Fasching wird Opfer der Coronakrise

„Wir brauchen ein Ziel“: Faschingsgarden des TSC Waldkraiburg machen Tanztheater

Unter den prüfenden Augen von Regina Zinn (rechts hinten) trainieren die Mädchen mit Carmen Bergrostje (weißes Shirt mit schwarzem Armstreifen) akrobatische Elemente, Sprünge und Drehungen. Hoffmann
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Unter den prüfenden Augen von Regina Zinn (rechts hinten) trainieren die Mädchen mit Carmen Bergrostje (weißes Shirt mit schwarzem Armstreifen) akrobatische Elemente, Sprünge und Drehungen. Hoffmann

Die kommende Faschingssaison wird nach Lage der Dinge vermutlich ins Wasser fallen. Was sollen Gardemädels und -jungs in einer solchen Situation tun? Beim TSC Weiß-Blau hatte man eine Idee: „Wir machen Tanztheater.“

Waldkraiburg– Bis zuletzt liefen die Proben. Auch wenn sie jetzt aufgrund der neuen Corona-Vorschriften vorübergehend gestoppt sind, aufgeben will der TSC sein ambitioniertes Projekt nicht. Trotz Corona und dem zuletzt verhängten Lockdown hält TSC-Vorsitzende Anna Kebinger an dem Vorhaben fest. „Die Kinder und Jugendlichen brauchen ein Ziel.“ Auch wenn jetzt alles still steht, irgendwann im Frühjahr oder Frühsommer will der Verein das Theater auf die Bühne bringen.

Eigenes Drehbuch aus bekanntem Stoff

Die Fire Moves sind eine der „ältesten“ Gardegruppen im Tanzsportclub Weiß-Blau, denn dort tanzen einige der Mädchen und Jungen, die schon am längsten dabei sind. Und wenn man jahrelang dasselbe macht, nämlich Gardetänze zu Fasching, dann ist es schön, wenn man unverhofft die Chance bekommt, auch mal was anderes zu probieren. „Als wir angefangen haben, 2018 an Wettkämpfen teilzunehmen, haben die gesehen, was alles möglich ist. Und jetzt waren sie richtig heiß darauf, mal was Neues auszuprobieren“, freut sich Trainerin Regina Zinn über den Enthusiasmus ihrer Tänzerinnen und Tänzer.

Der Name des Stücks ist noch ein Geheimnis

Neben den Fire Moves sind auch die Gruppen Crazy Diamonds, Funky Diamonds, Dancing Diamonds und Mini Diamonds an dem neuen Projekt beteiligt. Sie tanzen eigene Szenen und übernehmen Rollen aus dem Tanztheater – wie es heißen wird, ist übrigens noch ein großes Geheimnis.

Isabell Gohn (im Vordergrund) übt mit den anderen Tänzerinnen zusammen eine Szene immer wieder vor dem Spiegel.

Nur so viel: „Jeder kennt die Rollen und man erkennt es auch sofort, wenn man die Musik hört“, versichert Regina Zinn, aus deren Feder das Drehbuch stammt. Sie hat es komplett selbst geschrieben, will aber noch nicht mehr verraten, denn man stehe ja noch ganz am Anfang.

Choreografie von Jugendlichen selbst

Die Choreografien der Tänze werden aber nicht nur von ihr, sondern auch von einigen der erfahreneren Tänzerinnen selbst erstellt. Liz Kretschmar, Carmen Bergrostje und Isabell Gohn leiten einige solcher Szenen der Fire Moves und haben dafür alles selbst entwickelt. „Zuerst hört man sich die Musik genau an, welchen Teil man tanzen möchte. Dann kommt ein Brainstorming, wir versuchen, uns in die Musik hineinzufühlen. Und es ist einfacher, wenn man das nicht allein macht“, erzählt Isabell Gohn über die Arbeit der drei Mädchen.

Moderner Tanz mit Akrobatik und Schauspiel

„Natürlich soll der Tanz zur Musik passen, aber sonst sind wir sehr frei, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Das meiste entwickeln wir ganz neu.“ Die Jungen und Mädchen üben dann mit ihren Choreografinnen zusammen die Szenen im Training ein. „Manches entsteht nur in unserem Kopf, aber oft schreiben wir die Bewegungen auch auf oder filmen es. Dann tanzen wir es den anderen vor, gehen es durch und machen es dann immer wieder gemeinsam.“

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Das, was dabei entsteht, sieht gar nicht nach Garde aus, sondern viel mehr nach modernem Tanz mit Elementen von Akrobatik, nach Charaktershowtanz mit schauspielerischen Elementen und nach echtem Theater, denn es gibt auch Text und Sprechrollen, die die Tänzer übernehmen. „Die Kinder und Jugendlichen sind so begeistert und müssen unentwegt gebremst werden. Wir hoffen so sehr, dass die Aufführung dann auch stattfinden kann“, wünscht sich die Leiterin des Projekts.

Aufführung 2021 steht in den Sternen

Das Training im Freiraum 36 ist gut organisiert, es stehen mehrere Räume zur Verfügung, so dass man Abstand halten kann. Bei Bedarf kann auch am Wochenende geübt werden. Mitte nächsten Jahres soll es dann soweit sein, je nach Infektionslage eben früher oder später. „Der Wunsch wäre natürlich, es im Haus der Kultur im großen Saal präsentieren zu können. Aber das werden wir alles noch sehen müssen“, sagt Zinn. Den rund 80 Tänzerinnen und Tänzern im Alter von vier bis 18 Jahren wäre es sicherlich zu wünschen. „Wir freuen uns schon sehr auf die Aufführung“, sagt Isabell Gohn. „Das ist natürlich viel größer und aufregender als Garde tanzen.“

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