Wende-Woche?

Corona. Corona. Corona. Wer kann‘s noch hören? In diesen Tagen, in denen das Virus den Menschen die nächsten hässlichen Lektionen erteilt.

Sie die Ohnmacht spüren lässt, die es in dieser doch so sicheren, so behüteten, versorgten und geregelten Gesellschaft nicht mehr zu geben schien. In Waldkraiburg und überall. Selbst durch die neuen Einschränkungen, den „Lockdown light“, kann das Virus allenfalls vorübergehend eingedämmt, aber nicht aus der Welt geschafft werden. Das ist eine der Lehren dieses Jahres, dem Corona längst den Stempel aufgedrückt hat.

Gut möglich, dass die 44. Kalenderwoche des Corona-Jahres 2020 in die Pandemiegeschichte eingeht. Als Wende-Woche. Auch in Waldkraiburg. So heftig fiel die Gegenreaktion auf die Einschränkungen für Gastronomie, Sport, Kultur aus. Was sich geändert hat: Zweifel und offene Ablehnung kommen nicht mehr nur von durchgeknallten Aluhütchenträgern und kruden Verschwörungstheoretikern, sie kommen aus der Mitte der Gesellschaft.

Von Menschen, die monatelang mitgegangen sind bei Regeln und Maßnahmen. Die Zeit und Geld investiert haben, um den Restaurant- oder Kinobesuch sicherer zu machen. Und die sich jetzt als Verlierer, als Opfer der neuen Welle ansehen, für die der Lockdown zum Knockdown werden könnte. Wer möchte ihnen das verdenken, trotz der zugesicherten staatlichen Hilfe.

Ist die Politik grade dabei, zu viel zuzumuten und zu wenig zu erklären? Einen wachsenden Teil der Gesellschaft zu verprellen, statt zu gewinnen? Es sieht danach aus, dass die Stimmung kippt. Und das ist brandgefährlich, weil es Akzeptanz, Einigkeit braucht, um gegen das Virus eine Chance zu haben. Und weil die, die mit Corona und den Folgen ihr politisches Süppchen schmackhaft machen wollen, die Populisten und Viren-Leugner, von dieser Stimmung profitieren könnten. Ohne selbst irgendeine Lösung anzubieten.

Allzu leicht sollten es sich die Kritiker der neuen Corona-Beschlüsse nicht machen und alles, was schiefgelaufen ist, in Berlin und München abladen. Merkel und Söder haben das Virus weder in die Welt gesetzt, noch können sie es aus der Welt schaffen. Hand aufs Herz. Hat sich nicht den ganzen Sommer über bei vielen, Politikern und Bürgern, Selbstgefälligkeit und Sorglosigkeit breitgemacht? Bis zuletzt waren trotz anschwellender Infektionszahlen in Lokalen Stammtische anzutreffen, die sich gut und gerne aus einem Dutzend Haushalten zusammensetzten. Haben Zuschauer bei Sportveranstaltungen die Maske Maske sein lassen, ohne mögliche Folgen zu bedenken. Auch in Waldkraiburg.

Das Gebot der Stunde bleibt: Nicht unterkriegen lassen! Ziele weiter verfolgen. Die, die die neuen Corona-Regeln in Stadt und Region besonders hart treffen, unterstützen, wo es geht. Und: Nicht gehen lassen! Nicht nachlassen bei der Vorsorge für sich und andere. Abstand halten. So schwer es ist. Es gibt keine Alternative. Runterfahren, Lockdown, auch die Light-Version, ist schlimmer. Jeder trägt dafür Verantwortung, und alle, die nun beim verordneten Rückzug ins Private Regeln ignorieren, richten neuen Schaden an.

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