„Wir dürfen nix verstolpern“: Söder mahnt beim Forschungszentrum in Waldkraiburg zur Eile

Im geplanten Zentrumfür biobasierte Materialien in Waldkraiburg dreht sich alles um den einheimischen Rohstoff Holz, auf dessen Basis Kunststoffe aus Erdöl ersetzt werden sollen. Beim gestrigen Besuch des Ministerpräsidenten überreichten Vertreter der TH Rosenheim Markus Söder eine Kugel aus Hölzern aus ganz Bayern. Das Foto zeigt (von links): Fritz Schmidt und Daniela Schmidt-Kuttner von der KRAIBURG Holding, Landrat Georg Huber, Professor Frank Miletzky, der bei der Hochschule für das Forschungzentrum zuständig ist, Max Westhoff von der KRAIBURG Holding, Veronika Auer, Projektleiterin des Zentrums, Landtagsabgeordneten Marcel Huber, Ministerpräsident Söder, den TH-Präsidenten Professor Heinrich Köster, Waldkraiburgs Bürgermeister Robert Pötzsch und seine Mühldorfer Amtskollegin Marianne Zollner. Grundner

Einen „Riesentechnologieschub für den Landkreis“ erwartet sich Markus Söder vom Zentrum für biobasierte Materialien (ZBM), das am Standort Waldkraiburg entstehen soll. Während der Ministerpräsident die Kommunalpolitiker zur Eile mahnt, sind noch viele Fragen offen.

Waldkraiburg – Gestern legte der Ministerpräsident bei einem Zusammentreffen mit Kommunalpolitikern, Vertretern aus Wirtschaft und Schulen in den Räumen des Gummiwerk KRAIBURG ein Bekenntnis zur Wissenschaft im ländlichen Raum ab. Forschung sei nicht nur in Ballungszentren möglich und notwendig.

Elf Millionen Euro Anschubfinanzierung

Söder, der das ZBM in Waldkraiburg vor wenigen Wochen auch in seiner Hightech-Agenda für Bayern genannt hatte, stellte sich bei diesem Besuch einmal mehr hinter das Vorhaben. Mit Forschungseinrichtugnen wie dem ZBM nahme man die Herausforderung des Klimawandels an, nachhaltige Kunststoffe aus dem heimischen Rohstoff Holz und nicht mehr aus Erdöl zu gewinnen.

Söder mahnt Kommunalpolitiker zur Eile

Elf Millionen Euro steckt der Freistaat in den nächsten fünf Jahren nach Söders Worten „als Anschubfinanzierung“ in das Projekt. Bereits für das laufende Jahr sind laut Staatskanzlei 2,7 Millionen Euro in den Haushalt eingestellt. Die staatlichen Mittel fließen für Personal und Technik. Für Gebäude, Miete, Strom müssen der Zweckverband für den Hochschulcampus Mühldorf-Waldkraiburg und die Stadt aufkommen.

Ausdrücklich forderte der Ministerpräsident die verantwortlichen Kommunalpolitiker auf, „das Projekt so schnell wie möglich zu verwirklichen. Wir dürfen nix verstolpern.“

Huber: Standortsuche beschleunigen

Bei der Standortsuche seien jetzt der Zweckverband und vor allem die Stadt Waldkraiburg gefordert, sagte der CSU-Landtagsabgeordnete Marcel Huber am Rande des Söder-Besuchs. „Wir brauchen Geschwindigkeit bei der Standortsuche“, so Huber, den der Ministerpräsident als „Spiritus Rector“ des Projekts bezeichnete. „Es liegt an der Region, aus der Zusage des Freistaats etwas Vernünftiges zu machen.“

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Mehrere mögliche Standorte sind im Gespräch, nach unbestätigten Informationen auch ein Bereich des ehemaligen Peters-Geländes, das im vergangenen Jahr die Aicher-Stiftung erworben hatte.

Noch in diesem Jahr müsse die Standort-Entscheidung fallen, die Hochschule müsse noch heuer Personal suchen, so Marcel Huber. Mit fünf Mitarbeitern soll das ZBM an den Start gehen. Es sei außerordentlich schwierig, das wissenschaftliche Personal zu werben, sagt Professor Heinrich Köster. In zwei, drei Jahren sollte das Zentrum vor Ort die Arbeit aufnehmen können, so der Präsident der TH Rosenheim, der das Forschungszentrum angegliedert ist. „Langfristig“ hält Köster einen Forschungsstandort mit 30 bis 40 Mitarbeitern für möglich.

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Mittelfristig kann Standort profitieren

Nicht zufällig war der Termin in einem der beiden Unternehmen der KRAIBURG Holding in Waldkraiburg angesetzt. Das Gummiwerk und die TPE, die zusammen am Standort rund 800 Mitarbeiter beschäftigen, entwickeln und produzieren Gummi- und Kautschuk-Mischungen sowie thermoplastische Elastomere (Kunststoffe), die im industriellen wie im Konsumbereich weltweit erfolgreich Anwendung finden. Mittelfristig könnten die Unternehmen der KRAIBURG Holding von dem Forschungszentrum profitieren, sagt Dr. Adolf Zeller, einer der Geschäftsführer der Holdíng. Die örtliche Nähe erleichtere den Austausch mit der Hochschule. Regelmäßige Gespräche Es gebe bereits regelmäßige Gespräche. Laut Geschäftsführerin Daniela Schmidt-Kuttner ist zudem ein Rahmenvertrag zwischen Holding und Hochschule „im Entstehen“.

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