Tattoos sind hässlich? Das war mal - Saskia Deml aus Waldkraiburg ist „Miss Tattoo Starlet“

Ein Spruch am Rippenbogen war das erste Tattoo von Saskia Deml. Mittlerweile hat sie 16 Tätowierungen, obwohl der 19-Jährigen früher die Körperkunst nicht gefiel. tuan_photography
  • Raphaela Lohmann
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Tattoos haben ihr früher nie gefallen, sie hat sie sogar als „ganz hässlich“ empfunden. Jetzt ist Saskia Deml aus Waldkraiburg „Miss Tattoo Starlet“. Ein schwerer Unfall hat nicht nur ihre Einstellungen Tattoos gegenüber verändert.

Waldkraiburg – Einen Buddha, ein lachender Totenkopf, ein Adler, eine Münze und ihr eigenes Gesicht – all diese Bilder hat Saskia Deml zu einem Gesamtbild auf ihrem linken Arm zusammengeführt. Außerdem gibt es weitere kleinere Tätowierungen, erst kürzlich kam ein Schmetterling hinzu, den sie sich gemeinsam mit ihrer besten Freundin hat stechen lassen. Ein Motiv, das beiden gefällt und für Freiheit steht. Es ist mittlerweile ihr 16. Tattoo.

Mit viel Willen und Ehrgeiz

„Das Leben ist nicht selbstverständlich“ – diesen Spruch hat sich die 19-Jährige vor drei Jahren mit dem Einverständnis ihrer Eltern an ihren Rippenbogen tätowieren lassen. Ihr erstes Tattoo als Andenken an ihren „zweiten Geburtstag“. Kurz vor ihrem 16. Geburtstag wurde sie in der Nähe ihres Elternhauses auf ihrem Roller von einem Lastwagen überrollt. Mehrere Operationen waren in der Folge nötig, im linken Bein war „alles kaputt“. Die Ärzte haben anfangs nur wenig Hoffnung gemacht, sogar die Amputation ihres linken Beines ist im Raum gestanden. Doch das hat sie nicht zugelassen: Mit viel Willen und Ehrgeiz kämpft sie sich zurück auf ihre beiden Beine. Ihren Realschulabschluss kann sie trotz des Klinikaufenthalts schreiben, bis einen Tag vor ihrem Ausbildungsstart war sie auf Reha.

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„Das linke Bein war wie ein Fremdkörper für mich. Der Unfall hat mich verändert, ich habe heute eine ganz andere Sicht auf das Leben“, erzählt eine selbstbewusste junge Frau. Sie ist stolz darauf was sie nach dem Unfall geschafft und allen immer das Gegenteil bewiesen hat. „Ich hatte ja keine Wahl: Ich musste weitermachen und stark sein.“ Sie spricht offen über das, was ihr vor drei Jahren passiert ist. Die Narben sind Teil ihres Lebens und haben sie geprägt. Versteckt werden sie nicht.

Saskia Deml präsentiert das Tattoo auf ihrem linken Arm.

Das erste Tattoo war schon auf ihrer Haut verewigt, als sich Saskia Deml mit dem Thema näher auseinandersetzt. „Ich habe immer mehr tätowierte Menschen gesehen und immer mehr Gefallen daran gefunden.“ Früher seien Tätowierungen negativ behaftet gewesen, aber es sei längst ein positiver Wandel da. Ihre Oma aber kann der Körperkunst nicht viel abgewinnen: „Sie findet es schrecklich, aber wenigstens würde ich nicht rauchen oder Drogen nehmen“, sagt Saskia Deml.

Sinnloses wollte sie nicht auf ihrer Haut tragen, aber gleichzeitig müsse nicht alles eine Bedeutung für sie haben. Die Geburtstage ihre Eltern und ihrer Tante trägt sie immer bei sich, der Adler erinnert sie an ihren Papa. „Als ich ein Kind war, hat er immer zu mir gesagt: Er ist ein Adler, er sieht alles.“ Die Kette mit einer Münze ist ein Symbol für ihren verstorbenen Onkel.

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„Ich wollte ein Gesamtbild auf meinem linken Arm, nicht nur einzelne Bilder“, erzählt sie. Lange vor ihrem 18. Geburtstag hatte sie mit ihrem Tätowierer ein Gesamtbild entworfen, alle Termine ausgemacht, doch es kam etwas dazwischen. „Mein Auto ging kaputt und ich musste die Termine wieder absagen.“ Eineinhalb Jahre später war es dann endlich soweit. „Nach fünf Terminen war alles fertig.“

Es bleibt nicht bei 16 Tattoos

Neben ihrer Arbeit als Gesundheits- und Krankenpflegerin in einer Frauenforensik modelt sie. Auch in einem Musikvideo mit Lena und Niko Santos war sie schon zu sehen. So ergab es sich auch, dass sie sich als „Miss Tattoo Starlet“ beworben hat. Als eine von 200 Bewerberinnen qualifizierte sie sich für das Finale mit insgesamt zehn jungen Frauen bei der weltgrößten Custom-Bike-Show in Bad Salzuflen. „Ich hatte gehofft, auf den dritten Platz zu kommen. Als dann mein Name als Siegerin genannt wurde, habe ich es anfangs nicht realisiert“, sagt sie. Im Vergleich zu ihren Konkurrentinnen hat sie zwar weniger Tattoos auf der Haut, überzeugt habe die Jury aber auch ihre Ausstrahlung und Selbstbewusstsein. Ihr Gewinn: Sie ziert im Frühjahr das Cover des TätowierMagazins. „Meine Mama war stolz auf mich – auch wenn es für sie nicht so viele Tätowierungen sein müssten.“

Bei 16 Tattoos auf ihrem Körper soll es nicht bleiben. „Es werden noch welche hinzukommen, aber ich will etwas warten.“ Sie ist realistisch: Denn was ihr jetzt zusage, gefalle ihr möglicherweise in zehn Jahren nicht mehr. Egal für was sie sich die nächsten Jahre entscheidet, ein Körperteil wird sich Saskia Deml nie tätowieren lassen: ihr linkes Bein, das bei dem Unfall so schwer verletzt worden ist.

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