, um den entsprechenden Wert einzuziehen.

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