Wegen veränderter Prognosen zu Schülerzahlen in Waldkraiburg: Geplanter Gebäudetausch geplatzt

Einstimmig hat der Stadtrat den angestrebten Tausch der Schulgebäude der Liszt-Mittelschule (links) und des Förderzentrums verworfen. Die Mittelschule bleibt an ihrem Standort. Für das Förderzentrum, das am bestehenden Standort nicht erweitert werden kann, muss der Landkreis eine andere Lösung finden. Archiv/Grundner
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Einstimmig hat der Stadtrat den angestrebten Tausch der Schulgebäude der Liszt-Mittelschule (links) und des Förderzentrums verworfen. Die Mittelschule bleibt an ihrem Standort. Für das Förderzentrum, das am bestehenden Standort nicht erweitert werden kann, muss der Landkreis eine andere Lösung finden. Archiv/Grundner

Stadt und Landkreis hatten die Weichen schon gestellt. Der Gebäudetausch zwischen der Mittelschule an der Lisztstraße und dem Förderzentrum an der Dieselstraße sollte bis Mitte der 2020er-Jahre abgeschlossen sein. Doch neue Prognosen zu den Schülerzahlen lassen das Projekt platzen. Das stellt Stadt und Landkreis vor neue Probleme.

Hans Grundner

Waldkraiburg – Er gehörte zu den größten Projekten der neuen Amtsperiode: der Tausch und der Ausbau der Schulgebäude der Liszt-Mittelschule, in Trägerschaft der Stadt, und des Förderzentrums, für das der Landkreis zuständiger Sachaufwandsträger ist. Das Förderzentrum, das dringend erweitert werden muss, hätte am neuen Standort die nötigen Reserveflächen. Alle Landkreisschulen würden sich dann im Schulzentrum Süd konzentrieren. Am Schulstandort an der Dieselstraße sollten die städtischen Schulen zusammengeführt werden, zur bestehenden Grund- und zur Mittelschule eine zweite Mittelschule kommen. Nicht zuletzt wirtschaftliche Gründe sprachen für dieses Vorgehen, so das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie.

Zahl der Mittelschüler steigt deutlich an

Ende 2019 legten die Mittelschulen eine aktualisierte Fünf-Jahres-Statistik vor. Deren Zahlen lagen weit über den Werten von 2017/18, die Grundlage der Planungen waren. Bei der Stadt war man geschockt und beauftragte ein externes Institut die Zahlen zu überprüfen und eine Entwicklungsstudie zu den Schülerzahlen zu erstellen. Der Zwischenbericht, der jetzt vorliegt, bestätigt die Prognosen.

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Richtungsweisende Entscheidung

Drei Gründe führte Stefan Süße, zuständiger Abteilungsleiter im Rathaus, in der Stadtratssitzung für diese Entwicklung an. Seit 2012 hat die Geburtenrate in Waldkraiburg um 16 Prozent zugenommen, damit steigen die Schülerzahlen insgesamt um ein Sechstel. Dabei spielt eine Rolle, dass die Enkel der besonders geburtenstarken Jahrgänge der 1960er-Jahre jetzt ins Schulalter kommen. Dass der Anstieg der Schülerzahlen sich besonders stark auf die Mittelschulen auswirkt, hat nicht zuletzt mit der Arbeitsmigration aus Südosteuropa zu tun. Überwiegend junge Arbeitnehmer aus EU-Ländern kommen nach Waldkraiburg und bringen zum Teil ihre Familienmitglieder mit. Die meisten Kinder besuchen aufgrund sprachlicher Barrieren nicht Gymnasium oder Realschule, sondern die Mittelschule.

2019 gab es in Waldkraiburg 651 Mittelschüler. In den nächsten zehn Jahren soll diese Zahl dem Augsburger Institut zufolge auf über 830 steigen. Bis 2040 rechnet die Studie mit einem weiteren Anstieg. Bei durchschnittlich 18 Schülern pro Klasse entspricht das mindestens 45 Klassen. Von 33 war die Machbarkeitsstudie laut Johannes Kessner ausgegangen.

Standort mit 45 Klassen überfordert

Der Planer, der unter diesen Voraussetzungen den Standort Dieselstraße untersucht hat, kommt zu einem klaren Ergebnis: „45 Klassen würden den Standort überfordern.“ Um diese Schülerzahlen zu bewältigen, brauche es zu den bestehenden Gebäuden einen massiven, viergeschossigen Neubau. Die Turnhallenkapazität, ohnehin eine Schwachstelle des Schultauschprojekts, würde nicht annähernd reichen. Die Außensportanlagen würden dauerhaft verloren gehen. Es gebe darüber hinaus keine Reserven mehr für eine Erweiterung. Und: Die Kosten für die Stadt würden in den zweistelligen Millionenbereich steigen.

Der Stadtrat zog deshalb die Reißleine und beschloss einstimmig, das Vorhaben nicht mehr weiter zu verfolgen.

Auf Anfrage von UWG-Stadtrat Michael Steindl stellte Johannes Kessner klar, dass sich der Anstieg der Schülerzahlen vor allem im Schulsprengel der Diesel-Mittelschule bemerkbar macht. Dort brauche es „mittelfristig“ eine Erweiterung. An der Liszt-Schule steigen die Zahlen nur sehr langsam. Dort ist das Problem die Bausubstanz. Da stehe eine Generalsanierung an.

Kreis braucht neue Lösung für Förderschule

Offen ist mit der Entscheidung des Stadtrates, wie es mit der Förderschule weiter geht. Das Förderzentrum kann am Standort an der Dieselstraße nicht im erforderlichen Maß erweitert werden. Das bestätigt auf Anfrage die Pressestelle des Landratsamtes. Das Thema werde in der nächsten Woche im Bauausschuss und im Kreistag behandelt. „Schnellstmöglich“ müsse eine Alternative erarbeitet werden. Zu konkreten Standorten und Alternativen äußert sich das Landratsamt nicht. An der Förderschule werden derzeit 13 Klassen, ohne Schulvorbereitende Einrichtungen, unterrichtet. Der Machbarkeitsstudie des Planers lag die Zahl von 22 Klassen zugrunde. Dieser Bedarf geht zum Teil darauf zurück, dass die Außenstelle Starkheim aufgegeben und in den Standort Waldkraiburg integriert werden soll.

Stimmen aus den Schulen

Wir haben uns auf den Prozess eingelassen“, sagt Burkhard Schröder, Rektor des Förderzentrums. Eineinhalb Jahr sei deshalb nicht an Alternativen gearbeitet worden. Jetzt müsse man in eine neue Richtung denken und planen. „Es muss ein neuer Standort gefunden werden.“ Das sonderpädagogische Förderzentrum, das neben der Hauptstelle in Waldkraiburg derzeit noch vier Nebenstellen im Landkreis hat, kann an der Dieselstraße nicht den Erfordernissen entsprechend erweitert werden. Bislang sind wegen der beengten Verhältnisse keine Ganztagesangebote möglich. Um die Klassen der Außenstelle Starkheim, die aufgelöst werden soll, in Waldkraiburg zu integrieren und Ganztagesunterricht ermöglichen, braucht es laut Schröder etwa eine doppelt so große Fläche als bisher.

„Ich bin froh, dass wir jetzt wieder Planungssicherheit haben“, sagt Alexander Ruß, Rektor der Liszt-Mittelschule, wo sich die Begeisterung über den geplanten Schultausch in Grenzen gehalten hatte. Ruß begrüßt es, dass die Schule am Standort bleibt. Der biete mit einer ausreichenden Zahl von Klassen- und Fachräumen sowie Turnhalle, Schulschwimmhalle und großen Außenflächen beste Voraussetzungen, um den Schülern „gut gerecht zu werden“.

Birgit Huber-Heinrich, Rektorin der Diesel-Mittelschule wollte sich zur neuen Entwicklung nicht äußern. Schulamtsdirektor Hans Wax war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. hg

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