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Wissenslücken wegen Corona? Waldkraiburger Schüler nehmen Nachhilfeangebote kaum an

Im zweiten Corona-Schuljahr entstehen bei den Schülern Wissenslücken. Um nicht dauerhaft in Fächern wie Chemie – wie hier mit Lehrerin Marcella Sommaro – hinterherzuhinken, müssen nach Meinung von Nico Kraxenberger Schüler auch die Angebote der Schulen annehmen.
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Im zweiten Corona-Schuljahr entstehen bei den Schülern Wissenslücken. Um nicht dauerhaft in Fächern wie Chemie – wie hier mit Lehrerin Marcella Sommaro – hinterherzuhinken, müssen nach Meinung von Nico Kraxenberger Schüler auch die Angebote der Schulen annehmen.
  • vonErika Fischer
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Seit einem Jahr befinden sich Schüler im Wechsel von Präsenz-, Wechsel- und Distanzunterricht. Von einer Rückkehr zum Regelunterricht sind vor den Osterferien Schüler noch weit entfernt. Eltern befürchten Wissenslücken, doch ein Hilfsangebot nehmen nur die wenigsten an.

Waldkraiburg – Seit 2004 bietet die Schülerhilfe Waldkraiburg in Einzel- und Gruppenunterricht Nachhilfe an. Gefragt sind neben individuellen Stunden besonders auch kleine Gruppen, in denen die Schüler in konzentrierter Atmosphäre lernen und sich vor allem gegenseitig motivieren können. „Ob ein Lernprogramm in Mathe oder Latein – es wird auf die Bedürfnisse des Einzelnen eingegangen – nun seit einem Jahr überwiegend online“, erklärt Leiter Thomas Fabian.

Es braucht Eigeninitiative

Die Schülerhilfe könne zwar nach wie vor auf ein qualifiziertes Team von Nachhilfelehrern bauen, aber die Nachfrage sei gering. „Nach Homeschooling am Vormittag sind die Schüler nicht gerade begeistert, nachmittags nochmals so beschult zu werden. Dazu kommt, dass manchmal das nötige Equipment fehlt und viele Eltern bei zwei oder drei Kindern einfach überfordert sind“, erklärt Büroleiterin Annette Schüring.

Nico Kraxenberger, zweiter Schülersprecher am Gymnasium, sieht seine „Amtszeit“ seit 2019 vorwiegend durch Corona geprägt: „Online wurden wir von Anfang an sehr gut versorgt, bekamen beste technische Unterstützung“, sagt der Zehntklässler. Die braucht es auch, denn im Distanzunterricht werde der Stoff genauso schnell durchgenommen wie im Präsenzunterricht. Wer Probleme hat, ist aber nicht allein. „In einem Elternbrief wurden verschiedene Hilfestellungen angeboten. Jetzt liegt es an der Eigeninitiative des Einzelnen, das auch umzusetzen.“

Die sonst auch Fleißigen würden freiwillig solche Angebote in Anspruch nehmen. Anders sieht es seiner Meinung nach in den Klassen 5 bis 7 aus: „Viele sind noch nicht an selbstständiges Arbeiten gewöhnt und sehen nicht die Notwendigkeit, online an einem Nachmittagsförderkurs teilzunehmen.“

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Welche Hilfestellung bieten Realschule und Gymnasium? Nicht wenige Schüler sind seit Monaten von Sorgen und Ängsten geplagt, was ihre schulische Zukunft angeht. Waldkraiburgs Realschule und Gymnasium bemühen sich seit Beginn der Pandemie, Beratung und Hilfe in verschiedener Form anzubieten. Dies beginnt bei den technischen Schwierigkeiten im digitalen Unterricht. Sei es, dass ein Mikro nicht funktioniert oder man mit einem Leihgerät nicht zurechtkommt: Eine Sozialpädagogin und eine Sozialarbeiterin helfen aus.

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Auch die Offene Ganztagsbetreuung findet am Nachmittag in kleinen Gruppen nur digital statt und ist vor allem für die Hausaufgaben zuständig. Auch digitale Förderstunden werden angeboten. So berichtet Konrektorin Helga Schwarz von der Realschule: „In vier Jahrgangsstufen laufen sie im Fach Englisch. Dieses Angebot ist an Schüler gerichtet, die schon im Präsenzunterricht offensichtliche Lücken hatten.“

Förderstunden auch nach den Ferien

Der Distanzunterricht erschwert es aber Lehrern, ihre Schüler einzuschätzen. Denn Leistungsnachweise sind bei der Digitalschulung nicht einfach. Die Lehrer fordern zwar Hausaufgaben ein, mündliche Befragungen werden beurteilt, auch Referate, teilweise sogar Schulaufgaben – aber alles sehr begrenzt. Realschule und Gymnasium werden nach den Osterferien weitere Förderstunden in den Hauptfächern anbieten. In einem sind sich Gymnasium und Realschule einig: Es müssen rundum Defizite ausgeglichen werden.

Schulpsychologen sind gefordert

Die Pandemie beeinflusst jedoch nicht nur die Bildungschancen, sondern besonders die soziale und emotionale Entwicklung der Kinder und Jugendlichen. „Hier sind besonders unsere Verbindungslehrer und Schulpsychologen gefordert“, sagt Helmut Wittmann, Schulleiter am Gymnasium. Noch sei der Bedarf nicht sehr hoch, aber: „Man kennt die Dunkelziffer nicht – und schon gar nicht weiß man, welche Auswirkungen sich nach Corona zeigen.“ Bis es soweit ist, braucht es für Werner Groß, Rektor der Realschule, für die Schulen ein klares Konzept und keine Schnellschüsse. Die Inzidenzwerte sollten als Grenzwerte und nicht als Richtwerte verstanden, allen Lehrkräften müsse sofort ein Impfangebot gemacht werden und in Hotspots sollte man für Abschlussklassen Sonderregelungen mit verstärkter Testung umsetzen.

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