Das legendäre Wellenbecken wird auf jeden Fall verschwinden - Neue Pläne fürs Waldbad 

Die beiden Varianten im Bild, oben die Teilsanierung im Bestand, für die sich die Projektgruppe mit klarer Mehrheit ausgesprochen hat, unten die Variante 2, die die Becken neu anordnet, die sich die Stadtwerke gut vorstellen könnte, weil die Betriebskosten niedriger sind.
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Die beiden Varianten im Bild, oben die Teilsanierung im Bestand, für die sich die Projektgruppe mit klarer Mehrheit ausgesprochen hat, unten die Variante 2, die die Becken neu anordnet, die sich die Stadtwerke gut vorstellen könnte, weil die Betriebskosten niedriger sind.
  • Hans Grundner
    vonHans Grundner
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Der Neubau an einem anderen Standort ist vom Tisch. Jetzt liegen nur noch zwei Varianten auf dem Tisch. Vorteile haben beide, Nachteile auch, wie sich in einer Bürgerinformationsversammlung der Stadtwerke im Haus der Kultur zeigte.

Waldkraiburg – Die eine Option, die eine Projektgruppe unter Beteiligung von Bürgern und Vereinen klar favorisiert, läuft auf eine Teilsanierung im Bestand hinaus, ohne Wellenbeck, mit 10 Meter-Sprungturm.

Die zweite Variante ordnet die Becken auf dem Gelände ganz neu an. Das Wellenbecken wird auch da durch einen Spray-Park ersetzt, der Sprungturm auf fünf Meter halbiert.

Beide Varianten ohne Wellenbecken

In beiden Varianten ist das Wellenbecken nicht mehr vorgesehen. Es soll durch einen Spray-Park mit Attraktionen für Kinder und junge Leute ersetzt werden.

Noch ungeklärt ist die Frage der zusätzlichen Stellplätze: Die müssen entweder im Westen der Anlage entstehen, dafür Sport- und Sprungbecken weichen, oder im Nordosten auf einem Teil der Liegeweise. Ob dieser Bereich durch eine Straße erschlossen werden kann, müssen die weiteren Planungen zeigen.

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Die von der Stadt vorgegebene Obergrenze für die Baukosten reißen beide Varianten. Elf Millionen Euro sollen nicht überschritten werden. Variante 1 – Teilsanierung im Bestand – liegt nach groben Schätzungen knapp darüber. Doch diese Zahl ist zwei Jahre alt, die Baupreise sind gestiegen. Variante 2 – Neuanordung der Becken – war damals schon teuerer, um rund eine Million.

Defizitausgleich: Stadtwerke setzen Grenze bei 400 000 Euro

Bei den Betriebskosten – und die sind für die Stadtwerke als Betreiber von besonders großem Interesse – verhält es sich genau anders herum. Bei Variante 2 errechnen die Experten bei 70 000 Besuchern ein Jahresdefizit von 473 000 Euro, bei Variante 1 wären es demnach 543 000 Euro.

Beide Summen sind den Stadtwerken zu hoch. Das machte Geschäftsführer Herbert Lechner deutlich. Bei 400 000 Euro zieht die städtische GmbH eine Grenze. Der Rest müsste aus dem städtischen Haushalt aufgebracht werden.

Die Stadtwerke gleichen durch ihre Gewinne aus den Versorgungssparten wie Strom, Gas, Fernwärme die Verluste aller städtischen Sportanlagen aus. Auf 1,76 Millionen summierte sich 2019 das Defizit in Waldbad, Schulschwimmhalle, Eis- und Jahnstadion. Bei 1,88 Millionen lagen die Einnahmen aus den Versorgungssparten. Noch verdienen die Stadtwerke ein kleines Plus. Doch weil die Einnahmen rückläufig sind, muss die GmbH laut Lechner die Querfinanzierung deckeln, um die Bilanz weiter ausgleichen zu können.

Diese Ausgangslage war ein wesentlicher Grund, warum um die Zukunft des Bades so heftig gestritten wurde. Bürgermeister Pötzsch blickte auf die Geschichte dieses Ringens mit Bürgerbegehren und Kampfabstimmungen im Stadtrat zurück.

Wasserfläche zu groß für Besucherzahl

Als das interkommunale Freibad-Projekt mit Aschau gescheitert war und alles wieder „bei Null“ begann, richtete die Stadt eine Projektgruppe unter Beteiligung von Bürgern, Vereinen und Organisationen ein.

Robert Kratzenberg, der bei den Stadtwerken für die Sportanlagen zuständig ist, stellte auf der Grundlage einer Studie eines Schweizer Fachbüros die Ausgangslage für die Arbeit der Projektgruppe dar. Das Waldbad, das 2021 sein 50-jähriges Bestehen feiert, sei mit fast 3000 Quadratmetern Wasserfläche deutlich zu groß für das gegenwärtige Besucheraufkommen, das bei rund 70 000 im Jahr liegt.

Andere Freibäder haben zum Teil mit der halben Wasserfläche doppelt so viele Badegäste. Die Anordnung der Becken sei unübersichtlich und deshalb besonders personalintensiv. Die hohen Betriebskosten gehen vor allem darauf zurück. 714 000 Euro Minus waren es im Vorjahr, das heißt, die Stadtwerke haben jeden Besuch mit 9,27 Euro subventioniert. Die erhoffte Magnetwirkung des Bades halte sich in Grenzen, so Kratzenberg. „Fast alle Gäste kommen aus Waldkraiburg.“

Es gibt keinen Alternativstandort

In der Aussprache votierte Annemarie Deschler „ganz klar“ für die Variante 1. Sie regte an, mit der WSGW über einen Grundstückskauf zu verhandeln, um zusätzliche Parkplätze zu schaffen.

Ein anderer Teilnehmer wollte davon gar nichts wissen: „Das bleibt immer noch ein altes, unattraktives Bad. Wir werfen Geld raus für nix.“

Pauschalkritik an Sanierungsvarianten erregt Unmut

Er forderte einen Bau an einem anderen Standort und zog sich damit Unmut aus dem Publikum zu. Pötzsch machte ihm keine Hoffnung: „Es gibt keinen möglichen alternativen Standort im Stadtgebiet.“

Am 6. Oktober: Der Stadtrat entscheidet

Gabi Röpke kritisierte, dass die Variante 2 überhaupt noch Thema sei. „Die Projektgruppe hat sich eindeutig für die andere Variante entscheiden.“ Dazu der Bürgermeister: Die Projektgruppe sei beratend tätig und habe einen Vorschlag gemacht. Die Entscheidung liege beim Stadtrat in der Sitzung am 6. Oktober.

Jan Hoffmann, Vorsitzender der VfL-Schwimmabteilung, sprach die Möglichkeit von Zuschüssen der Sportverbände an. Mögliche Zuschüsse seien noch nicht eingerechnet, sagte Stadtwerke-Chef Lechner. Dazu müsse ein endgültiges Konzept vorliegen. Auch mögliche Sponsoren aus der Wirtschaft will die Stadt erst ansprechen, wenn es eine klare Planung gibt, so der Bürgermeister.

Variante 1

Beckenprogramm: 50 Meter-Sportbecken mit acht Bahnen, Sprungbecken mit 10 Meter-Turm, Erlebnisbecken mit Rutschen und Wasserattraktionen (alle mit Edelstahlauskleidung), neuer Spray-Park (200 Quadratmeter mit Spielelementen), Kleinkinderbecken.

Freibadgebäude: Ersatzneubau notwendig.

Baukosten: 11,1 Millionen Euro, davon 6,75 Millionen für Becken (das sind vorläufige Schätzungen).

Betriebskosten: Jahresdefizit von 543 000 Euro; bei 70 000 Besuchern legen Stadtwerke und Stadt 7,76 Euro für jeden Besucher drauf.

Stellplätze:evtl. auf der Fläche, wo heute Gebäudetrakt ist, der Richtung Becken versetzt wird, und/oder auf einem Teil der heutigen Liegewiese im Nordosten des Geländes.

Variante 2

Beckenprogramm: 50 Meter-Sportbecken mit acht Bahnen, Sprungbecken mit 5 Meter-Turm (beide Neubau, Edelstahlbecken), Erlebnisbecken mit Rutschen und Wasserattraktionen (Edelstahlauskleidung), neuer Spray-Park, neues Kleinkinderbecken.

Freibadgebäude:Ersatzneubau notwendig.

Baukosten: 12,1 Milliionen Euro, davon 7,5 Millionen für Becken (das sind vorläufige Schätzungen).

Betriebskosten: Jahresdefizit von 473 000 Euro; bei 70 000 Besuchern legen Stadtwerke und Stadt 6,76 Euro für jeden Besucher drauf.

Stellplätze:evtl. auf der Fläche, wo heute Gebäudetrakt ist, der Richtung Becken versetzt wird , und/oder im Westen des Geländes, wo bisher Sportbecken und Sprungbecken waren.

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