65 JAHRE TANTE EMMA IM DORF

„Wichtig ist Leidenschaft fürs Geschäft“

Ulrich und Edith Bauer gratulieren zum Jubiläum. re
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Ulrich und Edith Bauer gratulieren zum Jubiläum. re

„Ist immer da, ermüdet nie, verkauft bis spät, und in der Früh, Kunden von nah und auch von fern kommen zur Kramerin stets gern“, so reimte einst ein zufriedener Kunde über Notburga Lanzinger, die nun seit 65 Jahren ihren „Tante-Emma-Laden“ in Au am Inn führt und der in diesen Tagen eine besondere Ehrung zu diesem Jubiläum zuteil wurde.

Gars – Bald nach Jahresbeginn schon konnte Notburga Lanzinger, die „Burgi“, wie sie von vielen liebevoll genannt wird, bei guter Gesundheit ihren 91. Geburtstag feiern.

Vor kurzem kündigte sich bei ihr nun prominenter Besuch an: Edith und Ulrich Bauer von der Molkerei Bauer in Wasserburg besuchten vermutlich eine ihrer treuesten Kundinnen: Seit 65 Jahren bezieht sie von der Bauer Frischdienst GmbH Lebensmittel, besonders aber Molkerei- und Käseprodukte von Bauer.

Das Bauer-Gesellschafter-Ehepaar bedankte sich bei Notburga Lanzinger mit einem Blumenstrauß für diese außergewöhnliche Kundentreue. Dieser Besuch habe sie schon sehr gefreut, erzählt die „Burgi“, „besonders beeindruckt hat mich der Dankesbrief, handgeschrieben“, hebt sie hervor. Stolz öffnet sie eine Schublade in ihrem Laden und zeigt Erinnerungsfotos.

Ihr Ladengeschäft: Würde nicht der appetitliche Anblick von frischem Brot, Laugenbrezn, süßen Leckereien, Obst und Gemüse den Besucher eines Besseren belehren, so könnte er sich in ein Heimatmuseum versetzt fühlen, das mit einem solchen Arrangement etwa der heutigen Internet- und Smartphone-Generation nahebringen wollte, wie Hausfrauen der 50er-Jahre für ihre Familien einkauften.

Alles findet sich in dem Laden in Au, von frischen Lebensmitteln über Backwaren, Konserven, Süßigkeiten, Gewürzen, Reinigungsmitteln bis hin zu Schreibutensilien für Schüler, Zeitschriften und anderen Dingen des täglichen Bedarfs. Alles ist übersichtlich, sauber und dekorativ in Regalen, Schubladen und Vitrinen im Design der Wirtschaftswunderjahre angeordnet. „Lücken dürfen nicht entstehen, das sieht nicht gut aus“, meint die „Burgi“ und freut sich, dass sie alles wunderbar überblickt und im Griff hat.

„Gegen halb 6 stehe ich auf, bereite alles vor und gegen 7 geht’s schon rund. Die ersten Kunden kommen und kaufen fürs Frühstück und für die Brotzeit ein“, erzählt sie. Jetzt, in der Urlaubszeit, sei es freilich etwas ruhiger, denn man merke das Fehlen von sieben Familien im Dorf, man kennt sich eben in Au. Ein Ort des Gesprächs und des menschlichen Kontakts ist der Laden, der damit auch eine eine wichtige soziale Funktion erfüllt. „Während der Schulzeit kommen behinderte Schüler aus der Franziskus-Schule mit ihren Betreuerinnen und lernen bei mir das Einkaufen, bestimmt besser als in jedem Supermarkt“, meint Lanzinger und man merkt ihr an, dass sie ihren Beruf immer noch mit Herzblut ausübt. „Ganz wichtig ist die Leidenschaft für das Geschäft“, sagt sie dann auch mit Nachdruck und fügt hinzu: „Auch wenn das alles mit meinen 91 Jahren nicht mehr so leicht ist und viel Kraft kostet!“.

Seit 1952 führte Notburga Lanzinger mit ihrem Mann, dem Bäckermeister Ludwig Lanzinger, eine gut gehende Bäckerei und den Lebensmittelladen in Au, den sie nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1982 allein weiterführte. „Es waren schwere Jahre dabei, man hat allerhand mitgemacht, aber ich war halt immer auch eine Kämpferin“, bekennt die zierliche, agile Frau mit den wachen Augen, der man gerne glaubt, dass sie weiß, was sie will. Auf Zukunftsperspektiven hin angesprochen, erzählt die kinderlos gebliebene Geschäftsfrau nicht ohne Stolz von der Arbeit ihres Neffen, einem Holzfachmann, der derzeit noch in Vietnam tätig ist. Ihm wird sie das Geschäft und ihr traditionsreiches Haus übergeben. mün

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