Warum in Waldkraiburg selbst CSU-Frauen allergisch auf die Frauenquote reagieren

Erklärte Quotengegnerin: Charlotte Konrad, Waldkraiburger Stadträtin seit 2008 und stellvertretende CSU-Ortsvorsitzende. Archiv/Grundner
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Erklärte Quotengegnerin: Charlotte Konrad, Waldkraiburger Stadträtin seit 2008 und stellvertretende CSU-Ortsvorsitzende. Archiv/Grundner

Die Frauenquote war das heißeste Eisen auf dem Parteitag der CSU in München und sorgt seit Tagen für anhaltende Diskussionen. Warum der Landesvorstand der Partei mit seiner Reform gescheitert ist? Ein Stimmungsbild von der Waldkraiburger Basis.

Waldkraiburg – Die Frauenquote? Man muss lange suchen in der außerordentlichen Versammlung der CSU Waldkraiburg in dieser Woche im Haus der Kultur, um Mitglieder zu finden, die sich dafür erwärmen können. Wer wissen will, warum die Parteiführung beim Parteitag in München nicht durchgekommen ist mit ihren Plänen zur Modernisierung und Feminisierung der CSU, müsste sich nur in Waldkraiburg umhören.

Mitglieder über 70 Prozent Männer

Dabei zählt der Ortsverband, der grade einen Mann zum Bürgermeisterkandidaten gewählt hat, schon seit Mitte der 90er-Jahre zu jenen CSU-Gliederungen, in denen Frauen im Vorstand und vor allem in der Stadtratsfraktion besonders stark vertreten sind. Oder reagieren viele Waldkraiburger CSU-Frauen gerade deshalb so allergisch auf verpflichtende Frauenquoten?

„Wir waren froh, dass es bei der Soll-Bestimmung geblieben ist“, sagt Parteitagsdelegierte Charlotte Konrad. Die stellvertretende Ortsvorsitzende, die seit 2008 im Stadtrat sitzt, ist erklärte Quotengegnerin. „Wir brauchen die Frauenquote nicht. Das muss freiwillig kommen. Ich will jedenfalls nicht über die Quote definiert werden.“

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So sieht das auch die nächste Generation, etwa Susanne König, ebenfalls stellvertretende Ortsvorsitzende. „Ich will keine Quotenfrau sein.“ Sie hält schon deshalb nichts von einer verpflichtenden 40 Prozent-Quote in Kreisvorständen, weil der Frauenanteil in der Partei deutlich unter diesem Wert liegt, Ende 2018 bei kaum 21 Prozent. Die anhaltenden Diskussionen auf Landesebene über die Quote kann sie nicht nachvollziehen. Sie versteht die Position der Parteispitze um Markus Söder nicht und sieht vor Ort, in Stadt und Landkreis, keinen Bedarf für die Quote. „Ich denke, dass junge Frauen in unserem Bereich nie ein Problem hatten, eine Position zu erreichen, weil sie eine Frau sind.“

Vorstand und Fraktion paritätisch besetzt

Eva Köhr, Stadträtin seit 1990 und ehemalige Kreisvorsitzende der Frauenunion, berichtet von einer freiwilligen Selbstverpflichtung nach der Formel „3 von 10“. „Wir hatten immer ein Drittel Frauen.“ Im Waldkraiburger Stadtrat stellen derzeit die CSU-Frauen sogar die Hälfte der zwölf Fraktionsmitglieder. Auch der Kernvorstand ist paritätisch besetzt. Dabei sind 72 Prozent der knapp 150 Mitglieder (Stand: Ende 2018) männlich.

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Und was sagen die Männer? „Frauenquote, für mich kein Thema“, meint Altbürgermeister Siegfried Klika, der gar nichts hält von dem „Hype“. Klika: In Waldkraiburg konnten sich die Frauen immer durchsetzen.“ Und was in Waldkraiburg gehe, gehe woanders auch. Seine Prognose: Ein, zwei Perioden werde es noch dauern, „dann ist alles paritätisch“. Nicht Quotierungen, sondern die Frauenförderung sei entscheidend, findet Ortsvorsitzender Karlheinz Stocker.

Auf die Förderung kommt es an

„Man muss die Frauen fördern, damit es keine Quote braucht. Alle Frauen haben Schulungen bekommen, damit sie wissen: Ich kann das auch“, sagt Eva Köhr. Sie ist sich mit Anton Sterr einig: „Es hängt auch an den Frauen selber.“ Der Fraktionsvorsitzende, der seit den 1990er-Jahren als „Frauenförderer“ im Ortsverband gilt: „Der Frauenanteil auf der Stadtratsliste wird sich auch heuer sehen lassen können.“

Annemarie Deschler, Stadträtin seit 1990, und ihre Stadtratskollegin Christine Graupner (seit 2014) sehen vor Ort ebenfalls keinen bedarf, sind aber trotzdem hin- und hergerissen. Auf den Parteitagen sitzen überwiegend Männer. Und von ihren Töchtern hören sie, wie schwer es für junge Frauen noch immer ist, sich eine Position zu erarbeiten. Graupner: „Ich finde es schade, dass man die Frauenquote braucht. Aber anscheinend ist es notwendig.“

Wohlgemerkt nicht bei der Waldkraiburger CSU. Im Gegenteil. Charlotte Konrad lachend: „Wenn wir so weiter machen, sagen einige Vorstandsmänner schon, dann müssen wir bald eine Männerquote einführen.“

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