Eine Aktion kann stattfinden, andere nicht

Waldkraiburger Weihnachtsblasen trotzt Corona – Weihnachtsgrüße scheitern an Landratsamt

Auch wenn sie diesmal wegen Corona nicht in die Seniorenheime dürfen: Die Weihnachtsbläser der Egerländer Trachtenkapelle (von links), Edgar Kloos, Gerd Streibelt, Peter Deml, Marina Fischer, Monika Lenhart, Hermann Lenhart und Anton Lenhart, halten an der Tradition fest und stimmen die Senioren am Heiligen Abend auf das Fest ein.
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Auch wenn sie diesmal wegen Corona nicht in die Seniorenheime dürfen: Die Weihnachtsbläser der Egerländer Trachtenkapelle (von links), Edgar Kloos, Gerd Streibelt, Peter Deml, Marina Fischer, Monika Lenhart, Hermann Lenhart und Anton Lenhart, halten an der Tradition fest und stimmen die Senioren am Heiligen Abend auf das Fest ein.

Die Egerländer Musikanten dürfen auch heuer am Heiligen Abend für die Senioren in den Waldkraiburger Seniorenheimen spielen. Dagegen ist eine Weihnachtsaktion von „Mühldorf ist bunt“ gemeinsam mit den Kirchen gescheitert – am Veto des Landratsamts.

von Hans Grundner

Waldkraiburg – Viele Rituale und lieb gewordene Traditionen, die seit Jahrzehnten zu Weihnachten gehören, fallen in diesem Jahr Corona zum Opfer. Das Weihnachtsblasen der Egerländer Trachtenkapelle für die rund 500 Senioren in den Waldkraiburger Alten- und Pflegeheimen hat das Landratsamt unter Auflagen erlaubt. Auch in diesem Jahr stimmen sieben Musikanten am Nachmittag des Heiligen Abend mit weihnachtlichen Liedern auf das Fest ein.

Weihnachtsblasen nach Corona-Regeln

„Es wird alles ganz anders als in den letzten Jahren“, weiß Tubaist Peter Deml, der vor 23 Jahren auf die Idee kam, das Weihnachtsblasen der Stadtkapelle am Rathaus auszuweiten und die Musik zu den Menschen zu tragen, die selbst nicht mehr so gut unterwegs sind. Zu den Senioren in den vier Waldkraiburger Seniorenheimen, den Menschen, die heuer ganz besonders unter der Bedrohung durch die Pandemie und den harten Auflagen gelitten haben.

„Tochter Zion“ oder „Stille Nacht“ zum Abschluss wird auch heuer wieder gespielt werden. Die Lieder sind die Altbekannten. Sonst ist nichts wie früher. Die Kapelle wird die Häuser nicht betreten, sondern draußen vor den Türen, in den Gärten, in den Innenhöfen spielen.

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„Wir dürfen keine Menschenaufläufe provozieren“, sagt Deml. Jeder Hausstand fährt mit dem eigenen Auto von Heim zu Heim. Auf dem Fußweg zu den Spielorten werden Masken getragen und Abstände eingehalten. Und: Mit Robert Pötzsch ist diesmal nur der Erste Bürgermeister dabei, nicht alle drei. Auf eine Rede wird er verzichten. Um 14 Uhr geht die Runde los. Das Weihnachtsblasen am Friedhof und am Rathaus wird wegen der Pandemie ersatzlos gestrichen.

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+++ Mit der diesjährigen Weihnachtsaktion unterstützten die OVB-Heimatzeitungen das Haus Christophorus in Brannenburg. Hier finden Sie unsere Themenseite zur OVB-Weihnachtsaktion. Alle Informationen zur Aktion gibt es hier. Sie wollen für die OVB-Weihnachtsaktion spenden? Hier geht‘s zum Spendenformular. +++

Die ökumenische Christfeier im Stadtpark ist längst abgesagt. Auch da spielen die Egerländer seit vielen Jahren. Heuer sind sie also ausnahmsweise uneingeschränkt bei ihren Familien. Schade sei es trotzdem, finden die Musikanten.

Warum die ökumenischen Weihnachtsgrüße der Kirchen nicht durch die Stadt gefahren werden dürfen

Eine besondere Weihnachtsaktion im Corona-Jahr hatte sich das Netzwerk für Demokratie und Toleranz „Mühldorf ist bunt“ in Waldkraiburg einfallen lassen: Nach der Absage der ökumenischen Christmette im Stadtpark sollte am Heiligen Abend und am Vortag ein Weihnachtsgruß mit Musik, Gebeten und dem ökumenischen Weihnachtssegen zu allen Waldkraiburger Bürgern, gleich welcher Religion, getragen werden.

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Und zwar mit einer mobilen Anlage, die zwischen 14 und 19 Uhr an 13 Standorten im Waldkraiburger Stadtgebiet eine zehnminütige Tonbandaufzeichnung abspielen sollte. Diese wurde in Zusammenarbeit mit der katholischen und evangelischen Kirche in der HörArena des Kreisjugendrings unter Einhaltung der Hygieneregeln erstellt.

Hartmuth Lang, Vorsitzender des Netzwerks „Mühldorf ist bunt“, wollte mit seiner Frau Andrea die Botschaft durch die Straßen fahren.

Landratsamt: Kein triftiger Grund, das Haus zu verlassen

Doch daraus wird nichts. Das Landratsamt hält die Aktion für nicht zulässig. Dort, wo Tonbandaufzeichnungen abgespielt werden, könnten sich Menschenansammlungen bilden. Außerdem darf die Wohnung derzeit nur aus triftigen Gründen verlassen werden. Das Abspielen von Tonbandaufzeichnungen zählt nach Einschätzung der Behörde nicht dazu.

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Lars Schmidt, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Waldkraiburg, bedauert die Entscheidung. „Ich finde es extrem schade. Es war eine grandiose Initiative von Herrn Lang.“

Kirchen bedauern die Absage

Die Kirchen seien gerne aufgesprungen. Es sei „sehr bedauerlich, dass gerade in solchen Zeiten so eine Aktion abgeblasen wird“. Dabei wäre alles sauber gelaufen, so Pfarrer Schmidt, der die Absage nicht versteht. Die Langs kommen aus einem Hausstand. Es hätte Hinweise gegeben, dass die Leute in ihren Häusern bleiben und von ihren Fenstern aus zuhören sollen.

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