Weitum gefragt: die Weihnachtswurst

Ein altes Rezept aus dem Sudetenland: Josef und Maria Selinger haben die Kalbsbratwurst mit dem gewissen Etwas aus der Heimat mitgebracht, als sie in den 1950er-Jahren eine Metzgerei in Waldkraiburg eröffneten. Angelika Selinger und ihr Mann Wolfgang führen den Betrieb bereits in dritter Generation.

Ein süßes Geheimnis vor Weihnachten hat doch fast ein jeder. Auch bei Metzgermeister Wolfgang Selinger ist das nicht anders. Allerdings schmeckt sein Geheimnis gar nicht süß, sondern vielmehr würzig und sogar leicht säuerlich.

Waldkraiburg – Dieses „Familiengeheimnis“ steckt nämlich weder in Plätzchen noch in Christstollen, sondern ausschließlich in der sudetendeutschen Bratwurst. Die Selingers produzieren diese Traditionswurst jährlich an den vier Dezemberwochenenden bis hin zum Heiligen Abend.

Das Rezept der weihnachtlichen Traditionswurst brachten anno 1955 Josef und Maria Selinger nach Waldkraiburg. Das Ehepaar stammte ursprünglich aus Braunau im Sudetenland. Sie eröffneten vor 63 Jahren in Waldkraiburg eine Metzgerei. Johann Reichthalhammer ließ sich bei Josef Selinger zum Metzger ausbilden und übernahm später nicht nur das Geschäft, sondern auch den Namen des Gründers.

Mittlerweile führt Wolfgang (Sohn von Johann Reichthalhammer-Selinger) mit seiner Frau Angelika die Metzgerei. Die sudetendeutsche Bratwurst zur Advents- und Weihnachtszeit wird jetzt also bereits in der dritten Generation hergestellt. Rund 300 Kilo, das heißt im Klartext an die 2000 Paar dieser besonderen Bratwurst gehen im Dezember über die Verkaufstheke. Die Wurst besteht aus rohem, feinem Brät und ähnelt ein bisschen den bekannten Kalbsbratwürsten, die allerdings gebrüht sind.

Sie ist sein würziges Geheimnis: Metzgermeister Wolfgang Selinger bei der Zubereitung der sudetendeutschen Weih- nachtswurst. huc

„Was genau an Gewürzen in unsere Weihnachtswurst hinein kommt, verrate ich natürlich nicht“, schmunzelt der Metzgermeister. Nur so viel sei preisgegeben: Neben dem Würzmittel Macis-Blüte kriegt das Brät noch Milch und Wein ab. Die Spezialität aus Waldkraiburg kann sich in der Tat etwas „einbilden“, denn sie wird weit über die Landkreisgrenzen hinaus am Heiligen Abend verspeist. Angelika Selinger ist darauf zu Recht bisschen stolz: „Wir haben Stammkunden aus München, aus Rosenheim, aus Burgkirchen und auch aus dem Chiemgau, die jedes Jahr unsere Bratwurst bestellen.“

Quasi eine Sammelbestellung, denn da schließen sich ganze Familien zusammen, die sich Weihnachten ohne sudetendeutsche Bratwurst aus dem Hause Selinger nicht vorstellen können. Wie die Metzgersgattin verrät, wird zu dieser Gaumenfreude hauptsächlich Sauerkraut und Kartoffelbrei gereicht. Die Wurst sollte am besten etwa 15 Minuten lang in Butterschmalz gebraten werden. Selbstverständlich brutzeln am Heiligen Abend bei den Selingers ganz privat auch die hauseigenen Bratwürste in der Pfanne.

„Unsere Familie verspeist sie mit Hochgenuss“ sagt Angelika und ihr Mann gibt zu: „ Ich denke bei unserem Weihnachtsessen immer daran, wie viele Leute jetzt wohl meine Würste auf ihrem Teller liegen haben und sich darüber freuen.“

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