Wenn sich Retter selbst schützen: So geht die Waldkraiburger Feuerwehr mit dem Coronavirus um

Nur mit entsprechender Schutzausrüstungabsolviert die Waldkraiburger Feuerwehr Einsätze, um den Kontakt mit Außenstehenden oder möglichen Infizierten zu vermeiden. Freiwillige Feuerwehr Waldkraiburg
  • Raphaela Lohmann
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Für die Aktiven der Feuerwehren bedeutet das Coronavirus nicht nur ein Gesundheitsrisiko. Wenn zu viele in Quarantäne müssen oder erkranken, könnte eine Feuerwehr nicht mehr einsatzfähig sein.

Waldkraiburg – Die Sirene heult und die Feuerwehr rückt nicht aus, weil die Aktiven an Corona erkrankt sind. Ein Szenario, das es unbedingt zu verhindern gilt. Die Feuerwehren setzen daher unterschiedliche Maßnahmen um, um auch in Zeiten von Corona einsatzfähig zu bleiben.

Ob bei einem Brand oder einem Unfall – die Aktiven der Freiwilligen Feuerwehren kennen sich mit Gefahren aus. Doch jetzt haben sie es bei jedem Einsatz mit einer unsichtbaren Gefahrenquelle zu tun: das Coronavirus. Feuerwehrleute könnten sich mit dem neuen Virus infizieren und erkranken, im schlimmsten Fall wäre aufgrund der geltenden Quarantänebestimmungen eine Feuerwehr nicht einsatzfähig. Das Ansteckungsrisiko muss daher auf ein Minimum reduziert werden.

Einsatzbereitschaft aufrechterhalten

Oberstes Ziel aller Maßnahmen ist die Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft der Feuerwehren, schreibt der Landesfeuerwehrverband auf seiner Homepage. Die Empfehlungen des Verbands hat die Kreisbrandinspektion Mühldorf an die Landkreisfeuerwehren weitergegeben. „Die letzte Verantwortung liegt bei den Feuerwehren selbst“, erklärt Kreisbrandrat Harald Lechertshuber. Abstand halten – was im Alltag gilt, gilt auch bei der Feuerwehr. Und das beginnt schon auf dem Weg zum Einsatz. Die Fahrzeuge sollen mit weniger Kräften besetzt sein als üblich und beim Einsatz selbst sollen nicht mehr Aktive dabei sein als gebraucht werden. „Das Personal auf das notwendigste reduzieren und bei Bedarf gezielt nachalarmieren“, empfiehlt Kreisbrandrat Harald Lechertshuber allen Feuerwehren.

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Entzerrung lautet seit drei Wochen auch die Strategie bei der Waldkraiburger Feuerwehr. „Wir haben die aktive Wehr in zwei Löschzüge eingeteilt, die sich wöchentlich abwechseln“, erklärt Kommandant Bernhard Vietze. Auf diese Weise will die Feuerwehr sicherstellen, dass im Falle einer Ansteckung nicht die gesamte Feuerwehr ausfällt. Jeweils 14 Mann – das entspricht der Minimalbesetzung eines Löschzugs – stehen dann eine Woche lang 24 Stunden für einen Einsatz bereit. „Das muss jede Woche vorher geklärt werden, wer rund um die Uhr einsatzklar ist. Bislang klappt alles recht gut“, erklärt Vietze.

Am Einsatz gehen die Schutzmaßnahmen weiter. Nach Rücksprache mit den Rettungsdiensten würden sich die Aktiven mit Schutzbekleidung ausstatten, um einen Kontakt mit Außenstehenden oder möglichen Infizierten zu vermeiden. Das generelle Tragen eines Mundschutzes sei bislang noch keine Vorschrift für die Aktiven. Dafür würde es aktuell keine Kapazitäten geben. „Für den jetzigen Fall sind wir ausgestattet, aber nicht, wenn ein Mundschutz generell Pflicht wird“, sagt Vietze. Die Stadt sei gerade am Ball, Masken zu besorgen.

Schutzmasken kaum vorrätig

Ein Schichtbetrieb wie bei der Waldkraiburger Feuerwehr lässt sich bei der Pürtener Wehr nicht umsetzen. „Wir hatten das auch überlegt, aber dazu sind wir eigentlich zu klein“, sagt Kommandant Michael Heindl. Deshalb setzt man hier auf Entzerrung: Nur zum Einsatz kommen die Aktiven ins Feuerwehrhaus, weniger Leute sitzen im gleichen Fahrzeug und natürlich Abstand zueinander halten. Gesichtsmasken würden einen zusätzlichen Schutz bieten, aber davon habe die Feuerwehr momentan noch keine vorrätig. „Die Stadt hat FFP2-Masken geordert“, sagt Heindl. Nach dem Einsatz würde alles desinfiziert werden. „Wir gehen auf Nummer sicher.“ Übungen- und Ausbildungsveranstaltungen gebe es schon länger nicht mehr, so wie bei allen Feuerwehren im Landkreis.

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Der aktuellen Situation kann Waldkraiburgs Kommandant Bernhard Vietze auch noch etwas Positives abgewinnen. Viele Aktiven seien wegen der Coronakrise daheim und daher auch einsatzbereit. „Jeder kann auf seiner Position arbeiten. Das ist wie bei einer Berufsfeuerwehr.“

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