Nach Großbrand gibt Inhaberin eines Waldkraiburger Traditionsgeschäfts ihren Laden auf

Am Tag nach dem Großbrand der Ladenzeile am Sartrouville-Platz: Gerlinde Roth vor ihrem Geschäft. „Textilien und Kurzwaren Juppe“ zählt zu den ältesten Einzelhandelsläden in der ganzen Stadt. Mit dem Brand kam jetzt das Aus. Einen Neuanfang will sich die Inhaberin nicht mehr antun. Grundner
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Es ist eines der ältesten Geschäfte in der ganzen Stadt. Wolle, Strickwaren, Kurzwaren, Hüte, Handarbeiten – Generationen von Waldkraiburgern sind mit „Juppe“ groß geworden. Doch der verheerende Brand in der Nacht zum Montag am Sartrouville-Platz hat das Aus für den traditionsreichen Laden besiegelt.

Waldkraiburg – „Juppe wird es in dieser Form nicht mehr geben“, sagt Inhaberin Gerlinde Roth.

Nach Corona-Pause alles auf Ansturm der Kunden vorbereitet

Sie war vorbereitet auf den Tag X, hatte den Laden fit für die Zeit nach dem Corona-Shutdown gemacht, Hinweistafeln aufgestellt, für Abstandstandsmarkierungen gesorgt. Endlich sollte es am Montag wieder losgehen im Geschäft. Gerlinde Roth erwartete „einen Ansturm“. Sie bietet Zubehör für Mundnasenmasken zum Selbermachen an. 40, 50 Kundinnen habe sie erwartet.

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Doch gegen halb acht Uhr in der Früh erreichte sie die schockierende Nachricht: Am Sartrouville-Platz hat’s gebrannt, und ihr Laden mittendrin. Wenig später stand Gerlinde Roth vor den kläglichen Resten der Markise. Ein Schaufenster ist wegen der großen Hitzeentwicklung bei dem Brand im benachbarten Gemüseladen zerborsten. Ein Bild des Jammers bot sich ihr, als sie im Beisein der Polizei Wertsachen und Geschäftsdokumente aus dem Laden holen konnte. „Alles ist mit einer dünnen, schmierigen Rußschicht überzogen. Sogar in den Schubläden. Alles muss entsorgt werden.“

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Die Versicherung wird die Renovierung des rund 100 Quadratmeter großen Geschäfts übernehmen. Diese Gewissheit hat Gerlinde Roth. Doch sie wird nicht zurück kehren in das Geschäft, das zu den ältesten der Stadt zählt. Sie müsste neue Ware einkaufen, den Laden neu einrichten. „Das fange ich mir nicht mehr an“, sagt die 71-Jährige, die ans Vermieten oder Verlaufen denkt.

Seit fast 60 Jahren im Laden

Dabei ist sie doch so eng mit dem Geschäft verbunden. 1952, zwei Jahre nach der Gründung der Gemeinde Waldkraiburg, eröffneten ihre Eltern den Laden im Keller des heutigen Polizeigebäudes in der Ratiborer Straße. Es folgten mehrere Umzüge in Richtung Stadtmitte, bis die Familie kurz nach der Eröffnung der brandneuen Waldkraiburger Fußgängerzone den Laden am heutigen Standort kaufte.

„Ich habe hier gelernt“, sagt Gerlinde Roth. „Seit ich 14 bin, stehe ich im Laden. Sieben Enkelkinder sind hier groß geworden. Wir sind mit unseren Kunden alt geworden.“

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