Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


37 Minuten Präsentation und Diskussion im Ferienausschuss

Zoff im Ausschuss: Warum das Waldkraiburger Waldbad jetzt zwischen Neubau und Verfall schwebt

Die Zukunft des Waldbades ist wieder unsicher: Seit Jahresbeginn haben sich die angesetzten Kosten mehr als verdoppelt. Sie liegen jetzt bei 38 Millionen Euro brutto; Tendenz weiter steigend.
+
Die Zukunft des Waldbades ist wieder unsicher: Seit Jahresbeginn haben sich die angesetzten Kosten mehr als verdoppelt. Sie liegen jetzt bei 38 Millionen Euro brutto; Tendenz weiter steigend.
  • Jörg Eschenfelder
    VonJörg Eschenfelder
    schließen

37 Minuten dauerte im Waldkraiburger Ferienausschuss die Präsentation der neuesten Zahlen für den Neubau des Waldbades. 37 Millionen sind veranschlagt - vorerst. Die Zukunft des Bades ist ungewisser denn je und es gab Zoff im Ausschuss.

Waldkraiburg – Um 19.01 Uhr schloss Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) am Dienstag die Sitzung des Ferienausschusses im großen Saal des Hauses der Kultur. 37 Minuten hat der mit Spannung erwartete Tagesordnungspunkt 15 gedauert, in dem vor gut 50 Besuchern die aktuellen Zahlen und Optionen zum Waldbad präsentiert wurden. Die hatten es in sich. Sie reichten vom geplanten Neubau für derzeit 37 Millionen Euro bis hin zum Verfall des Bades.

Bauamtsleiter malt Horrorgemälde

Das größte Horrorgemälde malte etwas unbemerkt Bauamtsleiter Carsten Schwunck gegen Ende der Sitzung an die Wand. Den Verfall des Waldbades, falls das komplette Bad unter Denkmalschutz gestellt werde und die Stadt die Betriebskosten nicht mehr tragen könnte: „Wenn ich es mir nicht leisten kann, dann mache ich nichts.“ Und das Bad verfällt.

Ausgangspunkt waren die aktuellen und belastbaren Zahlen, die jetzt auf den Tisch kamen. Die summieren sich für den geplanten Neubau inzwischen auf 31 Millionen Euro netto; 37 Millionen Euro brutto.

„Wir waren alle überrascht, dass es so eine Steigerung gegeben hat“, so Bürgermeister Robert Pötzsch. Anton Sterr, Vorsitzender der CSU-Fraktion, war davon „geschockt, die Geschichte ist gegen uns.“

Hinzu kommen die Prüfungen durch das Denkmalamt, ob und welche Teile des Bades zu erhalten sind – Ausgang offen.

Weitere Ausgaben machen derzeit keinen Sinn

Pötzsch hat daher erst einmal den Abriss sowie die geplanten Anschaffungen gestoppt. „Es macht momentan keinen Sinn, weiter zu planen und Geld auszugeben.“ Zudem wird geprüft, ob und wie es eine Badesaison 2023 geben kann. Gleichzeitig werden die Kosten für eine mögliche Sanierung aktualisiert.

Die 20-Millionen-Neubauvariante wäre deutlich kleiner, hätte keinen Sprungturm mehr und nur ein 25-Meter-Schwimmbecken, könnte aber später je nach Finanzlage erweitert werden.Stadt Waldkraiburg

Die Präsentation der neuesten Zahlen übertrug Bürgermeister Pötzsch an Bauamtsleiter Schwunck. Der machte die Preissteigerungen am Bau sowie an den Rohstoffmärkten in Folge von Corona und Ukraine-Krieg für die Kostenexplosion verantwortlich. „Die 37 Millionen sind noch nicht das Ende der Fahnenstange.“ Die Aufträge würden frühestens in drei Jahren vergeben. Bis dahin seien weitere Preissteigerungen zu erwarten.

Schwunck präsentierte auch erste Überlegungen, Kosten beim jetzigen Konzept einzusparen. Am Ende blieben aber immer noch 27 Millionen Euro netto. Um den ursprünglichen Kostenrahmen von 20 Millionen Euro zu halten, müsste das Sportbecken auf 25 Meter gekürzt – einige Zuhörer kommentierten das mit lautem Prusten – und mit zwei Sprungbrettern kombiniert werden, der Sprungturm falle weg, ebenso die neue Rutsche. Auch dann würde das Bad noch 16 Millionen Euro netto kosten – zuzüglich Parkplatz und Blockheizkraftwerk. Mittelfristig könnten die Becken und Anlagen zwar erweitert werden, aber mit Mehrkosten.

Derzeit hänge ohnehin alles am Denkmalschutz und dessen Entscheidung, was erhalten werden muss. Im schlimmsten Fall, so Schwunck, „müssen wir das Bad wieder so aufbauen, wie es ursprünglich mal war.“ Dafür gab es von den Zuhörern Applaus. Sterr meinte dazu: „Ich halte an dem Bad nichts für denkmalwürdig.“

Grundsatzkritik am Haushalt

Richard Fischer, Vorsitzender der SPD-Fraktion, nutzte die Sitzung für eine Generalabrechnung: „Die Bürger haben kein Vertrauen mehr in das, was wir vorlegen.“ Alle paar Monate gebe es neue Zahlen und Fakten. Für die derzeitige Situation machte er vor allem die Haushaltspolitik verantwortlich: „Wir haben vor Jahren schon darauf hingewiesen, dass der Haushalt problematisch ist.“ Auch der Denkmalschutz hätte viel früher eingeschaltet werden müssen. Er forderte für seine Fraktion: „Wir müssen das Bad Stück für Stück sanieren.“

Sterr widersprach der Kritik am Haushalt, räumte aber ein: „Alle Überlegungen müssen jetzt zulässig sein – auch eine Sanierung. Wir alle wollen ein Waldbad. Wir müssen einen kühlen Kopf bewahren und die Entscheidungen ohne Emotion treffen.“ Zugleich dämpfte er die Hoffnungen: Die Hälfte der 31 Millionen werden für die Technik fällig – und die seien in jeder Variante nötig.

Auch Christoph Arz (Grüne) forderte mehr Geschlossenheit und Zusammenarbeit in dem Gremium. Andreas Marksteiner (UWG) ergänzte: „Es bringt nichts, wenn wir uns gegenseitig anschießen. Wir haben genügend Hürden, die wir gemeinsam überwinden müssen.“

Bauamtsleiter Schwunck war skeptisch, ob eine Sanierung billiger werde: „Die war bei allen Überprüfungen immer teurer.“ Sie werde aber erneut geprüft; eine schrittweise Sanierung sei dagegen technisch nicht möglich.

So konnten die Stadträte die Zahlen nur zur Kenntnis nehmen und müssen wie alle anderen auch die weitere Entwicklung abwarten. Bürgermeister Pötzsch: „Sobald wir neue Zahlen und Fakten haben, werden wir uns wieder zusammensetzen.“

Mehr zum Thema

Kommentare