Wichtigere Aufgaben

Es ist die Frage schlechthin: Wer ist Prinzenpaar? Dass es keines geben könnte, das wollen sich die Faschingsnarren gar nicht erst vorstellen.

Aber genau diese Sorge trieb Bürgermeister Robert Pötzsch um, bevor die Faschingsgesellschaft Waldburgia zum großen Sturm aufs Rathaus geblasen hatte.

Mit Prinzessin Sonja I. und Prinz Pascal I. gibt es ein ganz junges Prinzenpaar. 18 Jahre sind beide gerade einmal alt. Voller Elan, so dass Robert Pötzsch ihnen guten Gewissens Rathausschlüssel und Stadtkasse übergab. Der Faschingsauftakt kommt ihm gerade recht. Während das Prinzenpaar ihm den Rücken freihält, kann er sich wichtigeren Aufgaben widmen. Wahlkampf führen zum Beispiel.

Von einer ausgelassenen Stimmung wie am Rathaus war in den Kindergärten zur gleichen Zeit nichts zu sehen. Die Kinder hörten die Geschichte des heiligen Martin, gingen das Martinsspiel durch und probten die Lieder. So aufgeregt die Kinder bei der Andacht der Kindertagesstätte Maria Schutz waren, so entspannt war ein junger Kater. Ganz ruhig saß er auf einer Kirchenbank und wartete darauf, dass es losging.

Schon zuvor war er im Kindergarten und an der Beethovenschule gesehen worden. Wem der Stubentiger gehört, wusste keiner. Ein Anwohner zog am nächsten Tag mit dem Kater auf dem Arm durch die Nachbarschaft, leider ohne Erfolg. Jetzt ist das Tier vorerst im Tierheim untergekommen.

Keine Laternen, sondern ein Spruchband hatten vier Kongolesen dabei, um auf die unsichere politische Situation in ihrem Heimatland aufmerksam zu machen. Mindestens genau so viel Aufmerksamkeit erregten die vier Polizeistreifen. Im Nachhinein betrachtet: Das hätte es gar nicht gebraucht. Die Demo endete friedlich mit einem Gebet am Rathaus.

Wer lieber im Warmen beten will, braucht sich nur beim katholischen oder evangelischen Pfarramt melden. Mit etwas Glück kann man Pfarrerin Anita Leonhardt und ihren katholischen Kollegen Pater Bernhard Stiegler für einen Hausgottesdienst gewinnen. Kirche auf dem Sofa quasi.

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