„Wir brauchen keine Bürgerwehren“: Polizei will alles tun, um Großbrand in Waldkraiburg aufzuklären

Im Gespräch mit der türkischen Gemeinde (von links): Polizeipräsident Robert Kopp, Bürgermeister Robert Pötzsch und Oberstaatsanwalt Georg Freutsmiedl. Grundner

„Ohnmacht, Angst und Ärger“ gehen in der türkischen Gemeinde in Waldkraiburg nach dem Brand eines türkischen Gemüseladens und Übergriffen auf zwei weitere Geschäfte um. Vertreter der Ermittlungsbehörden sagten beim runden Tisch mit dem Vorstand Ermittlungen in alle Richtungen zu. Polizeipräsident Kopp: „Sie sollen sich sicher fühlen.“

Waldkraiburg – Neue Erkenntnisse zum Stand der Ermittlungen zum verheerenden Großfeuer auf dem Sartrouville-Platz hatten sie nicht mitgebracht. Doch die Botschaft, mit der Polizeipräsident Robert Kopp und Leitender Oberstaatsanwalt Georg Freutsmiedl zum runden Tisch mit Vertretern der türkischen Gemeinde ins Rathaus gekommen waren, war unmissverständlich: „Wir werden alles tun, was machbar, sinnvoll und rechtlich zulässig ist, um diese Tat aufzuklären“, so Kopp. Von einem vorsätzlichen Geschehen sei auszugehen. „Ich bin froh, dass nicht mehr passiert ist“, sagte er im Blick auf das „dramatische“ Brandgeschehen, das Bewohner eines Nachbarhauses an Leib und Leben gefährdet hatte.

Ermittlungen in alle Richtungen

Und Staatsanwalt Freutsmiedl ergänzte: „Wir wissen nicht, ob der Brand einen extremistischen Hintergrund hat. Aber wir prüfen das genau. Wir wollen uns nicht auf ein Tatmotiv festlegen, aber alle möglichen Motive abklären.“

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Bürgermeister Robert Pötzsch hatte zu dem Gespräch eingeladen. Er reagierte damit auf die große Verunsicherung der türkischen und türkischstämmigen Bürger. Denn dem Feuer, das in einem türkischen Gemüseladen ausbrach, waren nur wenige Tage zuvor zwei Straftaten voran gegangen, bei denen Geschäfte von türkischen beziehungsweise türkischstämmigen Inhabern beschädigt wurden. Um offene Fragen und Unsicherheiten abzubauen, brachte Pötzsch die Vertreter der Ermittlungsbehörden und den Vorstand der türkisch-islamischen Gemeinde an einen Tisch.

Vorsitzender der türkischen Gemeinde fragt: Warum? Warum in Waldkraiburg?

Deren Vorsitzender Ahmet Baskent berichtete von „Ohnmacht, Angst und Ärger“, Die Mitglieder seiner Gemeinde fragen: „Warum? Warum in Waldkraiburg? Und: Wer ist der nächste?“ Die Emotionalisierung geht so weit, dass am Mittwoch einige türkische Männer Streife gehen wollten, nach einem Gespräch mit örtlichen Polizeibeamten davon aber abließen, wie PI-Leiter Georg Deibel berichtete.

Stadt und Polizei: „Wir brauchen keine Bürgerwehren“

„Wir brauchen keine Bürgerwehren“, machten die Vertreter der Stadt und der Polizei deutlich. Welch hohe Priorität die Ermittlungsbehörden dem Fall beimessen, zeigt sich laut Oberstaatsanwalt Freutsmiedl daran, dass die Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) bei der Generalstaatsanwaltschaft München die Ermittlungen führe. Auf mittlerweile 35 Beamte ist die Soko „Prager“ angewachsen, die an dem Fall arbeitet.

Polizeipräsenz deutlich erhöht

„Dieses Versprechen bedeutet uns sehr viel.“ Ausdrücklich bedankte sich Nurseda Baskent von der Ditib-Jugend, „dass Sie unsere Angst und Sorgen ernst nehmen“. Besonders wichtig sei „die Zusage, dass in alle Richtungen ermittelt wird, dass da aus Fehlern der Vergangenheit gelernt wurde“, ergänzte sie in Anspielung an die NSU-Ermittlungen.

„Sie sollen sich sicher fühlen“, sagte Präsident Kopp. Die Polizeipräsenz wurde deshalb deutlich erhöht. Zusätzliche zivile und uniformierte Streifen sind in der Stadt unterwegs, Kräfte der Bereitschaftspolizei unterstützend tätig. Die Moschee sowie die Baustelle der neuen Moschee sind ins Schutzkonzept der Polizei integriert. Weitere Präventivmaßnahmen zum Schutz türkischer Bürger und Einrichtungen wurden besprochen.

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