Waschechtes Münchner Kindl und böhmisches Mädel – Waldkraiburger Hochzeitsjubiläum

Die Feiermusste wegen eines Krankenhausaufenthalts von Erich Suckfüll verschoben werden. Umso erzählfreudiger waren der diamantene Bräutigam und seine Frau Christl, als Bürgermeister Robert Pötzsch den Gratulationsbesuch nachholte. Fischer

Der „Suckfüllturm“, eines der markantesten und ältesten Gebäude der Stadt trägt ihren Namen. Jetzt haben Christl und Erich Suckfüll, die einst eine legendäre Eisenhandlung betrieben, ihr 60-jähriges Hochzeitsjubiläum gefeiert.

Waldkraiburg – Zwar musste die Familienfeier um vier Wochen verschoben werden, da sich Erich Suckfüll „eine Auszeit im Krankenhaus genehmigt hatte“, wie er schmunzelnd feststellte. Doch um so aufgeweckter und erzählfreudiger berichtete das diamantene Jubelpaar aus seinen 60 zurückliegenden Ehejahren beim Gratulationsbesuch von Bürgermeister Robert Pötzsch.

Grundverschieden die Herkunft der Beiden: er ein waschechtes Münchner Kindl, geboren 1934, seine Frau Christl, geboren 1938 und 1946 aus Braunau im heutigen Tschechien vertrieben. Zusammen mit Mutter und Bruder fand sie für vier Jahre Aufnahme in Taufkirchen.

Legendärer Eisenwarenhandel

Erst als der Vater 1948 aus der Gefangenschaft zurückkehrte, plante die Familie den Umzug nach Waldkraiburg. Unternehmungsfreudig riskierten sie 1954 die Eröffnung einer Eisenwarenhandlung, wobei die Mutter, eine geborene Tscherwitschke, „den Laden schmiss“ und Tochter Christl eine Lehre im Fachgeschäft Koller in Mühldorf begann. „Der Tscherwitschke an der Ecke handelt ja mit jedem Drecke“ war damals geflügeltes Wort in der Stadt. Vater Rudolf Weisser fand bald eine Stelle als Rektor, stieg auf zum Schulrat und war lange Jahre Mitglied im Waldkraiburger Stadtrat.

Da ihr Bruder beim Skifahren tödlich verunglückt war, entschloss sich Christl Weisser, die internationale Eisenhändlerfachschule in Wuppertal zu besuchen, um später das heimische Geschäft zu übernehmen. 57 Männer und drei Frauen ließen sich dort ausbilden, unter ihnen Erich Suckfüll, „ und bei der Dritten hat`s geklappt!“, meint er verschmitzt lächelnd.

Hochzeitsfeier im Knusperhäuschen

Auf die Standardfrage nach dem Rezept für eine glückliche 60-jährige Verbindung kommt es wie aus einem Mund: „Sehr vieles, ob kleine oder größere Unternehmungen, gingen wir gemeinsam an, haben aber immer dem Anderen seinen Freiraum gelassen.“

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Einen Tag nach der standesamtlichen Heimat traute sie Pfarrer Josef Schedl in der evangelischen Bunkerkirche und anschließend gab es eine zünftige Hochzeitsfeier im legendären „Knusperhäuschen“.

Von Anfang an hatte sich Erich Suckfüll in Waldkraiburg wohlgefühlt. Er entstammt einer alteingesessenen Münchner Großfamilie, die 1932 eine Eisenwarenhandlung in der Türkenstraße übernommen hatte. Als er in späteren Jahren in Lochham ein Grundstück erbte, wo er sich niederlassen sollte, war seine aussagekräftige Antwort: „Ja, was dad i denn dort?“

Das könnte Sie auch interessieren:

Hochzeitsjubiläen

Ein Turm mit Geschichte: Vor 75 Jahren gebaut und zweimal umgebaut

Neuer Vorstoß für Hubert-Rösler-Straße

So wurde der „Suckfüllturm“, wegen seiner Höhe eines der herausragenden Gebäude in der Stadt, aber auch eines der ältesten, der Lebensmittelpunkt des Ehepaares. „Insgesamt haben wir ihn circa zehnmal umgebaut“, so Christl Suckfüll, „doch deswegen kamen unsere Vorlieben nicht zu kurz“.

Leidenschaftliche Bergsteiger

Schon früh ging es mit den beiden Söhnen Harald und Bernd zum Skifahren und auch die fünf Enkelkinder, heute zwischen 32 und 21 Jahren alt, frönten diesem Sport. Zur richtigen Leidenschaft des Paares jedoch entwickelte sich das Bergsteigen, das sie von der Watzmann-Ostwand über den Mont Blanc bis nach Südamerika führte, aber auch der Mount Kenia und der Kilimandscharo in Afrika wurden bezwungen.

Erst 2011 flog Christl Suckfüll nach Nepal, um mit einem Führer Bergtouren zu unternehmen, was sie so faszinierte, dass sie 2014 nochmals nach Katmandu zurückkehrte. Und was sagte ihr Mann zu diesen Trips? „Er hat mich immer laufen lassen!“

Vorher hatte seine Frau schon den Jakobsweg in vier Wochen gemeistert, Kultur- und Theaterfahrten organisiert und sich zur EFI-Trainerin ausbilden lassen. Als solche leitet sie heute noch den PC-Treff der Freiwilligenbörse „Lichtblick“ des Seniorenbeirats. Ein rundum ausgefülltes Leben mit Höhen und Tiefen eines Paares, dessen Humor, Aufgeschlossenheit und Zufriedenheit beeindrucken.

Kommentare