Windstärke 11

Da haben wir noch mal Glück gehabt. Sabine war, naja, kein Sturm im Wasserglas, aber auch nicht der zerstörerische Orkan, der von den Schwarzsehern und -malern landauf, landab beschworen wurde.

Wir leben halt in einer Zeit, in der Menschen und manchmal auch Medien zu Alarmismus neigen. Ein bisschen Nervenkitzel – man gönnt sich ja sonst nichts.

Da tut es ganz gut, mitzubekommen, wie abgeklärt jene mit solchen Situationen umgehen, auf die es gerade dann besonders ankommt. Die auch im Ausnahmezustand ruhig Blut bewahren, ihr Ding machen, wenn‘s brennt oder mal ein schärferer Wind weht, Feuerwehrleute, Katastrophenschützer. Die haben nämlich in Waldkraiburg und rundherum wieder Top-Arbeit abgeliefert in dieser Woche, ehrenamtlich! Es ist gut zu wissen, dass es diese Männer und Frauen in unserer Nähe gibt.

Woher der Wind weht, das sollte nach dieser Woche beim Forschungszentrum endgültig klar sein. Der Besuch des Ministerpräsidenten in Waldkraiburg hat nichts Neues gebracht im Hinblick auf die konkrete Realisierung. Es bleiben Fragen offen. Doch nach diesem erneuten öffentlichen Bekenntnis kann wirklich kein Zweifel mehr bestehen, dass die Staatsregierung hinter dem Projekt am Standort Waldkraiburg steht.

Jetzt müssen vor Ort die nächsten Schritte gesetzt werden, wenn man denn das Zentrum für biobasierte Materialien in der Stadt haben will. Dass es auf dem Weg bislang politisch geholpert und gerumpelt hat, daran haben wohl alle Beteiligten ihren Anteil. Doch es ist müßig, zu rekonstruieren, wer wann was falsch gemacht hat. Denn: Bei diesem Projekt geht es nicht um Geschichte, da geht es um Zukunft.

Nicht nur die Idee, auf der Grundlage des nachwachsenden Rohstoffs Holz Substanzen zu entwickeln, die Kunststoffe ersetzen, die bislang aus fossilen Stoffen hergestellt wurden, ist voll im Trend, auch Calisthenics scheint ziemlich angesagt zu sein. So heißt ein Ganzkörpertraining an Geräten, das der Bürgermeister und die UWG gerne der Jugend spendiert hätten.

Damit wird’s nun nichts, zumindest nicht im Schulzentrum Süd. Vom Winde verweht? Eher von CSU und SPD im Bauausschuss sturmreif geschossen. Deren Ausschuss-Mitglieder haben natürlich Recht: Auch die Jugendlichen in anderen – wachsenden – Stadtvierteln brauchen attraktive Freizeitanlagen. Nur, der Standort Süd, der passt für diese Anlage. Nirgendwo ist eine höhere Frequenz, sind mehr Nutzer zu erwarten als dort, außer vielleicht am Schulzentrum in der Dieselstraße. Aber da gibt es ja schon das Fußball-Kleinfeld, für die gleiche Zielgruppe.

Der Wind frischt auf, auch im Wahlkampf weht kein laues Lüftchen mehr. Vor allem wenn Erster Bürgermeister Robert Pötzsch und Zweiter Bürgermeister Richard Fischer als Kandidaten aneinandergeraten. So wie neulich auf dem Podium des Jugendparlaments im Kino. Als Fischer Pötzsch – beide sind seit vielen Jahren per Du – beim Statement zum Waldbad mehrfach siezte, um auf maximale Distanz zu gehen, wurde der Erste sauer. „Normalerweise bietet man sich das Du an. Ich biete Dir das Sie an.“ Windstärke 11, schwere See. Egal wie die Kommunalwahl ausgeht, ein Tandem Pötzsch-Fischer wird es in der nächsten Amtsperiode wohl eher nicht mehr geben.

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